Pensionskassen: Performance, Vermögen, Marktkonzentration

12.10.2017 – Die Anzahl der Pensionskassen hat sich inzwischen halbiert, die drei größten Pensionskassen verwalten drei Viertel des gesamten Vermögens. Gravierende Änderungen für die Berechtigten sieht die FMA dennoch nicht, da die Marktkonzentration vor allem die betrieblichen Pensionskassen betroffen habe. Aktuell verwalten die zehn Pensionskassen Vermögen in Höhe von gut 20 Milliarden Euro. In der betrieblichen Kollektivversicherung ist das Volumen mit einer Milliarde Euro weitaus geringer.

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FMA-Bericht zur Lage der Pensionskassen (Titelblatt)
FMA-Bericht zur Lage der Pensionskassen

„Seit ihrer Einrichtung im Jahr 1990 haben sich die Pensionskassen zu einem bedeutenden Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge entwickelt“, stellt die Finanzmarktaufsicht (FMA) in ihrem gestern erschienenen „Bericht 2017 zur Lage der österreichischen Pensionskassen“ fest.

Ende 2016 verwalteten sie insgesamt mehr als 20,8 Milliarden Euro. In diesem Zusammenhang wird ersichtlich, welchem Konzentrationsprozess der Markt in den letzten Jahren unterworfen gewesen ist. „Die drei größten PKs verwalten zusammen bereits 75 Prozent des gesamten Vermögens“, so die FMA.

„Keine Beeinträchtigung des Wettbewerbs“

Aber: „Trotz des signifikanten Konzentrationsprozesses auf dem Markt der Pensionskassen ist keine Beeinträchtigung des Wettbewerbs festzustellen“, sagen die beiden FMA-Vorstandsmitglieder, Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller.

Dies deshalb, weil die Verringerung insbesondere die betrieblichen Pensionskassen betroffen habe: Während sich die Anzahl der überbetrieblichen seit 2006 nur leicht – von sieben auf sechs – reduzierte, sank jene der betrieblichen von 14 auf vier.

Der Grund für die Konsolidierung liege sowohl in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch in den regulatorischen Mindestanforderungen für den Betrieb einer eigenständigen Pensionskasse, „sodass für manchen Arbeitgeber die Auslagerung in eine überbetriebliche PK rentabler ist als das Betreiben einer eigenen betrieblichen PK“, führt der Bericht aus.

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116 VRG zum Jahresende 2016

Für die Anwartschafts- und Leistungsberechtigten ergaben sich durch die Marktkonzentration laut FMA aber keine gravierenden Änderungen, „da in der Regel die individuellen Veranlagungs- und Risikogemeinschaften (VRG), in der die Pensionskassenzusagen verwaltetet werden, als jeweilige Einheit übertragen wurden“.

Die Anzahl der VRG sei daher etwa gleichgeblieben. 2012 gab es zwar 140 Veranlagungs- und Risikogemeinschaften, während es heute „nur“ noch 116 – vier davon sogenannte „Sicherheits-VRG“ – sind.

Allerdings wurde 2012 die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, in bis zu drei VRG bis zu fünf „Subveranlagungsgemeinschaften“ (Sub-VG) einzurichten. Deshalb reduzierten einige Pensionskassen die Anzahl der VRG. Ende 2016 wurden insgesamt 34 Sub-VG verwaltet.

Derzeit sind mehr als 900.000 Personen im Pensionskassensystem erfasst, zirka ein Zehntel davon bezieht bereits die betriebliche Zusatzpension.

FMA attestiert „langfristig positive Performance“

Der durchschnittliche Veranlagungsertrag der VRG seit Schaffung des Pensionskassensystems betrug gemäß Berechnungen der Oesterreichischen Kontrollbank AG in Summe rund 5,3 Prozent per anno, berichtet die FMA weiter.

Die jährlichen Ergebnisse waren dabei sehr volatil: Sie schwankten zwischen Extremwerten von +13 Prozent (1993) und –13 Prozent (2008). 22 Jahren mit positiven Ergebnissen standen vier mit negativen gegenüber.

2016 betrug die Performance +4,2 Prozent, im ersten Halbjahr 2017 +3,3 Prozent. „Es gibt jedoch große Performanceunterschiede je nach Risikoorientierung der Anlageklassen, aber auch bei gleicher Risikoorientierung der Anlageklasse zwischen unterschiedlichen Pensionskassen“, heißt es im FMA-Bericht.

Performance Ende des dritten Quartals bei +4,3 Prozent

Der Fachverband der Pensionskassen teilte am Dienstag dieser Woche mit, dass die Performance des Pensionskassensektors zum Ende des dritten Quartals 2017 +4,3 Prozent betragen habe.

Nach einem „etwas schwächeren Sommer auf den Finanzmärkten“ habe man „den sich stark entwickelnden September gut nutzen“ können, sagte Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky.

Betriebliche Kollektivversicherung im Vergleich

Neben den Pensionskassen wirft die FMA in dem Bericht auch einen Blick auf die betriebliche Kollektivversicherung (BKV), deren rechtliche Grundlagen 2005 geschaffen wurden.

Ende 2016 betrug das Vermögen der BKV demnach rund 1,0 Milliarden Euro, weniger also als ein Zwanzigstel des von den Pensionskassen verwalteten Vermögens.

Der durchschnittliche Rechnungszins in der BKV für die Jahre 2012 bis 2015 lag bei 2,0 Prozent oder leicht darüber: Jeweils zum Jahresende betrug er 2,2 Prozent (2012), 2,1 Prozent (2013) und jeweils 2,0 Prozent in den Jahren 2014 und 2015.

„Der sinkende Trend ist auf die Reduktion des höchstzulässigen Rechnungszinssatzes für neu abgeschlossene Versicherungsverträge im Sinne der Versicherungsunternehmen-Höchstzinssatzverordnung zurückzuführen“, erläutert die FMA.

Zum Herunterladen

Der „FMA-Bericht 2017 zur Lage der österreichischen Pensionskassen“ kann als PDF-Dokument (2,2 MB) von der Website der FMA heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Pensionskasse · Versicherungsaufsicht
 
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