Kritik an neuem Uniqa-Modell zur Direktverrechnung

9.8.2018 – Was im stationären Bereich üblich ist – die Direktverrechnung des privaten Krankenversicherers mit dem Spital –, soll nach dem Willen der Uniqa zukünftig auch im niedergelassenen Bereich stattfinden. Für ein Pilotprojekt wurden Vereinbarungen mit Wahlärzten getroffen. Die Ärztekammer zeigt sich skeptisch und rät ihren Mitgliedern von der Unterzeichnung solcher Verträge ab.

Als „private Konkurrenz für Krankenkassen“ bezeichnete die Tageszeitung Die Presse in ihrer Ausgabe vom 7. August 2018 das vor kurzem gestartete Modell der Uniqa Österreich Versicherungen AG zur Direktverrechnung mit Wahlärzten.

Laut Presse, der nach eigenen Angaben ein Schreiben der Uniqa an Wahlärzte vorliegt, solle die Verrechnung für einen definierten Leistungskatalog direkt erfolgen; darüber hinausgehende Untersuchungen müssten wie bisher vom Patienten bezahlt und bei der Versicherung zur Vergütung eingereicht werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt sei in Wien, Graz und Linz gestartet worden.

Ärzte, die einen entsprechenden Vertrag abschließen, müssten kurze Wartezeiten und spezielle Konditionen garantieren, bekämen im Gegenzug dazu aber von der Versicherung Privatpatienten vermittelt, so die Presse.

Ärztekammer zeigt sich skeptisch

In einer Presseaussendung rät die Wiener Ärztekammer den niedergelassenen Ärzten „dringend“ davon ab, solche Partnerarzt-Vorschläge von Versicherungsunternehmen zu unterzeichnen.

Direktverrechnungshonorare würden üblicherweise zwischen Ärztekammer und den Versicherungsunternehmen vereinbart, heißt es. Bei den hier zur Diskussion stehenden Modellen sei allerdings von der Versicherung einseitig ein „nicht angemessener Privattarif“ festgesetzt worden.

Damit hätten Ärzte keine Möglichkeit der Preisgestaltung, zumal eine zusätzliche Verrechnung an Sozialversicherungen oder Patienten unzulässig sei.

Unsicherheit und Zusatzaufwand

Darüber hinaus sei die Direktverrechnung mit den Versicherungen nicht gesichert, so die Wiener Ärztekammer. Um sicherzugehen, dass die Versicherung auch tatsächlich zahlt, müssten Ärzte den konkreten Versicherungsvertrag „zuvor genau studieren“.

Würde der Versicherer die Zahlung mangels Versicherungsdeckung ablehnen, müssten diese entweder ein Honorar vom Patienten verlangen oder mit der Privatversicherung „herumstreiten“. Damit würde die Diskussion um die Kostenübernahme dem Arzt überantwortet, kritisiert die Ärztekammer.

Zusatzhonorare für die Garantie zeitnaher Termine und der weiteren Services seien aus den der Ärztekammer vorliegenden Papieren aber nicht ersichtlich. Befürchtet werden auch administrative Zusatzbelastungen, insbesondere aufgrund der Datenschutzgrundverordnung.

Man sei skeptisch, wenn mit dem Vorstoß der privaten Krankenversicherer ein Monopol entstehen könnte, das zulasten der Ärzte und der Patienten ginge, so die Ärztekammer abschließend.

Uniqa sieht Verbesserung des Gesundheitssystems

Auf Anfrage des VersicherungsJournals sieht die Uniqa in dem neuen Angebot keine Konkurrenz zum „bewährten“ österreichischen Gesundheitssystem. Ziel sei es, den Service für die Kunden zu verbessern.

Vor allem Studierende aus Drittländern, die ein Visum benötigen, müssten dafür den Nachweis einer in Österreich leistungspflichtigen Krankenversicherung, die jedes Risiko deckt, vorlegen. Für diese Kundengruppe sei vor einigen Wochen erstmals das Modell der Direktverrechnung umgesetzt worden. Die Uniqa habe dafür „entsprechende Vereinbarungen mit Wahlärzten getroffen“.

Aufgrund der bisherigen guten Erfahrungen solle dieses Modell auf mittlere Sicht auch für jene Unternehmer und Freiberufler angeboten werden, die selbst entscheiden können, ob sie gesetzlich krankenversichert sein wollen oder nicht.

Merkur: keine Direktverrechnung

Das VersicherungsJournal hat auch die im Presse-Artikel ebenfalls genannte Merkur Versicherung AG um eine Stellungnahme ersucht. Man habe im Juli das Portfolio um ein Zusatzservice für Kunden zur Terminkoordination zwischen Ärzten und Patienten erweitert, so der Versicherer.

Eine Direktverrechnung sei allerdings nicht Teil dieses Zusatzservices und werde derzeit auch nicht angeboten, erklärt die Merkur.

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Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform · Sozialversicherung
 
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