Neue „Unternehmer-Gewerkschaft“ – mit Versicherungsschutz

6.10.2017 – „Vidaflex“ versteht sich als Gewerkschaft für Ein-Personen-Unternehmen (mit bis zu vier Beschäftigten) und bietet in Kooperation mit externen Dienstleistern ein Servicepaket an. Unter den Partnern befinden sich die Österreichische Beamtenversicherung und die D.A.S. mit einer Unfall- beziehungsweise Rechtsschutz-Versicherung. Die Vidaflex-Mitgliedschaft kostet 25 Euro pro Monat.

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Die Verkehrs- und Dienstleistungs-Gewerkschaft Vida hat eine neue Zielgruppe identifiziert: Am Mittwoch hat sie in Wien die neue Schwestergewerkschaft „Vidaflex“ vorgestellt, die sich an Ein-Personen-Unternehmen und freie Dienstnehmer richtet.

Die Arbeitswelt verändere sich, selbstständige und unselbstständige Tätigkeit würden immer mehr verschwimmen, sagte Vida-Chef Roman Hebenstreit bei der Pressekonferenz. „Immer mehr Menschen werden dadurch zu selbstständigen und wenig geschützten ‚Einzelkämpfern‘.“

Die Gewerkschaft habe die Aufgabe, sich „um alle in der Arbeitswelt zu kümmern, die ‚verwundbar‘ sind, die Beratung und Unterstützung benötigen“. 2015 gab es laut Statistik Austria knapp 547.300 Unternehmen. Rund 307.300 davon waren Ein-Personen-Unternehmen.

Interessenvertretung und „digitales Backoffice“

„Mit Vidaflex wollen wir für die neuen Selbstständigen das Unternehmersein vereinfachen“, ergänzt Vidaflex-Vorsitzender Oliver Stauber. Der gebürtige Kärntner ist Rechtsanwalt und berät insbesondere KMUs und Startups, in der SPÖ ist er Vorsitzender der „Sektion ohne Namen“.

Vidaflex soll nach seinen Vorstellungen, neben der Funktion als Interessenvertretung, zu einer Art „digitalem Backoffice“ für EPUs werden. Bewerkstelligen soll das ein Servicepaket, das im Mitgliedsbeitrag von 25 Euro pro Monat enthalten ist und zusammen mit fünf Kooperationspartnern geschnürt wurde.

Darunter sind die FH Campus Wien mit einem Bildungsangebot, das unternehmerisches Wissen vermittelt, die Sparda-Bank, die HFP Steuerberatungs-GmbH und zwei Versicherungsunternehmen. Momentan seien, wie Stauber sagte, viele Ein-Personen-Unternehmen „wenig, gar nicht oder im besten Fall schlecht versichert“.

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ÖBV mit Unfallversicherung an Bord

Der eine der beiden „Vidaflex-Versicherer“ ist die Österreichische Beamtenversicherung V.a.G., die eine Gruppen-Unfallversicherung „beisteuert“, die als Basis-Deckung für Berufs- und direkte Wegunfälle dient.

„Mit der im Produkt enthaltenen 300-prozentigen Progression ist bei einer Versicherungssumme von 30.000 Euro eine maximale Leistung von 90.000 Euro möglich“, erläuterte ÖBV-Vorstandsvorsitzender Josef Trawöger. Ebenso inkludiert ist eine Todesfallleistung in Höhe von 10.000 Euro.

Trawöger betonte, dass dazu die entsprechende Beratung geboten werde, „auch in weiterer Folge für eine Komplettabdeckung“, da es sich bei dem Vidaflex-Angebot freilich nur um ein Basispaket handle.

ÖBV und Vida verbinde eine jahrzehntelange Partnerschaft, daher sei es eine „logische Konsequenz, einen Teil der Versicherungspartnerschaft zu übernehmen“, begründete Trawöger das Engagement der Beamtenversicherung.

D.A.S.-Rechtsschutz-Deckung

Den anderen Teil dieser Partnerschaft übernimmt die D.A.S. Rechtsschutz AG, für die Ernst Bauer, Leiter der Versicherungstechnik, den Deckungsumfang des Rechtsschutz-Angebots skizzierte.

