Warnung vor teuren und nutzlosen Garantien

16.2.2017 – In einer für Standard Life angefertigten Studie zeigt die Frankfurt School of Finance & Management modellhaft die Kosten von Garantien bei Einmalanlagen auf. Darin wird den Anlegern die Angst vor dem Risiko zu nehmen versucht.

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„Garantien in der privaten Altersvorsorge sind teuer, meist schwer verständlich und bringen – vor allem bei länger dauernden Investments – keinen Nutzen für den Anleger. Ganz im Gegenteil erhöhen fest zugesagte Garantien über die gesamte Laufzeit die Kosten der Kapitalanlage und verringern deren Renditechancen.“

So fasst die Frankfurt School of Finance & Management gemeinnützige GmbH die Ergebnisse ihrer Studie „Geldanlage und Sicherheitsbedürfnis: Die Kosten der Kapitalgarantie bei einer einmaligen Geldanlage“ (PDF-Datei, 336 KB) zusammen.

Die Untersuchung wurde im Auftrag der Standard Life Versicherung, Zweigniederlassung Deutschland der Standard Life Assurance Ltd. erstellt. Der Autor der Studie ist Prof. Olaf Stotz.

Der Anleger will nach 15 Jahren garantiert sein Geld zurück

Olaf Stotz (Bild: Frankfurt School of Finance & Management)
Olaf Stotz (Bild: Frankfurt School of Finance & Man.)

Untersucht wurde der Musterfall eines Anlegers, der 100.000 Euro investiert und dieses Kapital nach 15 Jahren garantiert zurückerhalten will.

In einem vereinfachten ersten Szenario hat der Investor eine sichere Anlage – wie zum Beispiel eine Bundesanleihe – erworben, die sich (einschließlich der wiederangelegten Erträge) mit fünf Prozent verzinst.

In diesem Fall müssten 48.102 Euro investiert werden, um am Ende einschließlich der Zinsen garantiert 100.000 Euro herauszubekommen.

Die übrigen 51.898 Euro könnten in riskantere Anlagen wie etwa Aktien fließen. Selbst bei einem Totalverlust dieses Teils des Portfolios wäre der garantierte Kapitalerhalt nicht gefährdet.

Gleichzeitig könnte der Aktionär oder Fondskäufer erhebliche Zusatzerträge erwirtschaften.

Auf den sicheren Zinssatz kommt es an

In einem zweiten vereinfachten Szenario rechnet Stotz mit einem sicheren Zinssatz von einem Prozent. Dann müssten 86.135 Euro in die sichere Anlage investiert werden, um nach 15 Jahren den Erhalt der 100.000 Euro zu sichern. Dementsprechend könnten nur 13.865 Euro spekulativ angelegt werden.

Die Aktienanlage hat der Professor mit einer beispielhaften gleichmäßigen Rendite von acht Prozent gerechnet. Dabei vermehren sich im ersten Szenario die Investitionen auf 264.630 Euro und im zweiten Modellfall auf 143.982 Euro.

Je niedriger also der sichere Zinssatz ist, desto weniger von dem verfügbaren Kapital kann in Anlagen mit höheren Renditechancen investiert werden.

Die Berechnung der Garantiekosten

Um die Kosten der Garantie zu berechnen, geht der Wissenschaftler von einem Modell aus, bei dem die 100.000 Euro je zur Hälfte in Anleihen und Aktien investiert werden und dieses Portfolio mittleren Risikos ein Schwankungsrisiko von durchschnittlich zehn Prozent aufweist.

Werden die 50.000 in Aktien mit acht Prozent und die Anleihen mit fünf Prozent (Szenario eins) beziehungsweise einem Prozent (Szenario zwei) gerechnet, so ergibt sich nach 15 Jahren ein Endkapital von 262.555 Euro beziehungsweise 216.657 Euro.

Daraus leitet der Wissenschaftler die Kosten der Garantien ab. Im ersten Szenario mit 5 Prozent sicherem Zins ist die Variante, bei der nur die für den Kapitalerhalt mindestens notwendigen 48.102 Euro sicher investiert werden, um 2.075 Euro ertragreicher als das 50:50-Modell.

Im zweiten Szenario mit einem Prozent sicherem Zins bringt die hälftige Aufteilung des Anlagebetrags dagegen einen 72.675 Euro höheren Endbetrag.

