Sparbuch und Jetons

20.11.2009 – Für die Österreicher sind größtenteils die Banken schuld an der Wirtschaftskrise. Gleichzeitig bleiben die Geldinstitute Informationsquelle Nummer eins in Finanzfragen. Die größte Krisenbewältigungs-Kompetenz sehen die Österreicher bei der sonst nicht so gut angeschriebenen Bundesregierung und der EU. In Bezug auf das Anlageverhalten setzt sich der Trend zum Angstsparen fort. Eine kleine Minderheit hofft gar auf das große Glück im Lotto oder im Casino.

 

Wenn man nach dem Schuldigen für die Finanz- bzw. Wirtschaftskrise fragt, ist er in den Augen der Österreicher schnell ausgemacht. 73 Prozent geben laut einer Untersuchung von GfK Austria den Banken die Schuld. 72 Prozent halten sonstige Unternehmen im Sektor Finanzdienstleistung für verantwortlich.

An dritter Stelle liegen – mit sehr viel Abstand – die Versicherungen (37 Prozent), knapp gefolgt von großen Unternehmen (35 Prozent) und der Finanzmarktaufsicht (32 Prozent).

Wer hat die Lösungskompetenz?

Überraschend fällt die Antwort auf die Frage aus, wem die Österreicher am ehesten Kompetenz in Sachen Krisenbekämpfung zutrauen. An vorderster Stelle steht eine ansonsten eher mit wenig Lob bedachte Institution: die Bundesregierung – was umso erstaunlicher ist, als die weiter gefasste Gruppe Österreichische Politiker nur einen Wert von zwölf Prozent erreicht.

Mit 36 Prozent konnte sich die Europäische Union unmittelbar hinter der Regierung ein Image als Problemlöserin erarbeiten. 35 Prozent vertrauen auf die Stärke der kleinen Unternehmen. Auf den Plätzen vier und fünf liegen wieder öffentliche Einrichtungen: die Wirtschaftskammer mit 28 Prozent sowie die Nationalbank und die Arbeiterkammer mit jeweils 25 Prozent.

Weniger gut schneidet der Finanzsektor ab: Banken (14 Prozent), Versicherungen (fünf Prozent) und andere Finanzdienstleister (vier Prozent) rangieren am anderen Ende der Skala.

Trotzdem der Bank treu

Ganz konsequent halten die Österreicher ihre Kritik am Finanzsektor allerdings nicht durch: Ihre Informationen in Finanzangelegenheiten holen sie sich nämlich nach wie vor am liebsten bei der Bank (71 Prozent). Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Krise weniger den österreichischen als anderen Instituten angelastet wird.

Weitere wichtige Informationsquellen sind die Familie (38 Prozent), Freunde (25 Prozent) und Versicherungen (21 Prozent). Internet und unabhängige Finanzberater werden von 13 bzw. zwölf Prozent genannt.

Flexibler Notgroschen

Was das Vorsorgeverhalten der Österreicher betrifft, bleibt Sicherheit das dominierende Thema. Sparbuch und Bausparvertrag führen die Liste der aus Kundensicht attraktivsten Anlageprodukte an, wenngleich Versicherungsprodukte zuletzt wieder Aufwind verspürt haben (VersicherungsJournal 21.10.2009).

Geändert hat sich durch die Krise jedoch die Gewichtung der Sparmotive: Schon bisher wurde vor allem gespart, um einen Notgroschen auf der Seite zu haben, auf den man im Fall des Falles schnellen Zugriff hat. Dieses Motiv ist nun noch deutlicher in den Vordergrund getreten. An zweiter Stelle folgt die Vorsorge für die Familie.

Angstsparen und Lottospielen

Demnach setzt sich der Trend zum Angstsparen fort, wie GfK-Experte Mag. Alexander Zeh informiert. So gaben im Juli 18 Prozent an, mehr sparen zu wollen (Jänner: 14 Prozent). Kurios: Vier Prozent (Juli) wollen ihr Finanzglück in der Lotterie oder im Casino versuchen (Jänner: ein Prozent).

Aber sind die Haushalte überhaupt in der Lage, in den nächsten zwölf Monaten zu sparen? Nur 43 Prozent können diese Frage bejahen, der Rest ist sich unsicher. Ein Vergleich mit dem Jahr 2005 relativiert die Krisenstimmung in diesem Punkt jedoch: Damals, als von Krise noch keine Rede sein konnte, lagen die Werte nämlich auf vergleichbarem Niveau.

Auch wenn die Krise keinen Rückfall unter das Niveau von vor vier Jahren bewirkt hat, könnte sie, so GfK, freilich einen möglichen Aufwärtstrend verhindert haben.

Emanuel Lampert


Artikel-Werkzeuge für Sie

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
sehr interessant
informativ
unwichtig
* Pflichtfeld
Ihr Leserbrieftext *
Ihre E-Mail-Adresse *
WERBUNG

Mehr Umsatz...
durch professionelle Kundenpflege!


Mit regelmäßigen Fachinformationen halten Sie sich unaufdringlich im Bewusstsein Ihrer Kunden.
Sie haben keine Zeit dafür?

Wir nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Informationen und Preise finden Sie hier...


Weitere Informationen zum Thema ...

... finden Sie über Suche/Erweiterte Suche im Kopf- und im Fußbereich dieser Seite.

Beachten Sie auch unsere Bücher und Dokumentationen.

Zu Vertriebsthemen kann ein Blick in die VersicherungsJournal Extrablätter lohnen.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Ansprechpartner
Dr. Kurt Markaritzer
Chefredakteur VersicherungsJournal.at
Telefon +43 (0)664 5122392
E-Mail redaktion@versicherungsjournal.at

Diesen Artikel nutzen

Die Wiedergabe von Artikeln aus dem VersicherungsJournal ist gemäß dem Urheberrecht honorarpflichtig! Der Verlag vergibt für verschiedene Zwecke Nachdruckrechte zu günstigen Konditionen.

Ansprechpartnerin
Simona Salzburg
Vertrieb des VersicherungsJournals
Telefon +49 (0)30 72019729
E-Mail s.salzburg@versicherungsjournal.at

Weitere Artikel aus Markt & Politik

Versicherungsmakler gewinnen an Bedeutung und bringen den Versicherungen immer mehr Prämien, hieß es beim ersten Expertentag in Tirol. mehr...

131 Mandate sind bei den neun Landesgremien der Versicherungsagenten bei der kommenden Wirtschaftskammerwahl zu vergeben. mehr...

Das Bundes-Umwelthaftungsgesetz wird Versicherern, Maklern, Agenten und Kunden noch viel Kopfzerbrechen bereiten. Ein neues Buch bringt Licht ins Dunkel. mehr...

WERBUNG