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IHS: Wie weit Digitalisierung Berufe bedroht

13.4.2017 – Neun Prozent der Jobs in Österreich sieht eine IHS-Studie einem hohen Risiko durch die Digitalisierung ausgesetzt. Rund zwei Drittel davon entfallen auf Arbeitsplätze von Hilfsarbeitskräften, Handwerkern und Beschäftigten in Dienstleistungsberufen. Mit einem entsprechenden Bildungssystem und Investitionen in „möglichst treffsichere Qualifikationsprogramme“ könnte die Digitalisierung aber per Saldo sogar Jobs schaffen, meint man im IHS.

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Neue IHS-Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den österreichischen Arbeitsmarkt
Neue IHS-Studie zu den Auswirkungen der
Digitalisierung auf den österreichischen Arbeitsmarkt

Ganze Branchen, die überflüssig werden, unzählige Berufe, die nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr gebraucht werden: Regelmäßig kommen derlei – für die Betroffenen unerfreuliche bis beängstigende – Szenarien aufs Tapet, wenn es um die Folgen der Digitalisierung für Arbeitswelt und Beschäftigung geht.

Das Institut für Höhere Studien (IHS) zeichnet nun in einer neuen Studie, die es im Auftrag des Sozialministeriums erstellt hat, für den österreichischen Arbeitsmarkt ein nicht ganz so bedrohlich wirkendes Bild.

Hohes Risiko für neun Prozent der Beschäftigten

Der IHS-Abschätzung zufolge sind rund neun Prozent aller Arbeitsplätze – rund 360.000 – mittelfristig in Gefahr, durch die Digitalisierung wegzufallen. „Wesentlich weniger also, als die in einer US-Studie aus 2013 behaupteten 40 bis 50 Prozent“, ergänzt das IHS.

Betrachte man das Beschäftigungsvolumen, so reduziere sich das Automatisierungspotenzial auf 8,5 Prozent der Arbeitsstunden, welches rund 318.835 Vollzeitäquivalenten entspreche.

„Wir wissen selbstverständlich nicht, was in 100 Jahren passieren wird, aber für die nächsten zehn bis 20 Jahre sind die Schätzungen der US-Studie maßlos übertrieben“, meint IHS-Direktor Martin Kocher.

Die IHS-Berechnungen bezögen mehrere Dimensionen und Parameter bei der Bewertung der Automatisierbarkeit von Berufen mit ein. „So gibt es auch innerhalb ein- und desselben Berufs oftmals unterschiedliche Tätigkeitsstrukturen, die man bei der Prognose hinsichtlich der Automatisierungs-Wahrscheinlichkeit berücksichtigen muss.“

Mittleres Risiko für vier Fünftel

Vor diesem Hintergrund berechnet die IHS-Studie für verschiedene Berufsgruppen den Anteil der Tätigkeitsstruktur, der durch Maschinen oder Algorithmen ersetzbar ist. Wenn mehr als 70 Prozent der Aufgaben eines Jobs durch maschinelle Prozesse übernommen werden können, so gilt dieser Arbeitsplatz mittelfristig als gefährdet – das sind die eingangs erwähnten neun Prozent.

Allerdings heißt es in der Studie auch: „Würde man die gewählte Grenze geringfügig darunter bei 60 Prozent ansetzen, würde der Anteil der Beschäftigten, die von einer hohen Automatisierungs-Wahrscheinlichkeit betroffen sind, auf 39,5 Prozent ansteigen.“

Und: Während zwar nur ein knappes Zehntel von einem hohen Risiko betroffen ist, gehören 79,5 Prozent der mittleren Risikogruppe (30 bis 70 Prozent Automatisierungs-Wahrscheinlichkeit) an.

In den Dienstleistungsberufen beläuft sich der entsprechende Anteil auf 88,3 Prozent, bei Bürokräften auf 90,5 Prozent; von hohem Risiko sind hier 10,7 beziehungsweise 6,6 Prozent betroffen. Die niedrigsten Automatisierungs-Wahrscheinlichkeiten weisen Führungskräfte und Akademiker auf.

