„Pension innovativ“: Mit der BAV Bezüge begünstigt umwandeln?

17.7.2017 – Anfang Juni hat der Bundestag in Deutschland das „Betriebsrentenverbesserungsgesetz“ zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (BAV) beschlossen. Unter anderem wird die Möglichkeit der steuerbegünstigten „Bezugsumwandlung“ nochmalig erweitert. Für uns ein Anlass, neidvoll über die Grenze zu blicken? Bei uns funktioniert doch nur das „300-Euro-Modell“, oder? Ja und nein – in Österreich haben wir mehr Möglichkeiten als man denken möchte. Nur leider herrscht hierzulande mitunter nach wie vor ein sehr eingeschränkter Blick auf die innovativen Möglichkeiten der BAV vor.

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Autor Markus Reindl (Foto: Stephan Natschläger)
Autor Markus Reindl
(Foto: Stephan Natschläger)

In Deutschland gibt es seit vielen Jahren attraktive Möglichkeiten der begünstigten und geförderten Umwandlung von Bezugsteilen über die betriebliche Altersvorsorge (BAV), sogar mit Rechtsanspruch für die Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber ausgestattet.

Diese Förderung und andere Punkte wurden jetzt sogar noch einmal zum Zwecke der weiteren Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge erweitert. In dieser Hinsicht könnten wir sehr wohl mit einer gewissen Sehnsucht zu unserem großen Nachbarn blicken.

Hierzulande gibt es einen derartigen Rechtsanspruch auf Bezugsumwandlung nicht, der Arbeitgeber muss eine Umwandlung – gut bekannt wird wohl die steuerfreie Bezugsumwandlung gemäß § 3 Abs. 1 Z. 15 lit. a EStG mit den 300 Euro im Jahr je Arbeitnehmer sein – nicht zulassen.

Ebenso hat sich die BAV bis dato in Österreich als Lösung bei der breiten Arbeitnehmerschaft nur sehr mäßig durchgesetzt, im KMU-Bereich überhaupt nur im verschwindenden Bereich.

Informationsdefizite

In den Genuss von Beiträgen, welche der Arbeitgeber einzahlt (beispielsweise in eine Pensionskasse), kommen mitunter Arbeitnehmer größerer Unternehmen beziehungsweise von solchen aus dem öffentlichen oder halböffentlichen Bereich.

Zumindest ansatzweise etabliert haben sich direkte Leistungszusagen als moderne Form der Vergütung für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder aber beispielsweise Vorstände von Aktiengesellschaften.

Hauptgrund ist meines Erachtens, dass in vielen Unternehmen nach wie vor ein vollkommen unzureichender Blick auf eine derartige Lösung geworfen wird beziehungsweise schlichtweg ein wesentliches Informationsdefizit herrscht.

BAV-Lösungen und innovative Gehaltsmodelle

„BAV für die Arbeitnehmer kostet zusätzlich und erhöht die Personalkosten.“ Muss dem wirklich so sein? Wäre es nicht zielführend, wenn Arbeitnehmer eigenverantwortlich über eine BAV-Lösung Vorsorge treffen könnten und somit auch zusätzliche steuerliche Vorteile lukrieren können? Möglicherweise sogar in Kombination mit mehr oder weniger großen Ersparnissen für das Unternehmen selbst?

Mitnichten ist hier lediglich die Bezugsumwandlung gemäß § 3 Einkommenssteuergesetz mit den 300 Euro pro Jahr gemeint – meiner Ansicht nach lässt sich die Bezeichnung Bezugsumwandlung wesentlich weiter fassen und so für echte Arbeitnehmer und Unternehmen wirklich attraktive Möglichkeiten im Lichte moderner Gehaltsmodelle eröffnen.

Ein Arbeitnehmer kann also in Kooperation mit seinem Arbeitgeber bestehende oder auch zukünftige Bezüge in eine begünstigte Pensionsvorsorge umwandeln.

