Vor Vertragserneuerungen: „Positiver Ausblick“ für Prämien

13.9.2021 – Die Rückversicherer Swiss Re und Munich Re sehen insbesondere wegen des Klimawandels und zunehmender Cyberrisiken steigenden Versicherungsbedarf. Zugleich rücken, gerade angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds, die Versicherungstechnik und Preisanstiege stärker ins Blickfeld.

Im Vorfeld der Vertragserneuerungen für 2022 haben Rückversicherer ihre aktuellen Markteinschätzungen abgegeben.

Die Swiss Re bezeichnet in einer Pressemitteilung erhöhte Risiken, die durch langfristigere Trends getrieben werden, als Schlüsselthema.

Moses Ojeisekhoba, CEO Reinsurance bei Swiss Re, spricht davon, dass klar zu erkennen sei, „dass Schadenfrequenz und -schwere steigen“. Das hätten Naturkatastrophen oder Cybervorfälle der letzten Zeit gezeigt.

Klimawandel und Cyberrisiko

Die größte langfristige Bedrohung für die Weltwirtschaft stelle der Klimawandel dar, so der Rückversicherer.

Besonders Risiken durch damit zusammenhängende Ereignisse wie Hochwasser oder Wald- und Buschbrände seien im Zunehmen begriffen. Ein Treiber sei hier auch die Urbanisierung, durch die immer größere Gemeinschaften und Güter Extremwetterereignissen ausgesetzt würden.

Voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung dehnen das Risikoumfeld zusätzlich aus, etwa im Bereich des Cyberschutzes, ergänzt Swiss Re.

Eines der weiteren Risiken sieht der Rückversicherer darin, dass der Trend der „sozialen Inflation“ in den USA, angetrieben von einem rechtsstreitfreudigen Umfeld, weiter zunehme.

„Positiver Ausblick“ für die Prämienentwicklung

Unter dem Strich stehe ein größerer Bedarf an Versicherungsschutz – was einen „positiven Ausblick“ für die Prämien bedeute, weil diese die Zunahme der Exponiertheit reflektieren müssten.

Während der Klimawandel einerseits eine Bedrohung sei, biete er der Industrie im Übrigen auch Wachstumschancen, da er größere Investitionen nötig mache.

„Adäquates Pricing“

Da sich die Risikolandschaft entwickle und Risiken „komplexer werden“, so Chief Underwriting Officer Thierry Léger, sei ein „noch größerer Fokus“ darauf nötig, diese Risikotrends zu evaluieren und zu modellieren – und sicherzustellen, dass das Pricing für die übernommenen Risiken „adäquat“ ist.

Die Bedeutung der Kapazitäten im Underwriting nehme deshalb zu, gerade angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfelds.

Münchener Rück: „Günstiges Marktumfeld“

Die Munich Re wertet die Aussichten in der Rückversicherung in Folge von „konjunktureller Erholung nach den Lockdowns und steigenden Preisen nach der langen Weichmarktphase“ als positiv.

„Bis 2023 wird der Rückversicherungsmarkt jährlich inflationsbereinigt um etwa drei Prozent wachsen, ähnlich wie die Erstversicherung“, teilte das Unternehmen seine Einschätzung kürzlich in einer Aussendung mit.

Mehr Nachfrage nach Cyberversicherungen

„Wegen der großen ökonomischen Bedeutung von Cyberrisiken nimmt die Nachfrage nach Cyberversicherungen deutlich zu“, betont die Munich Re.

Insbesondere die Schäden durch sogenannte Ransomware-Angriffe seien stark im Steigen. Durch „strikte Risikoselektion und ein ausbalanciertes Portfolio“ seien die steigenden Ransomware-Schäden „im Buch von Munich Re gut beherrschbar“, merkt das Unternehmen an.

„Angesichts zunehmender Schäden haben die Preise für Cyber-Versicherungen deutlich angezogen, Risikoträger haben ihre Kapazität begrenzt“, so die Munich Re weiter.

Dabei sei der Bedarf an Versicherungs- und Servicelösungen groß. In der „Global Cyber Risk and Insurance“-Studie von Munich Re hätten vier Fünftel der befragten Top-Manager angegeben, ihr Unternehmen sei nicht ausreichend geschützt.

Lösungen „über traditionelle Ansätze hinaus“

Munich Re berichtet weiter, in Zusammenarbeit mit Kunden „entstehen Lösungen, die weit über traditionelle Ansätze hinausgehen“ und neben Cyberdeckungen auch Services zur Vorbeugung und zur Bewältigung eines Angriffs umfassen.

Solche Beratungsangebote würden zur Begrenzung von Schäden im Paket mit Versicherungsdeckungen immer wichtiger, die Standards in der Cybersicherheit erhöht und Risiken „besser versicherbar“.

Privat-Public Partnerships und klare Wordings

Wie Stefan Golling, Vorstandsmitglied für Global Clients/North America von Munich Re, sagt, gibt es daneben systemische Risiken, „die nur von Staat und Versicherungswirtschaft gemeinsam bewältigt werden können“.

Dazu zählt er terroristische oder politisch motivierte Attacken bis hin zum Cyberwar, „die vorzugsweise in Pools gedeckt werden sollten“.

Und: Es sei „im Interesse aller, durch geeignete Wordings Klarheit über den Deckungsumfang zu schaffen“.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Cyberversicherung · Digitalisierung · Elementarschaden · Konjunktur · Rückversicherung · Unwetter
 
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