Risikoeinschätzung für Finanz- und Versicherungs-Dienstleistungen

Die Studie untersucht unter anderem auch die Verteilung der geschätzten Automatisierungs-Wahrscheinlichkeiten innerhalb von 21 Branchen.

Den Sektor „Finanz- und Versicherungs-Dienstleistungen“ sehen die Wirtschaftsforscher zu zwei Prozent von hohem und zu 84 Prozent von mittlerem Risiko betroffen. Die restlichen 14 Prozent fallen in die Risikogruppe „gering“. Im Durchschnitt ergibt sich daraus eine Automatisierungs-Wahrscheinlichkeit von 49 Prozent.

Entwarnung kann vor allem für Berufe, in denen Kreativität, soziale Intelligenz und Flexibilität gefragt sind, gegeben werden. Diese Tätigkeiten sind so gut wie gar nicht durch die Digitalisierung betroffen.

Gerlinde Titelbach, Co-Studienautorin

Zum Vergleich: Für zwölf Branchen identifiziert die Untersuchung höhere durchschnittliche Automatisierungs-Wahrscheinlichkeiten. Am höchsten sind sie in den Sektoren „Beherbergung und Gastronomie“ und „private Haushalte und Hauspersonal“ mit jeweils 61 Prozent.

Werte unter 40 Prozent werden für nur zwei Gruppen angegeben, nämlich „Erziehung und Unterricht“ (36 Prozent) und „exterritoriale Organisationen und Körperschaften“ (21 Prozent).

Titelbach: Im Gegenzug entstehen neue Jobs

Dem Umstand, dass ein Teil der Arbeitsplätze gefährdet ist, hält Co-Studienautorin Gerlinde Titelbach entgegen, dass „zur gleichen Zeit aufgrund der Automatisierung in bestimmten Bereichen, wie etwa bei der Entwicklung neuer Technologien oder aufgrund veränderter Arbeitsprozesse, neue Arbeitsplätze entstehen“.

Demnach seien merkliche Gesamtbeschäftigungseffekte unwahrscheinlich, jedoch werden sich die Anforderungen und Tätigkeiten der Erwerbstätigen verändern, meint Titelbach. „Zudem bleibt auch noch abzuwarten, wie rasch insbesondere Klein- und Mittelbetriebe technologische Entwicklungen in ihre Arbeitsprozesse implementieren.“

Entwarnung könne vor allem für Berufe gegeben werden, „in denen Kreativität, soziale Intelligenz und Flexibilität gefragt sind“. Diese Tätigkeiten hält Titelbach für so gut wie gar nicht durch die Digitalisierung betroffen.

Bildung und Qualifikation als Schlüssel für positive Effekte

„Sieht man sich die einzelnen Berufsgruppen und die vorhandenen Beschäftigungsstrukturen im Detail an, zeigt sich, dass Arbeitnehmer, die lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügen, am stärksten vom potenziellen Verlust ihrer Stelle durch Digitalisierung betroffen sind“, stellt das IHS fest. Hilfsarbeiter und Handwerker machen gemeinsam über 50 Prozent der insgesamt gefährdeten Stellen aus, so das Institut.

„Aus Sicht des IHS sind Investitionen in möglichst treffsichere Qualifikationsprogramme und ein, die Digitalisierung antizipierendes, Bildungssystem der Schlüssel dazu, dass per Saldo durch die Digitalisierung in Österreich sogar Jobs geschaffen werden“, folgert Kocher.

Die Studie selbst berücksichtigt mögliche positive Beschäftigungseffekte zwar nicht. Doch auch wenn laut ihrer Prognose ein Teil der Beschäftigungsverhältnisse in der bisher bekannten Form so nicht weiter bestehen bleiben wird, lehre die Vergangenheit, so die Studie, „dass durch die Integration neuer Technologien in den Arbeitsprozess auch neue Tätigkeitsfelder und somit Arbeitsplätze entstehen können“.

Zum Herunterladen

Die 45-seitige Studie kann von der Website des IHS als PDF-Dokument (454 KB) heruntergeladen werden.

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Digitalisierung
 
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