Starker Insolvenzrückgang im Kredit- und Versicherungssektor

12.7.2019 – Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr, alle Branchen zusammengerechnet, leicht um 1,1 Prozent auf 2.656 gesunken. Im Kredit- und Versicherungswesen war der Rückgang noch weit stärker: Hier hat sie sich nahezu halbiert; die Insolvenzquote verringerte sich entsprechend und liegt jetzt etwa im Schnitt der Gesamtwirtschaft.

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Im ersten Halbjahr 2019 gab es österreichweit 2.656 Unternehmensinsolvenzen. Das meldet der Österreichische Verband Creditreform. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist dies ein Rückgang um 1,1 Prozent.

„Trotz mancher Unkenrufe erweist sich die österreichische Wirtschaft als stabil“, kommentiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer die neuesten Zahlen.

„Auch wenn der Optimismus angesichts so mancher globaler Herausforderung einer realistischeren Einschätzung gewichen ist, sind die heimischen Betriebe dank starker Eigenkapitalausstattung gewappnet“, so Weinhofer. „Das schlägt sich auch auf die positive Insolvenzentwicklung nieder.“

Kredit- und Versicherungswesen: Zahl der Insolvenzen fast halbiert

Für sieben Branchen weist die Creditreform-Statistik gesondert Daten aus. Die nach absoluten Zahlen meisten Insolvenzen gab es bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen (490; +2,9 Prozent).

Die höchste Insolvenzquote – sie gibt die Anzahl der Insolvenzen pro 1.000 Branchenunternehmen an – herrschte aber im Sektor Verkehr und Nachrichtenübermittlung (Transportwesen) mit einem Wert von 21,6. Sie löst damit in puncto Insolvenzbetroffenheit das Bauwesen ab. Zur Orientierung: Über alle Branchen beträgt die Quote im Schnitt 7,2 (erstes Halbjahr 2018: 7,3).

Die deutlich stärkste Veränderung gab es im Sektor „Kredit- und Versicherungswesen“ mit einem Rückgang um 41,4 Prozent auf 41 Insolvenzen. Die Insolvenzquote sank von 12,5 auf 7,3 – und liegt nun ziemlich genau im Schnitt der Gesamtwirtschaft.

Unternehmensinsolvenz-Statistik für das erste Halbjahr 2019 (Branchenreihung nach Insolvenzbetroffenheit)

Branche

Insol-venzen H1 2019

+/– ggü. H1 2018 (in %)

Insolvenzen je 1.000 Unternehmen

H1 2019

H1 2018

H1 2017

Verkehr und Nachrichtenübermittlung

319

+20,8

21,6

17,9

16,6

Bauwesen

436

–4,0

18,0

18,8

20,7

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

392

–4,4

8,9

9,3

9,4

Kredit- und Versicherungswesen

41

–41,4

7,3

12,5

11,8

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

490

+2,9

6,6

6,4

6,5

Handel

464

–5,3

6,0

6,4

6,4

Sachgütererzeugung

101

+4,1

3,5

3,4

4,1

Übrige

413

–2,6

k.A.

k. A.

k. A.

Gesamt

– davon eröffnete Insolv.

– davon mangels Vermögens abge-wiesene Verfahren

2.656

1.565

1.091

–1,1

–0,8

–1,4

7,2



7,3



7,4



Managementfehler, Kapitalmangel

Bei allen Insolvenzverfahren in Österreich waren nach Angaben von Creditreform insgesamt rund 7.000 Arbeitsplätze und 27.800 Gläubiger betroffen. „Die Insolvenzverbindlichkeiten werden auf zirka 700 Millionen Euro geschätzt.“

Hinsichtlich der Insolvenzgründe verweist Creditreform auf seine Gläubiger-Befragung vom Frühjahr 2019. Dort gaben 78 Prozent der Unternehmen Managementfehler, 57 Prozent (Eigen-)Kapitalmangel als Hauptursachen an.

44 Prozent der befragten Unternehmen waren in den letzten zwölf Monaten von einer Kundeninsolvenz betroffen, fast 22 Prozent von mehr als zwei Insolvenzen. Nur 23 Prozent waren nicht mit Forderungsverlusten konfrontiert.

Lage gut – mit Unsicherheitsfaktoren

Creditreform hat im Frühjahr 2019 auch die Geschäftsentwicklung untersucht, befragt wurden 1.700 österreichische Unternehmen. Creditreform dazu: „Alle Parameter weisen auf eine nach wie vor gute und stabile Wirtschaftslage der österreichischen KMU hin.“

Die Betriebe „haben die gute Konjunktur auch genutzt, um ihre Kapitalreserven aufzustocken, sodass 39 Prozent der Unternehmen schon über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent verfügen“.

Dennoch gebe es einige kritische Faktoren, darunter die Brexit-Frage, handelspolitische Spannungen zwischen USA einerseits, China und EU andererseits, sowie wirtschaftspolitische Unsicherheiten in Italien.

Ein Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank wäre dagegen „nicht automatisch mit mehr Unternehmensschließungen und Insolvenzen verbunden, wie die Entwicklung in den USA zeigt“, so Creditreform. „Denn dort sind die Firmeninsolvenzen trotz steigender Zinsen sogar zurückgegangen.“

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