Coface: Top-Rating für Österreich in risikoreichem Umfeld

13.2.2019 – Erstmals seit der Staatsschuldenkrise 2011/12 seien Unternehmen heuer sowohl mit konjunktureller Abschwächung als auch politischen Risiken konfrontiert, gibt Coface zu bedenken. Im aktuellen Länder-Rating des Kreditversicherer schneidet Österreich derweil sehr gut ab. Es ist eines der sehr wenigen Länder der Welt mit dem höchsten Rating „A1“.

Kreditversicherer Coface bezeichnet politische Risiken, eine hohe Volatilität bei Rohstoffpreisen und Versorgungsengpässe als einige der Faktoren, die das weltweite Wachstum Ende 2018 verlangsamten und die Aussicht für 2019 (3 Prozent, nach 3,2 Prozent 2018 und 2017) trüben.

„Zum ersten Mal seit der Staatsschuldenkrise 2011/2012 müssen Unternehmen in diesem Jahr zur gleichen Zeit zwei Fallstricke beachten: die konjunkturelle Abschwächung und die politischen Risiken“, sagt Julien Marcilly, Chief Economist bei Coface.

„Im Gegensatz zu den üblichen wirtschaftlichen Entwicklungen“ schwächle die westeuropäische Wirtschaft in Westeuropa vor jener in den USA“, fügt Michael Tawrowsky, Country Manager von Coface in Österreich, hinzu. „Unsere Untersuchungen prognostizieren einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in 20 von 26 analysierten europäischen Ländern.“

In der Eurozone bedeute das ein Plus von 1,2 Prozent, in Zentraleuropa einen Anstieg um 6,5 Prozent. „Dieses erhöhte Kreditrisiko für Unternehmen beruht auf einer konjunkturellen Abschwächung und anhaltenden politischen Unsicherheiten.“

Automobilbranche unter Druck

Besonders betroffen sei die Automobilbranche: Nach einem Wachstumszyklus von rund acht Jahren zeichne sich jetzt eine Verlangsamung ab. Gründe dafür seien Investitionsbedarf, verstärkter Wettbewerb, veränderte Lebensstile der Verbraucher, neue Umweltnormen, Reifung des chinesischen Marktes und zunehmender Protektionismus.

Als wichtiges Thema in Europa im Jahr 2019 betrachtet Coface das politische Risiko. Die „Ausbreitung sozialer Unzufriedenheit“ und eine zunehmende Beliebtheit antieuropäischer Parteien könnten nach den EU-Wahlen im Mai „zu einem sehr fragmentierten Europäischen Parlament“ führen.

„Zahlreiche politische Risiken“ müssten heuer auch in den aufstrebenden Ländern und insbesondere in Afrika überwacht werden. „Durch die Verdreifachung der Internet-Zugangsrate seit 2010 verfügen die Menschen über mehr Möglichkeiten, ihre Frustrationen auszudrücken. Zu beobachten sind hier ganz besonders die Urnengänge in Nigeria, Südafrika und Algerien.“

Österreich eines der wenigen Länder mit A1-Rating

Im aktuellen Länder-Rating von Coface haben bis auf Griechenland, welches ein B-Rating aufweist, sämtliche EU-Länder ein „A“ im Rating stehen. Bulgarien, Italien, Kroatien, Rumänien und Zypern haben dabei mit „A4“ das niedrigste A-Rating.

Die höchste Rating-Stufe („A1“) gibt es in der EU für vier Länder: Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Österreich; sie gehören damit zu den weltweit äußerst wenigen Ländern, denen Coface das höchste Rating ausstellt.

Wie Coface bewertet

Die Länderbewertungen (161 Länder) erfolgen auf einer achtstufigen Skala. Das sind aufsteigend nach dem Risiko: A1 (sehr niedrig), A2 (niedrig), A3 (noch gering), A4 (noch akzeptabel), B (nimmt spürbar zu), C (hoch), D (sehr hoch) und E (extrem).

Die Branchenbewertungen (13 Sektoren in sechs geografischen Regionen und 24 Ländern, die fast 85 Prozent des globalen BIP ausmachen) umfassen vier Stufen: niedriges, mittleres, hohes, sehr hohes Risiko.

Zum Herunterladen

Das Coface-„Barometer“ vom Februar 2019 (in englischer Sprache verfügbar) kann als PDF-Dokument von der Coface-Website heruntergeladen werden.

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Darlehen · Konjunktur · Rating
 
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