Aufsicht: Verletzlichkeiten im Finanzsektor nehmen zu

14.9.2021 – Nebeneffekte der Maßnahmen gegen die Coronakrise, aber auch andere Faktoren wie etwa finanzielle Vernetzung oder auch Cybergefahren lassen die Vulnerabilität im europäischen Finanzsektor steigen, so die drei zuständigen EU-Aufsichtsbehörden. Unter anderem gelte es, auf eine mögliche Verschlechterung der Qualität von Assets vorbereitet zu sein. Auch ein Mehr an Befugnissen für die Eiopa wird angeregt.

Zusammen mit der Europäischen Bankenaufsicht und der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsicht hat die europäische Versicherungsaufsicht (Eiopa) einen Bericht über „Risiken und Verletzlichkeiten“ im EU-Finanzsystem erstellt.

Mehr als ein Jahr seit Ausbruch der Corona-Pandemie habe sich der Finanzsektor angesichts der damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen weitestgehend als widerstandsfähig erwiesen, heißt es darin. Eine Reihe von Maßnahmen habe dazu beigetragen, die Krisenfolgen zu dämpfen.

Mit dem Beginn der Erholung spiele ein „angemessenes“ Auslaufen der Maßnahmen eine wesentliche Rolle. Trotz positiven Ausblicks „bleiben die Erwartungen für die wirtschaftliche Erholung ungewiss“ und zwischen den Mitgliedsstaaten uneinheitlich, so der Bericht.

Verletzlichkeit im Finanzsektor nimmt zu

Die Vulnerabilität im Finanzsektor nehme zu, nicht zuletzt wegen Nebeneffekten der Krisenmaßnahmen wie etwa steigender Schuldenniveaus. Andere Faktoren wie zum Beispiel die Erwartung eines Inflationsanstiegs oder finanzielle Vernetzung könnten zusätzlichen Druck erzeugen.

Daneben sei der Finanzsektor auch in steigendem Maß Cybergefahren und Risiken in Zusammenhang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ausgesetzt – gerade auch, weil die Pandemie einen Digitalisierungsschub gebracht hat.

„Der Finanzsektor wurde häufiger von Cyberattacken getroffen als andere Sektoren“, schreiben die Behörden; Cyberkriminelle würden währenddessen neue Techniken entwickeln, um Schwachstellen auszunutzen.

Qualität von Assets, Kreditrisiken

Vor diesem Hintergrund raten die drei europäischen Aufsichtsgremien den zuständigen Behörden in den Mitgliedsstaaten, den Finanzinstitutionen und den Marktteilnehmern, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen.

Unter anderem wird Finanzinstitutionen und Aufsichten nahegelegt, weiterhin auf eine mögliche Verschlechterung der Qualität von Assets vorbereitet zu sein und diese entsprechend zu beobachten.

Banken, warnt der Bericht, könnten – als Folge des Auslaufens von Zahlungsmoratorien und anderen öffentlichen Unterstützungen – mit zunehmenden Verlusten im Zusammenhang mit Kreditrisiken konfrontiert sein, während sie zugleich adäquate Kreditvolumina aufrechterhalten.

Lehren aus der Krise ziehen

Politische Entscheidungsträger, Regulatoren, Finanzinstitutionen und Aufseher können beginnen, über die Lehren aus der Coronakrise nachzudenken, schreiben die Autoren weiter; manche spiegelten sich in der Eiopa-Stellungnahme zur Solvency-II-Review wider.

So empfiehlt die Eiopa, Aufsehern zusätzliche Befugnisse, einschließlich eines „makroprudenziellen Toolkits“, zur Bekämpfung systemischer Risiken an die Hand zu geben; der Bericht nennt hier etwa Beschränkungen für Dividendenzahlungen, um die Finanzlage von Versicherern in Phasen „extrem ungünstiger Entwicklungen“ zu bewahren.

In Bezug auf den Banksektor habe die Krise die Notwendigkeit unterstrichen, die Bankenunion voranzutreiben und Skaleneffekte zu nutzen.

Cyberrisiken sorgfältig managen

Angesichts der Cyberbedrohungslage werden die Finanzinstitutionen und Aufseher dazu aufgerufen, weiterhin „sorgfältig“ ihre IKT- und Cyberrisiken zu managen.

Für die Finanzinstitutionen werde wichtig sein, rasch einen EU-weiten Rahmen für die Betriebsstabilität digitaler Systeme einzurichten.

Zum Herunterladen

Der vollständige, 12-seitige „Joint Committee Report on Risks and Vulnerabilities in the EU Financial System“ (nur auf Englisch verfügbar) kann von einer Eiopa-Webseite als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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Darlehen · Digitalisierung · Versicherungsaufsicht
 
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