Acredia: Exportrisiko-Trends für zehn wichtige Handelspartner

14.11.2017 – Deutschland springt in der aktuellen Acredia-Tabelle der Länder mit den höchsten Zahlungsverzugs-Volumina auf Platz eins. Grund dafür ist eine Großinsolvenz im dritten Quartal. Auch Polen und Bulgarien verzeichnen laut dem Kreditversicherer einen starken Verzugsanstieg. Basis der Erhebung sind Daten der bei Acredia versicherten österreichischen Exporteure.

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Deutschland überhole die Türkei, was die Summe der Zahlungsverzüge anbelangt, meldet die Acredia Versicherung AG auf Basis von Daten ihrer Versicherungsnehmer im dritten Quartal 2017. „Nach über einem Jahr ist Deutschland wieder auf der Liste der Top-10-Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen zu finden“, so Acredia.

Das Unternehmen ist mit den Marken OeKB Versicherung und Prisma Kreditversicherung auf dem Markt präsent und veröffentlicht quartalsmäßig Daten zur Entwicklung der Höhe der Zahlungsverzüge in einzelnen Ländern.

Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen im dritten Quartal und Entwicklung im Vergleich zum zweiten Quartal 2017 (Quelle: Acredia)
Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen im dritten Quartal und Entwicklung im Vergleich zum zweiten Quartal 2017 (Basis: Daten von bei Acredia versicherten Unternehmen; Quelle: Acredia)

Ein direkter Vergleich des Ausfallrisikos einzelner Länder untereinander sollte aus dem Acredia-Ranking aber nicht abgeleitet werden. Immerhin ist Deutschland mit knapp 31 Prozent Anteil am Ausfuhrvolumen nicht nur der mit Abstand größte Handelspartner Österreichs, sondern auch ein weit größerer als die Türkei, die im ersten Halbjahr 2017 auf einen Anteil von 1,0 Prozent kam. Genaue Zahlen, wie hoch die Zahlungsverzüge in Euro sind, gibt der Versicherer nicht bekannt.

Größte Handelspartner Österreichs – Exportanteile (erstes Halbjahr 2017)

Land

Anteil

Land

Anteil

Deutschland

30,5 %

Tschechien

3,7 %

USA

6,6 %

Ungarn

3,3 %

Italien

6,4 %

Polen

2,8 %

Schweiz

4,9 %

Großbritannien (UK)

2,8 %

Frankreich

5,4 %

China

2,5 %

Deutschland: Großinsolvenz ließ Zahlungsverzüge ansteigen

Zudem können „Ausreißer“ ein Land plötzlich nach „oben“ katapultieren. So gibt es auch für das Vorrücken Deutschlands auf den ersten Platz einen bestimmten Grund: Im Juli hatte der Küchenhersteller Alno AG Insolvenz angemeldet. Dem seien beträchtliche Zahlungsverzüge vorausgegangen, stellt Acredia fest.

Insgesamt halte die Beschäftigungsdynamik in Deutschland an, der Konsum begünstige eine anhaltend positive Konjunkturentwicklung, spricht die Acredia von einem „alles in allem guten Ausblick für Deutschland“.

Trotzdem rät Acredia-Vorstandsmitglied Karolina Offterdinger heimischen Exporteuren: „Auch wenn Sie in unser Nachbarland an bisher termintreue Abnehmer liefern, gilt: Mahnen Sie sofort, wenn eine Zahlung ausbleibt.“

Türkei: Herausforderung Währungskurs

Karolina Offterdinger (Foto: Acredia/Draper)
Karolina Offterdinger
(Foto: Acredia/Draper)

Platz zwei im „Top-Ten“-Ranking der Zahlungsverzüge belegt nun die Türkei. Die positive Entwicklung sei allerdings ein „statistischer Effekt“: Nach einem „rapiden Anstieg“ der Zahlungsverzüge in den vergangenen Monaten seien sie zwar im Sinken, befänden sich aber auf einem hohen Niveau.

„Die Geschäfte österreichischer Unternehmen mit der Türkei laufen insgesamt noch immer gut, aber unsere Erfahrungen mit der Zahlungsmoral türkischer Abnehmer werden nicht wesentlich besser“, so Offterdinger.

Zurzeit ist laut Acredia der Kurs der türkischen Lira eine Herausforderung. Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten, sagt Offterdinger, sie warnt aber: „Je teurer der Euro wird, umso schwerer wird es für türkische Abnehmer, die offenen Forderungen zu bezahlen.“

Polen: Fragezeichen Politik

Neu in der Liste der Top Ten ist Polen. Offterdinger: „Die Umsätze ziehen an und die Risiken bleiben, so steigen schließlich die Zahlungsverzüge.“

Als Ursache für das „aktuell verschlechterte Geschäftsklima“ vermutet sie die jüngsten politischen Entwicklungen im Hinblick auf eine restriktive Medien- und Justizpolitik.

Die Binnenkonjunktur Polens bezeichnet Acredia als „nach wie vor stark“. Sowohl Konsum als auch Investitionen würden sich gut entwickeln. Andererseits hätten steigende Löhne in den vergangenen Jahren „den Kostenvorteil bei der Produktion schrumpfen“ lassen.

Verzüge ziehen meist Schäden nach sich

In 75 Prozent der Fälle ist laut dem Kreditversicherer ein Verzug der Vorläufer eines Schadensfalls. Das restliche Viertel resultiere aus der Insolvenz von Abnehmern.

„Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, so Offterdinger.

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