Insolvenzen: Kredit- und Versicherungssektor gegen den Trend

9.8.2018 – Im ersten Halbjahr 2018 gab es laut Creditreform 2.685 Firmeninsolvenzen – um 1,0 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2017. Das Kredit- und Versicherungswesen entwickelte sich mit einem Plus von 6,1 Prozent gegen den Trend.

Im ersten Halbjahr 2018 gab es in Österreich nach aktuellen Zahlen des Österreichischen Verbands Creditreform um 1,0 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzen als im ersten Halbjahr 2017.

„Nach dem historischen Tiefststand von 2017 und einem leichten Wachstum im ersten Quartal 2018 stagnieren die Insolvenzen nun bei gesamt 2.685 Fällen“, stellt Creditreform fest.

Das Geschäftsklima habe sich das dritte Jahr in Folge verbessert. „Dieser Optimismus verdankt sich starken Exporten, weiterhin niedrigen Finanzierungskosten und einer guten Kauflaune der heimischen Konsumenten.“

In Summe waren nach Angaben des Gläubigerschutzverbandes rund 9.000 Arbeitsplätze und 31.000 Gläubiger betroffen, bei geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten von etwa einer Milliarde Euro.

Bundesländer entwickelten sich unterschiedlich

Die Entwicklung verlief je nach Bundesland verschieden. Den höchsten Anstieg verzeichnete Vorarlberg (+12,2 Prozent), den größten Rückgang Salzburg (–17,5 Prozent).

Die höchste „Insolvenzbetroffenheit“ herrschte jedoch mit 11,2 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen in Wien, die geringste mit 3,8 in Tirol. Der Bundesschnitt lag bei 7,3 und damit etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahrs 2017.

Mehr Insolvenzen im Kredit- und Versicherungswesen

Sieht man sich die einzelnen Branchen an – die Statistik weist sieben Sektoren gesondert aus –, so findet Creditreform Lob für „die Robustheit der heimischen Industrie“.

Diese zeige sich seit mehreren Quartalen: In der Sachgütererzeugung sank die Anzahl der Insolvenzen um 17,8 Prozent, das ist der größte Rückgang unter allen Branchen. Auch die Insolvenzquote ist hier am niedrigsten.

Mehr Insolvenzen als in den ersten sechs Monaten 2017 gab es in zwei Sektoren. Zu diesen zählt das Kredit- und Versicherungswesen, wo 70 Insolvenzen registriert wurden, nach 66 im ersten Halbjahr 2017.

Mit einer Insolvenzbetroffenheit von 11,8 liegt das Kredit- und Versicherungswesen auf Rang drei in der Liste der Branchen und gut fünf Punkte über dem Gesamtschnitt.

Unternehmensinsolvenz-Statistik für das erste Halbjahr 2018 (Branchenreihung nach Insolvenzbetroffenheit)

Branche

Insol-venzen

+/–
ggü.
1. Halbj. 2017

Insolvenzen je 1.000 Untern.

H1 2018

H1 2017

Bauwesen

454

–9,2 %

18,8

20,7

Verkehr und Nachrichtenübermittlung

264

+8,2 %

17,9

16,6

Kredit- und Versicherungswesen

70

+6,1 %

12,5

11,8

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

410

–1,0 %

9,3

9,4

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

476

–2,1 %

6,4

6,5

Handel

490

–1,2 %

6,4

6,4

Sachgütererzeugung

97

–17,8 %

3,4

4,1

Übrige

424

+9,0 %

k. A.

k. A.

Gesamt

– davon eröffnete Insolv.

– davon mangels Vermö-gens abgewiesene Verfahren

2.685

1.578

1.107

–1,0 %

–2,4 %

+1,0 %

7,3



7,4



Im zweiten Quartal wieder mehr Kleine betroffen

Nachdem es im ersten Quartal noch einige Großinsolvenzen gegeben habe, seien im zweiten wieder mehr Klein- und Kleinstunternehmen insolvent geworden.

„In volatilen Zeiten ändert sich auch das Insolvenzgeschehen sehr schnell. Ein paar wenige Insolvenzanträge können so manche Prognose zunichtemachen“, kommentiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer.

Auch bei guter Konjunktur sei daher „generell jedem Unternehmen zu raten, ein wachsames Auge auf seine Kunden und die eigene Liquidität zu werfen“ – der Ausfall eines Großkunden könne schnell negative Folgen zeitigen.

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