Studie zu den Kosten der Kapitalgarantie (Quelle: Frankfurt School of Finance & Management)
Studie zu den Kosten der Kapitalgarantie (Quelle: Frankfurt School of Finance & Management)

Niedrigzinsumfeld verteuert Garantien erheblich

Der Umkehrschluss ist laut der Studie: „In einem Niedrigzinsumfeld, wie wir es in den letzten Jahren erlebt haben, können sich entsprechend die Garantiekosten stark verteuern.“

Stotz räumt ein, dass seine einfache Garantiekosten-Berechnung realitätsfern ist, da sie die Unsicherheit der Aktienanlage nicht berücksichtige. Dieser Schwäche begegnet der Studienautor mit einer Simulation „aller möglichen Kapitalmarktverläufe in der Zukunft“.

Berücksichtigt würden dabei sowohl sehr gute als auch sehr schlechte Entwicklungspfade sowie diejenigen, die eine höhere Wahrscheinlichkeit haben. Ziel der Simulation sei es, eine Wahrscheinlichkeits-Verteilung zukünftiger Kapitalmarkt-Entwicklungen zu erhalten.

Aufteilung auf Aktien und Anleihen minimiert das Risiko

Für das je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen zusammengesetzte Portfolio mittleren Risikos wird die Wahrscheinlichkeit, dass das angesparte Vermögen unter der Summe des Anfangsvermögens liegt, mit 1,2 Prozent angegeben. Diese Wahrscheinlichkeit liege in etwa auf dem Niveau, dass eine Person bei einem Pkw-Unfall stirbt.

Bei einer Laufzeit von 25 Jahren sinkt die Verlust-Wahrscheinlichkeit auf weniger als ein Viertel Prozent und bei 35 Jahren liegt sie noch deutlich niedriger.

Sofern nach 15 Jahren ein Verlust entsteht, wird dessen Höhe mit acht Prozent angeben. Im schlechtesten Worst-Case-Szenario würde von dem Investment mehr als die Hälfte erhalten bleiben.

Studie zu den Kosten der Kapitalgarantie (Quelle: Frankfurt School of Finance & Management)
Studie zu den Kosten der Kapitalgarantie (Quelle: Frankfurt School of Finance & Management)

Dazu erläutert Stotz: „Ersetzt man den in die Zukunft gerichteten Kapitalmarktsimulator durch eine historische Simulation, so hätte es in Deutschland kein Szenario gegeben, in dem über einen 15-jährigen Zeitraum der Risikofall eingetreten wäre.“

Ohne Transparenz dieser Garantiekosten liegt die Vermutung nahe, dass Anleger in ihrer Geldanlage keine optimale Entscheidung treffen können.

Prof. Olaf Stotz, Frankfurt School of Finance & Management

Es fehlt an Transparenz

Während eine Garantie zu Beginn der 2000er Jahre sinnvoll gewesen wäre, seien die Kosten der Garantie seit dem Beginn des Jahrtausends deutlich angestiegen, wird in der Studie festgehalten.

Das scheint den Anlegern nicht bewusst zu sein, befürchtet Stotz: „Ohne Transparenz dieser Garantiekosten liegt die Vermutung nahe, dass Anleger in ihrer Geldanlage keine optimale Entscheidung treffen können.

Während dem Anleger die Leistung der Garantie (‚Ich bekomme mindestens mein eingezahltes Geld zurück‘) bewusst ist und seine Zustimmung finden dürfte, sind ihm die Kosten und insbesondere der starke Anstieg in den letzten Jahren nicht transparent.

Würde er sie kennen, dann könnte er den Preis für die Garantie mit der Leistung vergleichen, er könnte dann mit Kenntnis des tatsächlichen Preis-Leistungs-Verhältnisses eine bessere Entscheidung für die Geldanlage treffen.“

Jeder nimmt Risiko anders wahr.

Prof. Bernd Ankenbrand, Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt

Risiko wird subjektiv wahrgenommen

Dass es beim Thema Garantien nicht nur um rationale Aspekte geht, das war kürzlich Thema einer Fachveranstaltung.

Prof. Bernd Ankenbrand von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt sagte bei einer Veranstaltung von Standard Life in Wien: „Jeder nimmt Risiko anders wahr“ – und das auch auf irrationale und teilweise makabre Art und Weise.

Um mit möglichen Konflikten zwischen dem Bauchgefühl und der „Ratio“, die es eigentlich besser weiß, umgehen zu können, sei es für den Berater deshalb wichtig, seinen Kunden zu kennen, also zu wissen, welche Erfahrungen dieser wann gemacht hat (VersicherungsJournal 18.1.2017).

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Altersvorsorge · Kapitalgarantie · Pkw
 
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