Anstieg bei Staatsausgaben für Pensionen und Gesundheit

7.4.2021 – Österreichs Staatsausgaben stiegen 2020, im Jahr der Corona-Pakete, kräftig und überschritten die 200-Milliarden-Euro-Marke. Deutlich größter Posten mit zirka 40 Prozent der Ausgaben war die „soziale Sicherung“, zu der unter anderem Pensionen und Ausgaben für Krankheit und Erwerbsunfähigkeit zählen. Der Bereich „Gesundheitswesen“ wurde vom Bereich „wirtschaftliche Angelegenheiten“ – Stichwort Hilfsmaßnahmen – auf Platz drei verdrängt. Gestiegen ist der Aufwand aber da wie dort.

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Die Ausgaben des öffentlichen Sektors in Österreich sind 2020 auf 217,4 Milliarden Euro gestiegen, wie aus kürzliche veröffentlichten Daten der Statistik Austria hervorgeht. Gegenüber 2019 ist das ein Plus von 12,6 Prozent. In den beiden Vorjahren hatte die Zunahme jeweils um die rund drei Prozent betragen.

Angesichts der Corona-Hilfsmaßnahmen wenig überraschend, war die deutlichste Steigerung 2020 laut Statistik Austria bei den Subventionen festzustellen: Sie wuchsen um 14,1 Milliarden Euro oder 240,7 Prozent an.

Der öffentliche Schuldenstand betrug zum Jahresende 315,2 Milliarden Euro, was 83,9 Prozent des BIP entspricht. Ein Jahr zuvor lag die Schuldenquote um 13,4 Prozentpunkte niedriger.

Einnahmen sanken um knapp sechs Prozent

Die Staatseinnahmen verringerten sich von 2019 auf 2020 um 5,8 Prozent auf 184,2 Milliarden Euro. Der stärkste Rückgang sei „mit 9,8 Mrd. Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2020 161,0 Mrd. Euro ausmachen“.

Das Defizit belief sich folglich auf 33,2 Milliarden Euro oder 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – laut Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas „ein Defizit in historischem Ausmaß“.

„Die Corona-Krise hat Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt“, sagt Thomas und weist auf den „Einbruch der Wirtschaftsleistung aufgrund der Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung“ hin.

Staatsausgaben 2020 nach Bereichen (Grafik: Statistik Austria)
Staatsausgaben 2020 nach Bereichen (Grafik: Statistik Austria).
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Vier von zehn Euro für soziale Sicherung

Größter der zehn ausgewiesenen Ausgabenblöcke war mit Abstand die „soziale Sicherung“, für die 86,8 Milliarden Euro aufgewandt wurden – ein Anstieg um 8,4 Prozent gegenüber 2019.

Innerhalb dieses Blocks wiederum machten Ausgaben für den Bereich „Alter“ mit 52,7 Milliarden Euro (+5,7 Prozent) den Großteil aus.

Staatsausgaben für soziale Sicherung (in Mio. Euro)

Posten

2017

2018

2019

2020

Alter

46.483

47.790

49.886

52.715

Krankheit und Erwerbsunfähigkeit

6.715

6.834

7.036

7.068

Hinterbliebene

5.105

5.205

5.317

5.491

Soziale Sicherung
gesamt *

76.076

77.713

80.102

86.832

Sektor Gesundheitswesen fiel hinter „wirtschaftliche Angelegenheiten“

34,8 Milliarden Euro wurden im Sektor „Gesundheitswesen“ aufgewandt (+5,3 Prozent). 2019 war dies noch der zweitgrößte Ausgabenblock gewesen, 2020 wurde er aber vom Block „wirtschaftliche Angelegenheiten“ überholt, der sich – siehe oben – massiv von 23,1 auf 38,0 Milliarden vergrößerte.

Etwas mehr als die Hälfte der Ausgaben im Bereich Gesundheitswesen, 19,4 Milliarden Euro, floss in die stationäre Behandlung. Für die ambulante Versorgung wurden 6,2 Milliarden Euro ausgegeben.

Staatsausgaben für Gesundheitswesen (in Mio. Euro)

Posten

2017

2018

2019

2020

Stationäre Behandlung

17.193

18.025

18.622

19.404

Ambulante Behandlung

5.452

5.809

6.169

6.246

Medizinische Erzeugnisse, Geräte und Ausrüstungen

4.084

4.266

4.400

4.547

Gesundheitswesen
gesamt *

30.239

31.770

33.009

34.765

Basis der Daten für 2020 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Gemeinden, die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Erwerbsunfähigkeit · Gesundheitsreform · Pension  · Risikoleben · Sozialversicherung · Steuern
 
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