Wieder mehr Insolvenzen in Kredit- und Versicherungsbranche

14.2.2019 – Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist auf den niedrigsten Stand seit 2001 gesunken, berichtet Creditreform. Im Sektor „Kredit- und Versicherungswesen“ stieg sie dagegen abermals an, und zwar um 6,6 Prozent – der höchste Wert unter den sieben ausgewiesenen Branchen; die Anzahl der Insolvenzen je 1.000 Unternehmen der Branche (10,2) bleibt aber unter dem Durchschnitt.

Das Jahr 2018 brachte einen weiteren Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen: Die Anzahl sank um 1,8 Prozent (2017: –3,9 Prozent) auf 5.224. Dies geht aus der Firmeninsolvenzstatistik hervor, die der Österreichische Verband Creditreform am Mittwoch vorgestellt hat.

2018 sei ein gutes Jahr für die österreichische Wirtschaft gewesen: „Eine starke Exportindustrie, eine gute Binnennachfrage dank sinkender Arbeitslosigkeit, ein Rekord an Neugründungen sowie die fortwährende Niedrigzinsphase ließen die Firmeninsolvenzen auf einen Tiefststand seit 17 Jahren sinken.“

Insolvenzgründe waren laut Creditreform vor allem kaufmännische Fehler des Managements, Liquiditätsprobleme aufgrund sinkender Margen und Forderungsverluste.

Stärkster Rückgang und niedrigste Insolvenzquote in Tirol

Regional betrachtet, verzeichnete Tirol den stärksten Rückgang (–9,4 Prozent gegenüber 2017), gefolgt von Salzburg (–8,5 Prozent) und Kärnten (–7,3 Prozent). Einen Zuwachs gab es nur im Burgenland (+14,3 Prozent) und in Niederösterreich (+8,0 Prozent).

Die höchste Insolvenzbetroffenheit weist die Statistik mit 17,0 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen für Wien aus, vor Niederösterreich (10,7), Kärnten (10,6), dem Burgenland (10,1) und Salzburg (10,0). Am geringsten war sie in Tirol (6,5) und Vorarlberg (6,6). Der Österreich-Schnitt betrug 10,9.

Kredit- und Versicherungswesen: deutliche Zunahme, mittlere Insolvenzquote

Creditreform hat die Statistik wie üblich wieder für sieben einzelne Branchen aufgeschlüsselt.

In zwei Sektoren gab es demnach mehr Insolvenzen. Die eine ist der Handel (+5,4 Prozent), die andere das Kredit- und Versicherungswesen mit einem Zuwachs um 6,6 Prozent auf 113 Insolvenzen. Das ist die höchste Zunahme unter den sieben Branchen.

2017 hatte es im Kredit- und Versicherungswesen ebenfalls einen Anstieg gegeben, der mit +1,9 Prozent allerdings niedriger ausfiel.

Was die Insolvenzquote betrifft, blieb das Kredit- und Versicherungswesen 2018 trotzdem, wenn auch knapp, mit einem Wert von 10,2 unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft.

Creditreform: Firmeninsolvenz-Statistik (gereiht nach Insolvenzbetroffenheit)

Branche

Insolvenzen

Insolvenzquote*

2018

+/– ggü. ’17

2018

2017

2016

Bauwesen

869

–6,3 %

25,3

27,0

30,4

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

754

–11,6 %

16,1

18,3

17,3

Verkehr und Nachrichtenübermittlung

505

–1,2 %

13,5

13,7

13,3

Handel

997

+5,4 %

11,9

11,3

12,3

Kredit- und Versicherungswesen

113

+6,6 %

10,2

9,5

9,4

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

897

–7,1 %

9,0

9,7

9,9

Sachgütererzeugung

224

–7,1 %

8,6

9,2

10,4

Übrige

865

+12,6 %

6,2

5,5

5,7

Gesamt

– davon eröffnete Insolvenzverfahren

–– Konkursverfahren

–– Sanierungsverf. mit Eigenverwaltung

–– Sanierungsverf. ohne Eigenverwaltung

– davon mangels Vermögens abgewiesene Insolvenzverfahren

5.224

3.113

2.697

49

367

2.111

–1,8 %

–1,5 %

+1,0 %

–34,7 %

–12,0 %

–2,1 %

10,9



11,1



11,5



Zenit könnte nun überschritten sein

Der 2018 erreichte Tiefstand an Insolvenzen könnte das Ende einer Entwicklung einläuten: „Manche Experten halten nun den Zenit für überschritten und prognostizieren aufkommende Gewitterwolken ab 2019“, so Creditreform.

„Die Trump’sche Handelspolitik, das Brexit-Chaos, ein großes Fragezeichen über Italien und die möglicherweise noch in diesem Jahr auslaufende Niedrigzinspolitik werden als Gründe genannt. Für die heimische Insolvenzentwicklung kann dies bedeuten, dass der sechsjährige Trend mit sinkenden Insolvenzen 2019 ein Ende finden wird.“

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