Unangenehmer Spiegel

14.10.2013 – Diese Zahlen sind lange bekannt, werden aber aus begreiflichen Gründen ungern publiziert. Selbstverständlich kann ein Berater, der weniger als 25.000,- im Jahr Umsatz macht, nicht „standesgemäß“ davon leben. Aber es ist ein Phänomen der letzten zwei Jahrzehnte in vielen beratenden Berufen, dass das Einkommen massiv erodiert ist.

Zunächst waren die Architekten dran, die sich mit dem Wegfall der Honorarordnung ein veritables Eigentor geschossen haben. Dann die Ärzte – es ist längst nicht mehr so, dass ein Arzt nach zehn Jahren Tätigkeit Villa am Land und Boot am Meer besitzt. Zuletzt die Juristen – ein großer Teil der Anwälte verdient schlecht, und ein weiterer Teil ist von der Uni weg extrem „billig“ zu bekommen. Die Zeit, in der der Bund die fertigen Juristen in den Staatsdienst übernahm, sind vorbei.

Und unsere Branche? Nun – zunächst drängten die Versicherungen tausende Berater in die „Selbstständigkeit“, gleichzeitig entdeckten die Banken das Vorsorgegeschäft, daneben laufen noch tausende Gemeindesekretäre und Betriebsräte versicherungskeilend herum, und diveren Strukturvertrieben wurde es jahrelang sehr leicht gemacht, tausende „Tippgeber“ (oder wie immer man sie nannte) auf die Bevölkerung loszulassen.

Die Rechnung war und ist bitter – für alle Beteiligten. Dass sich nun viele auf Qualität einschwören, dass die Zahl der Selbstständigen in der Branche ständig sinkt, löst das Problem noch lange nicht; erschwerend kommt dazu, dass es seit Jahren kein Wirtschaftswachstum gibt, viele Sparer und Anleger ihre Wunden lecken und somit die Nachfrage einfach massiv beeinträchtigt ist. Der Cocktail, den wir uns da teilweise auch selbst gemixt haben, ist zwar nicht tödlich, aber auch nicht sehr bekömmlich.

Nur wenn die Branche lernt, konsequent Qualtität vor Quantität zu stellen, wenn die gewerberechtlichen Rahmenbedingungen vom Zugang her stringenter behandelt werden, wenn wir gleichzeitige den Verwaltungsdruck eindämmen können, und vor allem, wenn die Beraterbranche selbst betriebswirtschaftlich zu denken und handeln beginnt, werden wir dorthin kommen, wo wir so gerne wären. Ein angesehener Beruf mit gutem Einkommen für alle, die fachlich gut und fleißig sind. Dazu müssen wir aber in vielen Bereichen noch hart (auch an uns selbst) arbeiten!

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@unabhaengigeswirtschaftsforum.at

zum Artikel: „Was selbstständige Berater volkswirtschaftlich leisten”.

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