Ungarn bremst Übernahmepläne der VIG

8.4.2021 – Die geplante Übernahme von 15 Aegon-Gesellschaften in vier Ländern durch die Vienna Insurance Group ist blockiert: Das ungarische Innenministerium stellt sich mit der Begründung dagegen, die VIG sei ein ausländischer Investor. Die VIG sieht Ungarn indes als einen „Heimatmarkt“ an und baut nun darauf, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Eine Genehmigung würde sie nach eigenen Angaben zum Marktführer in Ungarn machen.

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Ende November vergangenen Jahres verkündete die Vienna Insurance Group AG (VIG) eine Einigung über Zukäufe in Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei.

Der Konzern hatte sich mit der in Den Haag ansässigen Aegon N.V. auf den Erwerb deren Leben- und Nichtleben-Versicherungsgeschäfts in den vier Ländern verständigt. Auch Pensionskassen, Asset-Management- und Service-Gesellschaften sind von dem Deal umfasst.

Der Kaufpreis wurde mit 830 Millionen Euro beziffert (VersicherungsJournal 30.11.2020).

Ungarisches Innenministerium blockiert

Die Übernahme war mit dem Vorbehalt versehen, dass erst alle behördlichen Genehmigungen vorliegen müssen. Hier hakt es nun aber, wie die VIG am Mittwoch bekanntgab. Demnach stellt sich Ungarn der Übernahme in den Weg.

„Die Vienna Insurance Group AG Wiener Versicherung Gruppe hat gestern Nachmittag einen Bescheid erhalten, in dem das ungarische Innenministerium mitteilt, dass der geplante Erwerb der Aegon-Gesellschaften in Ungarn durch ein ausländisches Unternehmen untersagt wird“, heißt es in der am Mittwoch kurz nach Mitternacht veröffentlichten Aussendung.

Besonders bitter: Die ungarischen Gesellschaften – Versicherung, Pensionskasse, Asset-Management und Servicegesellschaft – bilden laut VIG den Hauptanteil der Übernahmevereinbarung mit Aegon.

Von der Ablehnung überrascht

Die VIG zeigte sich von der Post aus Budapest überrascht: Sie sei im Rahmen des Genehmigungsverfahrens seit Jänner 2021 „bis dato in konstruktiven Gesprächen mit dem zuständigen ungarischen Finanzminister“ gestanden. „Der Bescheid steht in Widerspruch zum bisherigen Verlauf der Gespräche.“

Innerhalb des EU-Binnenmarktes vermag die Begründung des ungarischen Innenministeriums zu verwundern – nennt der Bescheid noch andere Argumente, deretwegen es den Kauf blockiert? Nach Unternehmensangaben nicht: Als Grund, so der Konzern zum VersicherungsJournal, sei angegeben, dass die VIG ein „ausländischer Investor“ sei.

Eine Notstandsverordnung vom November 2020 knüpfe den An- und Verkauf von Firmenanteilen durch ausländische Firmen in strategisch wichtigen Branchen an die Erlaubnis des Innenministers, erläutert der Konzern den Hintergrund für dessen Mitsprache in dem Verfahren.

VIG betrachtet Ungarn als einen „Heimatmarkt“

Die Klassifizierung als „ausländischer Investor“ will die VIG so aber nicht gelten lassen. In einer weiteren Presseaussendung wies sie am Mittwochnachmittag darauf hin, bereits seit 1996 in Ungarn präsent zu sein, „wir sehen dieses Land als unseren Heimatmarkt“, so Generaldirektorin Elisabeth Stadler.

Aktuell ist die VIG mit der Union Vienna Insurance Group Biztosító Zrt. in Ungarn vertreten. 2019 erreichte sie dort ein Prämienvolumen von 289,5 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern von 8,7 Millionen Euro.

Stadler: „Sehen uns nicht als ausländischer Investor“

Die VIG sehe sich „nicht als ausländischer Investor, sondern auf Basis unserer lokalen Mehrmarkenstrategie und unseres Prinzips des lokalen Unternehmertums und lokalen Managements als Unterstützer und Mitentwickler des ungarischen Versicherungsmarktes“.

Durch Risikoabsicherung und langfristige Investitionen leiste man „einen wertvollen volkswirtschaftlichen Beitrag“ und trage zur sozialen Absicherung und Arbeitsplatzsicherung bei.

„Wir sind daher im beiderseitigen Sinne an einer weiteren langfristigen Partnerschaft mit Ungarn sehr interessiert“, so Stadler.

Weitere Marke neben der „Union“ geplant

Durch die Übernahme der Versicherungsgesellschaft von Aegon würde die VIG nach eigenen Angaben zum Marktführer in Ungarn.

Geplant ist, neben der Union eine zweite Marke zu positionieren. Die VIG sei „in allen Ländern, in denen sie Marktführer ist, mit mehreren Gesellschaften unter mindestens zwei verschiedenen Marken vertreten“, ergänzt das Unternehmen.

Closing weiterhin für zweites Halbjahr angepeilt

Trotz des Rückschlags übt sich der Konzern in Optimismus: „Die Vienna Insurance Group geht von einer zeitnahen positiven Klärung dieses Themas aus.“

An dem von der VIG angepeilten Zeithorizont hat sich vorerst denn auch nichts geändert: Das Closing „wird für das zweite Halbjahr 2021 erwartet“.

Teilgenehmigungen von lokalen Behörden in anderen Ländern habe man bereits erhalten.

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Pensionskasse · Steuern · Verkauf · Versicherungsmarkt
 
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