Enthalten sind ein Schadensersatz-Rechtsschutz, ein Straf-Rechtsschutz – sowohl für Gerichts- als auch Verwaltungsstrafverfahren – sowie eine Ausfallsversicherung für Körperschäden und ein Beratungs-Rechtsschutz inklusive Einholung einer zweiten Expertenmeinung.

Auch Bauer ergänzte: Neben der im Vidaflex-Paket angebotenen Grundabsicherung „stehen wir für individuelle Lösungen zur Verfügung“. Bei einer „Optimierung“ des Vidaflex-Rechtsschutz-Angebots auf persönliche Bedürfnisse „wird das Vidaflex-Paket selbstverständlich angerechnet“.

Angebot soll weiterentwickelt werden

Vidaflex sei „mit Vertretern der EPU-Community entwickelt“ worden und solle zusammen mit den Betroffenen weiterentwickelt werden, sagt Stauber.

Falls EPUs wachsen, können sie laut Stauber trotzdem weiter bei Vidaflex bleiben – bis zu einem gewissen Punkt: Die Grenze liege bei vier Angestellten.

Die einzelnen Bestandteile ihres Servicepakets listet Vidaflex auf einer Webseite überblicksartig auf. Nähere Details, etwa Bedingungen, sind online allerdings nicht abrufbar.

Wirtschaftskammer ist nicht erfreut

In der Wirtschaftskammer Österreich ist man von der Initiative nicht entzückt: Ein-Personen-Unternehmen seien, „wie der Name sagt“, Unternehmer, stellt die WKÖ in einer Reaktion verschnupft fest. Interessenvertretung und Servicierung für EPU gebe es bereits – in Gestalt der WKÖ.

Elisabeth Zehetner-Piewald, EPU-Beauftragte in der WKÖ, findet die Gründung einer Gewerkschaft gar „dreist“.

Die Gewerkschaft sei im Zusammenhang mit EPUs nämlich „nur dadurch aufgefallen, dass sie Selbstständige in Arbeitnehmer und potenzielle Gewerkschaftsmitglieder beziehungsweise Versicherte bei den Gebietskrankenkassen umwandeln wollte“.

Der Großteil der EPUs entscheide sich aber bewusst für die Selbstständigkeit, heißt es aus der Wirtschaftskammer. So zählten laut aktuellen Studien etwa flexiblere Zeiteinteilung (76 Prozent) und Selbstverwirklichung (73 Prozent) zu den wichtigsten Motiven, EPU zu werden.

„Wollen nicht als ‚moderne Ziegelarbeiter‘ gesehen werden“

Zehetner-Piewald wehrt sich denn auch gegen „die Mär“, dass „alle EPUs unfreiwillig selbstständig und durchwegs unglücklich“ seien. Der durchschnittliche Zufriedenheitswert von EPUs liege mit 6,3 Punkten auf einer 10-stufigen Skala höher als jener von Arbeitgeber-Unternehmen (5,9).

„Es geht um eine innovative Unternehmergruppe, die sich sicher nicht in die Opferrolle drängen lassen und schon gar nicht als ‚moderne Ziegelarbeiter‘ gesehen werden will“, so die WKÖ-EPU-Beauftragte weiter.

Hintergrund: Hebenstreit hatte eine frühere Aussage von Christian Kern zitiert. Der – ebenfalls bei der gestrigen Pressekonferenz anwesende – Bundeskanzler hatte gemeint, EPUs seien „die neuen Ziegelarbeiter“, die „viel leisten, wenig Sicherheit und oft ungewisse Perspektiven“ hätten.

Zehetner-Piewald: „Wenn die Gewerkschaft der Wirtschaftskammer helfen will, etwa bürokratische Auflagen für Ein-Personen-Gesellschaft wegzuräumen oder die Einkommenssteuer zu senken, dann ist die Unterstützung für Selbstständige willkommen.“

Weiterführende Information

Ein Video von der Pressekonferenz ist auf Facebook abrufbar (keine Anmeldung erforderlich).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Einkommenssteuer · Rechtsschutz · Social Media · Zielgruppe
 
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