D&O: „Zarte“ positive Signale in „massiv verhärtetem Markt“

23.11.2022 – In der D&O-Versicherung sind die Anzahl der Schadenmeldungen und das Volumen der Schadenleistungen gestiegen und werden vorerst wohl weiter steigen, sagen die Experten Helmut Tenschert und Christian Fritz. Leistungsinhalte würden immer öfter reduziert und Prämien erhöht, viele Interessenten bekämen gar kein Angebot mehr. Positiv vermerken sie, dass es „zarte Signale“ für eine „leichte Aufweichung“ des verhärteten Marktes gebe.

Pandemie, zunehmendes Cyberrisiko, Lieferkettenunterbrechung, Ukraine-Krieg: „Drei Jahre Krisenszenario“ haben die gemeldeten Schäden aus Anspruchsstellungen bei den einschlägigen Versicherern anwachsen lassen. Hinzu komme die Inflation als Treiber für die Höhe der Forderungen.

Dies schreiben der Versicherungsmakler Helmut Tenschert und der Wirtschaftsberater Christian Fritz in einem neuen Fachbeitrag zum Thema D&O-Versicherung.

Als „weiteres Element der Risikoverschärfung“ identifizieren sie den Anstieg der Insolvenzzahlen. Dies verstärke die Gefährdungslage betroffener Geschäftsführer.

Tenschert und Fritz gehen davon aus, dass das Ausmaß der Schadenmeldungen und der Schadenleistungen weiter zunehmen wird. Ein baldiges Ende dieser Entwicklung sei vorerst nicht erkennbar.

Reduktion von Leistungsinhalten, Erhöhung von Prämien

Auch die Angebotsseite ist Veränderungen unterworfen, wie die beiden Autoren festhalten.

„Die Risikoträger, vornehmlich aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA, reduzieren immer öfter Leistungsinhalte der einschlägigen Versicherungsverträge und erhöhen die Prämien, teilweise verlassen sogar Versicherungsgesellschaften den deutschen und österreichischen Markt zur Gänze.“

Etlichen anfragenden Firmen werde mitgeteilt, dass seitens der Versicherer kein Angebot unterbreitet werde. „Betriebe in wirtschaftlicher Schieflage sind so gut wie chancenlos, eine adäquate Absicherung zu erhalten.“

Potenzielle Einschränkungen bei Vertragsverlängerungen

Selbst Verlängerungen bestehender Verträge würden meist nur noch gegen höhere Versicherungsprämien akzeptiert.

Wenn die Verträge verlängert werden, würden vielfach zusätzliche Ausschlüsse festgelegt, zum Beispiel territoriale aufgrund des Ukraine-Krieges oder solche aufgrund von Cyberattacken gegen das Unternehmen.

Sehr nachteilig für die versicherte Gesellschaft sei eine Verkürzung von Nachmeldehaftungen.

Höhere Hürden bei Versicherungssummen, aber auch positive Signale

Fazit zur Marktlage: „Bei D&O-Versicherungen wird es immer schwieriger, die benötigten und erwünschten Versicherungssummen tatsächlich zu erhalten“, vor allem für größere Unternehmen und deren Management.

Tenschert und Fritz wissen dennoch auch Erfreuliches für die nachfragenden Kunden zu berichten: In jüngster Zeit gebe es aus Deutschland „zarte Signale, die eine positive Entwicklung in Richtung einer leichten Aufweichung des in den letzten Jahren massiv verhärteten Marktes erwarten lassen“.

Es sollte dann, so die Autoren, wieder einfacher werden, auch schwierige Risiken mit adäquaten Versicherungssummen platzieren zu können. „Es ist zu hoffen, dass sich dieser Trend weiter verstärken wird.“

Weiterführende Information

Der vollständige Beitrag ist im November beim Linde Verlag in SWK, der Steuer- und Wirtschaftskartei der österreichischen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, erschienen.

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Managerhaftpflicht · Versicherungsmakler
 
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