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Plattformen und der „Zwang“ zu Innovation (und Regulierung)

8.10.2019 – Die „Plattform-Ökonomie“ entfaltet sich derweil nur langsam, sie wird aber für den Finanzsektor an Bedeutung gewinnen, sagt FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller. Wüstenrot-Bausparkasse-Chefin Susanne Riess hält Innovation in der Finanzbranche für nötig, um die junge Generation anzusprechen. „Durchblicker“ Reinhold Baudisch glaubt, dass das derzeit stark entlang nationaler Grenzen ausgerichtete Geschäft internationaler werden wird.

Sie sind eines der Ergebnisse der Digitalisierung: Die Begriffe „Ökosysteme“, „Plattformen“ sind seit einiger Zeit immer öfter zu hören – inzwischen auch in der Versicherungsbranche.

Diese neuen „Erscheinungsformen“ des Verkaufs werfen die Frage auf, wie der Kontakt zwischen Anbietern und Kunden künftig aussieht.

Bei der 10. FMA-Aufsichtskonferenz, die die Finanzmarktaufsicht (FMA) letzten Donnerstag in Wien veranstaltete, stand denn ein Programmpunkt auch unter dem Titel „Plattformökonomie – eine Zukunft ohne Kundenbindung?“

Plattformökonomie entfaltet sich in Europa langsam

In der „Plattformökonomie“ gehe die Entwicklung in Europa „relativ langsam“ vonstatten, befand FMA-Vorstandsmitglied Klaus Kumpfmüller bei der Podiumsdiskussion dazu fest. Nichtsdestoweniger rechne die Aufsicht damit, dass Plattformen im Finanzbereich eine große Rolle spielen werden.

Im Finanzsektor gehe es darum, regulatorisch sicherzustellen, dass keine Konzentrationsrisiken entstehen, keine Schattenbanken, keine „Ausweichbewegungen“. Auf der anderen Seite solle Regulierung aber Innovationen nicht verhindern.

Regulatorische Sandkiste

Kumpfmüller verwies in dem Zusammenhang auf die geplante „regulatory sandbox“: Neue Geschäftsmodelle sollen unter FMA-Begleitung sozusagen „ausprobiert“ werden können.

Der diesbezügliche Entwurf für eine Novelle zum FMA-Gesetz steht bereits, durch das vorzeitige Ende der Legislaturperiode ist sie aber noch nicht umgesetzt worden (VersicherungsJournal 26.4.2019). Die FMA sei jedenfalls „startbereit“ dafür, sagte Kumpfmüller.

Was ist Finanzdienstleistung, was Technologie?

Immer schwieriger zu ziehen sei die Grenze zwischen Finanzdienstleistung und Technologie. Wo enndet das eine, wo beginnt das andere? Und umgekehrt?

Das werde etwa sichtbar, wenn „Zahlungsdienste bei Banken andocken“. Das Stichwort lautet hier „2. Zahlungsdienste-Richtlinie“ (PSD2): Sie öffnet den europäischen Zahlungsverkehrsmarkt.

Kumpfmüller bezeichnete „kollektiven Verbraucherschutz“ als „Auftrag an uns“ und unterstrich, die Aufsicht wolle „faire Wettbewerbsbedingungen“ für bestehende und neue Modelle.

Innovation gefordert

Auch Susanne Riess, Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse Wüstenrot AG, sieht die Finanzwirtschaft in puncto Plattformen hinterherhinken.

Riess zog einen Vergleich mit der seinerzeitigen Entwicklung von Nokia: So wie sich der einstige Smartphone-Riese jahrelang auf die Geräteentwicklung konzentriert habe, habe die Finanzwirtschaft ertragsorientiert „von der GuV her“ gedacht.

Das sei zwar lange Zeit gutgegangen, weil das Vertrauen in die Finanzwirtschaft groß gewesen sei. Das Jahr 2008 habe den Sektor aber „schmerzhaft auf den Boden gebracht“.

Riess’ Schlussfolgerung: Die Finanzwirtschaft sei sehr gefordert, innovativ zu sein, um nicht Kunden zu verlieren.

Kein rein digitaler Vertrieb bei Wüstenrot

Einen ausschließlich digitalen Vertrieb werde es aber nicht geben, betonte Riess. Hier spiele nicht nur Produktkomplexität mit, sondern auch der Umstand, dass unterschiedliche Altersgruppen unterschiedliche Zugänge wünschen. Plattformen seien wichtig, um junge Kunden zu erreichen.

Wüstenrot kooperiert zurzeit mit Durchblicker und hat selbst 2016 die hauseigene Digitalvertriebsschiene „Klickmal“ gestartet (VersicherungsJournal 7.4.2016). „Das funktioniert gut“, sagte Riess, die Neukundenanzahl habe damit gesteigert werden können.

„Es ist kein Entweder-oder“, fasste Riess zusammen, Wüstenrot verfolge „ganz klar eine Omnichannel-Strategie“. Der Kunde könne auch jederzeit mit einem Berater sprechen. „Diese Möglichkeit muss man ihm geben.“

Baudisch: Nationale Grenzen werden durchlässiger

Reinhold Baudisch, Geschäftsführer des „Durchblicker“-Betreibers Yousure Tarifvergleich GmbH, sieht den „Kernvorteil“ des Portals darin, einen „einfachen Zugang“ zu bieten, „leicht verständlich“ zu sein und einen „transparenten Vergleich“ zu bieten.

Ob es durch Plattformen in Zukunft weniger Institute geben wird? Nicht durch Angebote wie Durchblicker, sagte Baudisch, denn dieser trete ja als Vermittler auf.

Im Allgemeinen seien Plattformen aber bereits jetzt sehr erfolgreich. In Großbritannien etwa würden 85 Prozent des Neugeschäfts in der Kfz-Versicherung online abgeschlossen. „In Österreich sind es vielleicht drei Prozent.“

Das Geschäft spiele sich derweil zwar noch stark im nationalen Rahmen ab, Baudisch erwartet aber, dass es durch den Binnenmarkt und die europäische Gesetzgebung offener werden wird.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Bausparen · Digitalisierung · Kfz-Versicherung · Marketing · Strategie · Verkauf · Versicherungsaufsicht
 
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