2018 war für Pensionskassen schwierig

18.1.2019 – Das Jahr 2018 war für die österreichischen Pensionskassen das fünfte seit ihrem Bestehen, in dem sie eine negative Performance hinnehmen mussten. Die Zahl der Berechtigten ist weiter gestiegen und nähert sich der Million. Von der Politik wünscht sich Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky unter anderem steuerliche Anreize und einen General-Pensionskassenvertrag, der allen Österreichern eine Zusatzpension ermöglicht.

Fachgruppen-Obmann Andreas Zakostelsky (links) und Fachgruppen-Geschäftsführer Fritz Janda bei der Pressekonferenz (Bild: VersicherungsJournal)
Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky (links)
und Fachverbandsgeschäftsführer Fritz Janda
bei der Pressekonferenz am Donnerstag in Wien
(Bild: VersicherungsJournal)

In einem schwierigen Marktumfeld haben die Pensionskassen im Vorjahr eine Performance von minus 5,18 Prozent erzielt. In den bisher 28 Jahren ihres Bestehens war dies erst das fünfte negative Jahresergebnis. 2017 hatten sie ein Plus von 6,13 Prozent erreicht.

Starke Schwankungen an den internationalen Börsen seien Teil des langfristigen Verlaufs im Sinne eines normalen Investitionszyklus, betonte der Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen Andreas Zakostelsky bei der Präsentation der Jahresbilanz 2018 am Donnerstag.

Zwar hätten die Pensionskassen ihren Aktienanteil von 35 Prozent im Jahr 2017 auf rund 30 Prozent heruntergefahren. 2018 hätten sich aber „erstmals seit den 30er-Jahren“ sowohl Aktien als auch Anleihen „verhalten“ entwickelt.

Langfristentwicklung entscheidend

Entscheidend für die Pensionen seien allerdings die langfristigen Erträge, so Zakostelsky weiter. Der langjährige Durchschnitt über 28 Jahre von 1991 bis 2018 liegt bei 5,17 Prozent und war damit leicht rückläufig (1991 bis 2017: 5,55 Prozent).

Damit sich die Schwankungen nicht so stark auf die Pensionshöhe auswirken, hätten die Pensionskassen in den vergangenen guten Jahren Reserven (Schwankungsrückstellungen) gebildet.

Konkrete Aussagen darüber, ob und in welcher Höhe es Pensionsanpassungen aufgrund der 2018er-Ergebnisse geben werde, könnten erst Ende Februar bzw. Anfang März getätigt werden.

Zahl der Berechtigten steigt weiter

Die Zahl der Anspruchsberechtigten (Anwartschafts- und Leistungsberechtigte zusammen) stieg per Jahresende auf 947.068.

2018 seien rund 25.000 Menschen neu ins System aufgenommen worden, viele davon seien in Klein- und Mittelbetrieben beschäftigt. Zakostelsky: „Das Thema Zusatzpension ist in der mittelständischen Wirtschaft angekommen.“

Ebenfalls weiter gestiegen ist die Zahl der Leistungsberechtigten. Ihre Zahl betrug per Ultimo des Vorjahres 104.802. Insgesamt wurden 2018 rund 687 Millionen Euro ausbezahlt.

Das Anlagevermögen der österreichischen Pensionskassen sank 2018 leicht auf 21,94 Milliarden Euro (Ende 2017: 22,6 Milliarden).

Wünsche an die Politik

„Grosso modo“ gebe es heute einen gesellschaftlichen Grundkonsens, dass die betriebliche Altersvorsorge für die Entwicklung in Österreich wichtig ist, ist Zakostelsky überzeugt.

Sie diene der Vermeidung von Altersarmut, bringe positive Impulse für die Volkswirtschaft mit sich und sichere damit Arbeitsplätze.

Zu den Wünschen an die Politik zählen eine Gleichstellung der steuerlichen Absetzbarkeit von Eigenbeiträgen der Arbeitnehmer mit jenen der Arbeitgeber, ein Prämienmodell für Arbeitnehmer, die wegen ihres geringen Einkommens keine Lohnsteuer zahlen, und die steuerliche Absetzbarkeit der Eigenbeiträge mitarbeitender geschäftsführender Gesellschafter.

General-Pensionskassenvertrag

Um einen Anreiz zu schaffen, Beträge aus der Mitarbeitervorsorgekasse nicht vorzeitig zu entnehmen, sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, die dort angesparten Beträge in eine Rente umzuwandeln.

Derzeit könnten nur jene 25 Prozent aller Arbeitnehmer, die bereits einen Pensionskassen-Vertrag haben, ihre Abfertigung bei Pensionsantritt steuerbegünstigt in die Pensionskasse übertragen.

Diese Möglichkeit sollte allen Österreichern offenstehen, fordert Zakostelsky. Ein solcher General-Pensionskassenvertrag soll zu standardisierten Konditionen allen Arbeitnehmern eine steuerfreie Übertragung ihrer Guthaben und damit eine Zusatzpension bieten.

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Altersarmut · Altersvorsorge · Mitarbeiter · Pension  · Pensionskasse · Rente
 
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