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Wie die BAV gefördert werden könnte

18.5.2018 – Die betriebliche Altersvorsorge ist in Österreich vergleichsweise schwach ausgeprägt. Ein in Deutschland soeben neu eingeführtes System könnte als Vorbild für einen Ausbau dienen, auch Polen stärke derzeit die BAV, wurde bei der Lindecampus-Konferenz „Betriebliche Altersvorsorge 2018“ hervorgehoben.

Thomas Wondrak (Bild: Klimpt)
Thomas Wondrak
(Bild: Klimpt)

Im Beratungs-, Vermittlungs- und Versicherungsgeschäft liegt in puncto betrieblicher Altersvorsorge (BAV) einiges brach, so der Tenor bei der Lindecampus-Konferenz „Betriebliche Altersvorsorge 2018“, die am Donnerstag in Wien stattgefunden hat.

Es brauche bei uns unter anderem eine Informationsoffensive – sowohl bei Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern. Jeder sollte effizient und einfach über seine Möglichkeiten und die Vorteile durch eine betriebliche Vorsorge informiert werden.

Darüber hinaus müsste es, wie auch im deutschen Modell des „Betriebsrentenstärkungsgesetzes“, neue Anreize für Kleinverdiener geben.

Das meinte Thomas Wondrak (Foto), unabhängiger Experte für betriebliches Vorsorgewesen und fachlicher Leiter der Konferenz.

Im Europa-Vergleich geringe BAV-Durchdringung

Denn Österreichs zweite Säule hinkt im europäischen sowie internationalen Vergleich hinterher und rangiert nur auf den Nachzüglerplätzen. So zeigt ein aktueller Mercer-Report, dass immer noch relativ wenige Unternehmen – nur 25 Prozent – in Österreich eine betriebliche Altersversorgung (Firmenpension) für ihre Mitarbeiter anbieten.

Beobachter bescheinigen dem Markt der betrieblichen Vorsorge ein hohes Wachstumspotenzial, da derzeit lediglich fünf Prozent des Alterseinkommens aus der betrieblichen Altersvorsorge stammen.

Der Anteil der Anwartschaftsberechtigten von Betriebspensionen an der Gesamtzahl der Unselbstständigen liegt bei nur 34 Prozent; die Zahl der Leistungsbezieher gar nur bei rund 150.000, so Josef Wöss, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Arbeiterkammer Wien.

Für eine Offensive spricht auch die Gesamtperformance der österreichischen überbetrieblichen Pensionskassen, die im Vorjahr immerhin bei 6,34 Prozent lag. Kundenpotenzial wäre auch genug da: Denn noch immer bieten mehr als 75 Prozent der über 300.000 Klein- und Mittelunternehmen in Österreich keine betriebliche Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter.

Deutsches Vorbild

Bei der Lindecampus-Konferenz wurde das „Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG)“ näher vorgestellt, das soeben in Deutschland beschlossen wurde.

Diese neue Initiative griff bisherige Defizite bei der betrieblichen Altersvorsorge auf und löste diese pragmatisch. Es entsteht ein Fördermodell für Geringverdiener: Im Einkommensteuergesetz wird ein neuer „BAV-Förderbeitrag“ spezifisch für Geringverdiener eingeführt.

Und es kommt zur Erhöhung der Steuerfreigrenze für Zahlungen an Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen (als Entgeltumwandlung): Die Höchstbeträge für steuerfreie Zahlungen werden zu einer einheitlichen prozentualen Grenze zusammengefasst und angehoben.

Das Gesetz ermöglicht insgesamt ein „Sozialpartnermodell“ mit reiner Beitragszusage und Opting-out: Auf tarifvertraglicher Grundlage können so Betriebspensionen eingeführt werden. „Während bei unseren Nachbarn also proaktiv KMU und Kleinverdiener beim Aufbau von betrieblichen Vorsorgen unterstützt werden, herrscht in Österreich Stillstand“, so Wondrak.

Neuer BAV-Ansatz auch in Polen

Auch in Polen wird erstmals eine systematische Richtlinie für BAV eingeführt: zu einem verpflichtenden System, das die große Mehrheit aller Arbeitnehmer miteinbezieht.

Es sieht verpflichtende laufende Beiträge (zwei bis sieben Prozent des Gehalts) von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor, so Michael Punzet, CEO der Schweizer eGroup International AG.

Es werde eine Wahlmöglichkeit zwischen Arbeitnehmer-Pensionsprogrammen oder neuen Arbeitnehmer-Kapitalprogrammen geben.

„Ergänzung zur ersten Säule sollte hoch im Kurs stehen“

Bei Diskussionen über Pensionsreformen geht es fast ausschließlich um die erste Säule unseres Pensionssystems, die derzeit über 90 Prozent unserer Pensionszahlungen zu tragen hat.

Klar ist dabei: Durch die Erweiterung der Durchrechnungszeiträume wird die Höhe der staatlichen Pensionen weiter sinken. Experten gehen von 40 Prozent niedrigeren Pensionen aus.

Betroffen davon sind alle Jahrgänge ab 1968, also der Hauptteil der arbeitenden Bevölkerung in Österreich. „Eine Ergänzung zur ersten Säule sollte also eigentlich hoch im Kurs stehen“, meint Wondrak.

Leserbriefe zum Artikel:

Jörg Ziegler - Zwei wesentliche Punkte, die die BAV voranbringen könnten. mehr ...

 
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