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Konsumentenschutz und IDD: So sieht es die Arbeiterkammer

19.11.2020 – Wenn sich Konsumenten bei der Arbeiterkammer über Versicherungsvermittler beschweren, geht es häufig um Statusklarheit, Vergütungen oder unklare Begriffe, erklärte Christian Prantner von der Arbeiterkammer beim Bildungstag der Versicherungsmakler. Für die IDD gab er ein Plädoyer ab: Sie schaffe Rechtssicherheit und nütze damit Verbrauchern ebenso wie Maklern.

„Konsumentenschutzrechtliche Aspekte der IDD“ war der Titel des Vortrags von Christian Prantner, Teamleiter Finanzdienstleister in der Arbeiterkammer, bei dem zu Beginn dieser Woche online abgehaltenen „Versicherungsmakler Bildungstag 2020“.

Prantner, der selbst Gewerbeberechtigungen als Vermögensberater und Versicherungsmakler besitzt, stellte dabei Beschwerden, die die Konsumentenberatung der Arbeiterkammer über Versicherungsvermittler erhält, in den Mittelpunkt seines Referats.

Unklarheiten, in welcher Rolle ein Versicherungsberater auftritt, Fragen zur Maklervollmacht sowie für Kunden unverständliche Kombinationen aus Provision und Honorar zählen zu den häufigsten Gründen, warum sich Kunden in diesem Zusammenhang an die AK wenden, so Prantner.

Makler oder Agent

„Ich habe mit meinem Makler von der Wiener Städtischen gesprochen.“ Allein diese Aussage eines Kunden zeige, dass es häufig Unklarheiten darüber gebe, ob der Berater nun ein Makler, Mehrfachagent oder Mitarbeiter der Versicherung sei.

Eine „seltsam aktuelle Frage“ sei die Statusklarheit, dabei aber „das Um und Auf“. Die in der Gewerbeordnung vorgeschriebene Trennung – Makler oder Agent – sei ein wichtiger Meilenstein, da eine Doppeltätigkeit für den Kunden oft nicht wahrnehmbar gewesen sei.

„Erklären Sie dem Kunden, was ein Makler tut und wofür er da ist“, rät Prantner den Versicherungsmaklern, und: „Sie gewinnen, wenn Sie dem Kunden klarmachen, wofür Sie da sind.“

Auch die Maklervollmacht führe häufig zu Fragen, so Prantner. Viele Konsumenten seien beispielsweise überrascht, wenn sie erfahren, dass der Makler auch bestehende Verträge ändern kann.

Beratung ist nicht gratis

Ein immer wiederkehrendes Thema sei die Vergütung des Maklers. „Meine Beratung ist gratis!“ gehöre mit der IDD der Vergangenheit an. Allerdings sei diese Behauptung sowieso „ein Blödsinn, der den Kunden viele, viele Jahre eingetrichtert wurde“.

Das Argument sei falsch, denn es gehe in Wirklichkeit um die Kosten, die für den Versicherungsnehmer in Summe anfallen. Und außerdem beschädige die Gratisberatung das Image der Makler. Die Problematik, dass viele Kunden keine Honorare zahlen wollen, sei ihm aber bewusst.

Auch wenn eine Kombination aus Provision und Honorar prinzipiell möglich sei, so schaffe sie aber Probleme, berichtet Prantner aus seiner Praxis. Es gebe Fälle, in denen „plötzlich“ Honorare verlangt werden, beispielsweise für die Rückabwicklung eines Vertrags bei einem (fristgerechten) Rücktritt.

Prantner wünscht sich auch, dass es mehr Versicherungsverträge gäbe, bei denen die Provision über die gesamte Laufzeit bezahlt wird. Das würde auch ein Interesse des Vermittlers schaffen, dass der Vertrag bis zum Laufzeitende aufrecht bleibt.

Unklarheiten und dehnbare Begriffe

Manche Formulierungen in der IDD und in den Standesregeln seien unklar, kritisiert Prantner. So sei die Bestimmung, dass über die Tätigkeit als Makler oder über sämtliche Kosten und Gebühren „rechtzeitig vor Vertragserklärung“ zu informieren sei, ein „dehnbarer Begriff“.

Dasselbe gelte für die Regelung, dass bei Versicherungsanlageprodukten eine Vergütung verboten ist, wenn diese eine „nachteilige Auswirkung“ auf die Dienstleistung für den Kunden habe.

Darüber hinaus sei er der Ansicht, dass die auf Verlangen des Kunden bei Versicherungsanlageprodukten vorgeschriebene Aufschlüsselung nach Kostenposten auch die Provisionen beinhalte.

Ebenfalls unklar sei die Formulierung, dass Informationen „an der Komplexität des Versicherungsproduktes“ auszurichten sind. Prantner: „Wir meinen, dass die Natur eines Versicherungsvertrages an sich komplex ist. Das ist zum Beispiel nicht mit einem Sparbuch vergleichbar.“

Streitbeilegung als Qualitätsmerkmal

Es gehe ihm um ein Plädoyer für die IDD, so Prantner: Regularien würden Rechtssicherheit schaffen, von der Verbraucher genauso wie Makler profitieren. Positiv anzumerken sei, dass es in Österreich aber auch außerhalb der IDD einen ausgeprägten Konsumentenschutz gebe.

Und schließlich seien effektive Möglichkeiten der Streitbeilegung „essentiell“. Sie seien Teil der Qualität, wenn etwas schiefläuft, und würden Vertrauen in den Versicherungsmarkt genauso wie in die Maklerschaft schaffen.

Sehr wichtig seien dabei Schlichtungsverfahren, um im Fall des Falles Gerichtsverfahren zu vermeiden. Prantner verweist in diesem Zusammenhang auf die Rechtsservice- und Schichtungsstelle des Fachverbandes der Versicherungsmakler, aber auch auf die Verbraucherschlichtung Austria.

 
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