Umwandlung an Gehaltes statt

Wir gehen nicht von einer BAV-Lösung zusätzlich zum Gehalt, sondern an Gehaltes statt aus. Das österreichische Steuerrecht ist hier durchaus restriktiv, doch offenbaren sich Möglichkeiten innovativer Modelle,

  • bei welchen bereits bestehende Bezüge umgewandelt werden, und solche,
  • bei welchen zukünftige Bezüge, an sofortiger Auszahlung statt, begünstigt zum Zwecke einer Pensionsvorsorge in eine BAV-Lösung fließen können.
Umwandlungsvarianten

Umwandlung bestehender Bezüge für echte Arbeitnehmer

Umwandlung zukünftiger Bezüge für echte Arbeitnehmer

Entgeltvariante für GmbH-Geschäftsführer mit Einkünften gemäß § 22 EStG

  • gemäß § 3 EStG („Zukunftssicherung“)
  • gemäß § 26 EStG („Öffnungsklausel“)
  • über Bonifikationsmodelle
  • über BAV als Bindungsinstrument
  • Direktzusagen als Variante neben Geschäftsführerbezug und/oder Ausschüttung

Umwandlung bestehender Bezüge

Hier gibt es über die Zukunftssicherung gemäß § 3 EStG die Möglichkeit, bis zu 300 Euro im Jahr gänzlich frei von Lohnsteuer zu stellen, und zwar über die allseits in der (Versicherungs-)Branche gut bekannte Zukunftssicherung.

Die Lohnsteuerersparnis für den Arbeitnehmer liegt hier, je nach Einkommen und Steuerprogression des Arbeitnehmers, zwischen 75 und 150 Euro jährlich. Ein kleines und vor allem unkompliziertes Steuergeschenk, aber insbesondere im KMU-Sektor de facto nicht für die Arbeitnehmer zugänglich – da mitunter nicht einmal bekannt.

Wenig bekannt und ebenso nur wenigen Arbeitnehmern zugänglich (nicht zuletzt da beispielsweise eine entsprechende Regelung im jeweiligen Kollektivvertrag erforderlich ist; mehr dazu in den folgenden beiden Teilen dieser Serie) ist die Bezugsumwandlung gemäß § 26 EStG. Hier könnten sogar bis zu 10,25 Prozent des Bruttobezuges begünstigt über eine betriebliche Kollektivversicherung oder eine Pensionskasse umgewandelt werden, wobei der Gesetzgeber hier jedoch die Verpflichtung zum Konsum einer lebenslangen Rente und eine nachgelagerte Besteuerung dieser grundsätzlich vorsieht.

Diese Variante ist komplexer, kann aber für einige Arbeitnehmer eine sehr attraktive Pensionsvorsorge sein.

Umwandlung zukünftiger Bezüge

Nähere Beschreibungen würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Nur so viel: Hierbei handelt es sich um „indirekte Umwandlungen“. Es werden also keine bestehenden Bezüge umgewandelt. Vielmehr werden (mögliche) zukünftige Bezüge, auf die noch kein Rechtsanspruch besteht, mit Begünstigungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer von „Barlohn“ in „Vorsorgelohn“ umgewandelt.

Dies eignet sich besonders gut im Rahmen von Bonifikationsmodellen (über eine betriebliche Kollektivversicherung oder eine Pensionskasse), als optimales Bindungsinstrument für echte Arbeitnehmer oder aber als echte Ergänzung zur Vergütung von Gesellschafter-Geschäftsführern einer GmbH mit Anteilen über 25 Prozent an dieser GmbH.

Das „Öffnungsklausel-Modell“

Die Bezugsumwandlung über § 26 EStG („Öffnungsklausel-Modell“) kann besonders für Beschäftigte bei Versicherungsunternehmen von großem Interesse sein, dazu jedoch etwas ausführlicher im zweiten Teil dieser Serie.

Markus Reindl

Der Autor ist Spezialist für betriebliche Altersvorsorge bei einem österreichischen Versicherungsunternehmen und Vortragender zu Themen der betrieblichen Altersvorsorge und der gesetzlichen Pension.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Betriebliche Altersversorgung · Einkommenssteuer · Pensionskasse · Rente  · Steuern
 
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