AK zu Pflegeversicherungen: Teuer, etliche Lücken

7.8.2018 – Eine von der AK Wien beim VKI in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis: Das Anbieterfeld ist klein, die Produkte ähneln einander, die Prämien sind hoch und teils stark gestiegen. Für die AK stellen sich private Pflegeversicherungen nicht nur als teuer dar, es gebe zudem zahlreiche Leistungslücken. Sie empfiehlt, vor einem Abschluss auch andere Vorsorgealternativen zu prüfen.

Die Arbeiterkammer Wien (AK) hat sich des Themas Pflegeversicherung angenommen und den Verein für Konsumenteninformation (VKI) mit der Durchführung einer Studie beauftragt.

Tarifinformationen habe man sowohl offiziell direkt bei den Versicherungsunternehmen als auch anonym mittels Mystery Shopping eingeholt, ist der Studie zu entnehmen. Projektzeitraum war März bis Juni 2018.

Das Ergebnis liegt nun seit kurzem vor. Die Analyse fasst vier zentrale Ergebnisse zusammen.

Wenige Anbieter, wenig Werbung

Punkt eins: Das Angebot werde schmaler. Entsprechende Tarife gebe es als „Stand alone“-Produkte nur von der Allianz-Gruppe, der Donau Versicherung AG, der Nürnberger Versicherung AG Österreich, der Sparkassen Versicherung AG, der Uniqa Österreich Versicherungen AG und der Wiener Städtische Versicherung AG.

2005 habe es lediglich bei fünf Versicherern derlei Produkte gegeben, 2007 bereits bei sieben. Am Höhepunkt 2012 seien es elf gewesen, 2014 dagegen nur noch acht. 2018 sei man wieder auf dem Niveau von 2005 angekommen.

Die Studie attestiert der privaten Pflegeversicherung ein noch immer bestehendes „Schattendasein“. Sie werde von den sechs verbliebenen Anbietern überdies nur wenig beworben, „und die bisher verkauften Stückzahlen halten sich in sehr engen Grenzen“. Konkrete Angaben zur Anzahl der aufrechten Verträge hätten nur wenige Anbieter gemacht.

Produkte immer ähnlicher

AK/VKI-Studie zu privaten Pflegeversicherungen (Cover; Quelle: AK Wien)
AK/VKI-Studie zu privaten Pflegeversicherungen
(Cover; Quelle: AK Wien)

Zweiter Punkt der Studie: Die Angebote würden einander immer ähnlicher.

Die Tarife seien meist ähnlich gestaltet und – Punkt drei – orientierten sich an den gesetzlichen Pflegegeldstufen.

„Nur das Produkt der Nürnberger Versicherung unterscheidet sich von den anderen fünf Anbietern punkto Einstufung, Gewinnbeteiligung oder ähnliches“, so der Bericht.

Vergleich trotzdem „nicht ganz einfach“

Ein Produktvergleich sei trotzdem „nicht ganz einfach“, heißt es in der Studie.

„Gibt es etwa gewinnabhängige Prämiengutschriften, ist ein reiner Prämienvergleich schon nicht mehr zielführend, da die zukünftigen Gewinne und damit die Prämiengutschriften nicht bekannt und somit nicht kalkulierbar sind.“

Daher gelte auch hier „wie bei vielen anderen Versicherungsprodukten: Wer eine private Pflegeversicherung haben will, kommt um eine fundierte, unabhängige Beratung nicht umhin.“

Studie ortet teils kräftige Prämiensteigerung

Viertens spricht die Untersuchung den Preisaspekt an: Die Kosten für eine private Pflegeversicherung seien „relativ hoch“. Dies zeige sich auch, „wenn man Verbraucher zu diesem Produkt befragt“; der Kostenfaktor („nicht leistbar“) komme immer wieder zum Tragen.

„Noch dazu steigen die Prämien für Neuabschlüsse Jahr für Jahr an“, so die Studie. Dem Vergleich mit der Erhebung 2014 zufolge stiegen die Prämien um bis zu 74 Prozent, während die Leistung nur im niedrigen einstelligen Bereich zugelegt habe.

„Das hängt sehr stark damit zusammen, dass der Rechnungszins (laut FMA-Vorgaben bzw. gesetzlich geregelt – aufgrund des immer niedriger gewordenen Zinsniveaus) in den letzten Jahren immer noch weiter gesunken ist und somit kaum mehr Gewinne (Veranlagungserträge) aus den Prämien generiert werden.“

Pflegeversicherung als Einmalerlag

Einige Versicherer haben laut Studie auch Einmalerlagsvarianten im Angebot, ähnlich wie bei einer sofort verrenteten Rentenversicherung.

„Die Nürnberger Versicherung bietet schon seit geraumer Zeit diese Variante an […]. Auch die Allianz Versicherung und s-Versicherung haben die Variante Prämien-Einmalerlage im Programm – wenn auch etwas anders ausgestaltet als die Nürnberger Versicherung.“

Die Studie geht davon aus, dass solche Tarife insgesamt „in Zukunft an Bedeutung gewinnen [könnten]“. Vor allem ältere Menschen beschäftigten sich mit dem Thema. Da die laufenden Prämien aber mit höherem Einstiegsalter zunähmen, seien Einmalerläge „durchaus interessant“.

In den Aussagen der Anbieter zeige sich allerdings ein anderes Bild: Es gebe kaum Abschlüsse von Einmalerlägen. Bei einigen Anbieter werde auch überlegt, diese Tarife gänzlich zu streichen.

AK-Urteil: „Teuer und etliche Leistungslücken“

Die AK selbst zieht ein kritisches Fazit aus der Studie: „Private Pflegeversicherungen sind teuer und weisen etlichen Leistungslücken auf“ – etwa wenn erst ab Pflegestufe 3 geleistet werde oder wenn die Pflegerente kaum oder gar nicht ausreiche, die Lücke zwischen gesetzlichem Pflegegeld und tatsächlichen Kosten zu schließen.

Eine Pflegeversicherung rentiere sich, wenn sie für eine volle Deckung der monatlich anfallenden Pflegekosten sorge. Dafür müssten die Konsumenten aber „tief in die Tasche greifen“ und „einige hundert Euro pro Monat“ zahlen, um eine volle Kostendeckung etwa für eine 24-Stunden-Betreuung zu erkaufen.

Eine Pflegeversicherung zahle sich auch dann aus, „wenn die Leistungen aus der Versicherung die Prämienzahlungen übersteigen“.

AK: Wer Abschluss erwägt, soll vorher Alternativen prüfen

Wer noch keine Pflegeversicherung hat und vorsorgen will, solle denn auch Alternativen prüfen und durchrechnen („Was zahlen Sie an Prämie ein, wie viel können Sie – ab einem bestimmten Bezugsalter an Versicherungsleistungen in den diversen Pflegegeldstufen erwarten?“), empfiehlt die AK.

„Möglich sind Pflege-Bauspardarlehen (auf Zinsen, Spesen achten) sowie sichere Sparformen, die einen Vorteil zur privaten Pflegeversicherung haben. Tritt der Pflegefall nicht ein, bleibt das Ersparte erhalten.“

Zum Herunterladen

Die 23-seitige Studie „Private Pflegeversicherungen“ vom Juli 2018 kann auf einer eigenen Webseite der AK als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Leserbriefe zum Artikel:

Marcel Mittendorfer - Fehler in der Untersuchungsmethodik. mehr ...

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Bausparen · Pflegeversicherung · Verkauf · Versicherungsaufsicht · Werbung
 
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