In welchen Sparten „gerne“ prozessiert wird

12.6.2017 – Einbruch, Sturm und Leitungswasser sind laut Schaden-Spezialist Wolfgang Reisinger jene Sparten, in denen häufiger prozessiert wird als in anderen. Kfz und allgemeine Haftpflicht sowie Sparten abseits des Massengeschäfts frequentieren dagegen weniger oft den Gerichtssaal. Beim OGH wird jährlich über etwa 70 Versicherungsfälle entschieden.

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Mit rund 2.800 bis 2.900 Zivilrechts- und an die 1.000 Strafrechtsakten beschäftigt sich der Oberste Gerichtshof (OGH) im Durchschnitt pro Jahr.

Das sagte Ilse Huber, früher OGH-Vizepräsidentin und seit 2016 Vorsitzende der Rechts- und Disziplinarkommission (RDK) des Fachverbands der Versicherungsmakler, vergangenen Donnerstag bei der „1. Schadenkonferenz“ der IUS Schadenconsult GmbH in Velden.

Deckungsverfahren machen nach Hubers Angaben einen geringen Anteil aus: Rund 70 Versicherungsfälle landen jährlich auf dem Tisch des Höchstgerichts. Zum Vergleich: 2016 fielen bei den heimischen Versicherern laut Versicherungsverband (VVO) 6,6 Millionen Schaden- und Leistungsfälle an.

Zumeist handle es sich bei den vom OGH behandelten Fällen um Rechtsstreitigkeiten aus den Bereichen Haftpflicht, Rechtsschutz, Unfall und weniger alltäglichen Sparten wie etwa Transportversicherung, so Huber.

Die Haupt-„Prozesssparten“: Einbruch, Sturm, Leitungswasser

Wolfgang Reisinger, Leiter Spezialschaden der Wiener Städtischen Versicherung AG, berichtete aus seiner Erfahrung, dass rund 80 Prozent der Gerichtsverfahren den Sachsparten zuzuordnen sind.

Drei Sparten, in denen verhältnismäßig häufig prozessiert werde, hob Reisinger hervor. Dazu gehört die Einbruchversicherung, wo etwa gekippte Türen und nicht verschlossene Türen Thema seien. Der Betrugsanteil, vor allem hinsichtlich der Schadenhöhe, sei bei diesen Verfahren hoch.

Zweite „Prozess-Sparte“ ist die Sturmschaden-Versicherung. Hier hob Reisinger die Verletzung von Sicherheitsvorschriften hervor, ebenso mangelndes Verständnis für Deckungsbeschreibungen oder für die Formulierung von Naturkatastrophen-Deckungen.

Nummer drei: Leitungswasser-Schäden. Auch hier spielen missachtete Sicherheitsvorschriften eine Rolle, so sei etwa die 72-Stunden-Regel weitgehend unbekannt. Oftmals gehe es hier – ebenso wie im Sturmschaden – darum, den Schaden zur Sanierung zu verwenden.

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Weniger im Fokus: Kfz- und allgemeine Haftpflicht, „Exotisches“

Als weniger prozesslastige Sparten identifizierte Reisinger die Kfz-Haftpflicht, wo ein hohes Unrechtsbewusstsein der Versicherungsnehmer herrsche, sowie die allgemeine Haftpflicht.

Auch „Exotensparten“ abseits des Massengeschäfts, wie etwa Transport oder technische Versicherungen, seien ebenfalls weniger häufig ein Fall für den Richter: Hier herrsche in der Regel „große Sachkenntnis der Versicherungsnehmer“, meist handle es sich um Maklergeschäft mit guten Kundenbeziehungen.

Ursachen für Deckungsablehnungen

Dafür, dass ein Versicherer die Deckung überhaupt erst ablehnt, listete Reisinger mehrere mögliche Gründe auf.

Allen voran: Der Schaden ist nicht gedeckt, etwa weil nicht der „richtige“ Vertrag abgeschlossen wurde, der Kunde falsche Vorstellungen vom Deckungsumfang hatte oder sich dieser nicht so verhalten hat, wie es der Vertrag verlangt – Stichworte Fahrlässigkeit oder Obliegenheiten.

Schließlich könnten unter anderem auch unterschiedliche Auffassungen über die Höhe oder gar Versicherungsbetrug eine Deckungsablehnung auslösen.

Prozessvermeidung beginnt beim Vertragsabschluss

Um „sinnlose Deckungsprozesse zu vermeiden“, sieht Reisinger verschiedene Ansatzpunkte.

Der grundlegendste ist der „Abschluss des richtigen Versicherungsvertrags“, womit auch das Risiko hintangehalten werde, „in eine Haftung hineinzurutschen“. Ein weiterer Punkt: die Beratung durch einen fachkundigen Makler oder Rechtsanwalt.

Bei Deckungsablehnungen könne das Vier-Augen-Prinzip das Risiko verringern, dass es zu einem Rechtsstreit um die Deckung kommt. Wenn eine Klage vorliege, sei die Überprüfung durch eine neutrale Stelle angeraten.

In Zweifelsfällen empfehle es sich, über einen Vergleich nachzudenken, anstatt sich auf einen „Justament-Standpunkt“ zurückzuziehen. Auch im Prozess könne ein Vergleichsversuch noch Sinn machen.

Die Dimension des Versicherungsbetrugs

Die Rolle des Versicherungsbetrugs relativierte Reisinger übrigens – dessen Dimension werde im Allgemeinen „überschätzt“.

Gleichwohl ließen sich über alle Sparten schätzungsweise fünf Prozent der Prämienhöhe einsparen, wenn es keinen Versicherungsbetrug gäbe, meinte Reisinger.

 
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