VKI kritisiert Werbung für Zusatz-Krankenversicherungen

26.1.2012 – Das VKI-Magazin „Konsument“ hat untersucht, wie Versicherer ihre Zusatz-Krankenversicherungen im Internet präsentieren. Zusätzlich wurde 28 Mal per E-Mail ein Angebot angefordert. Einige der von Versicherern dabei verwendeten Werbeargumente hält der VKI für nicht gesetzeskonform. Gut schneiden in dem Test Merkur und Muki ab.

In der soeben erschienenen Februar-Ausgabe des Magazins „Konsument“ übt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Kritik daran, wie einige Versicherer ihre Angebote für Zusatz-Krankenversicherungen im Internet bewerben.

Die Konsumentenschützer haben sich für den Test zum einen die Websites von sieben Versicherern angesehen: Allianz-Gruppe, Donau Versicherung AG Vienna Insurance Group, Generali Versicherung AG, Merkur Versicherung AG, Muki Versicherungsverein a.G., Wiener Städtische Versicherung AG Vienna Insurance Group und Uniqa Personenversicherung AG.

Was der VKI an den Websites beanstandet

„Die Werbeargumente einiger Versicherer verleiten zu der Annahme, dass der Abschluss einer Zusatz-Krankenversicherung eine bessere und raschere Behandlung mit sich bringt“, sagt VKI-Projektleiterin Gabi Kreindl. „Eine Zusatz-Krankenversicherung bietet laut Gesetz erhöhten Komfort bei der Unterbringung im Spital und bringt Vorteile bei der Arztwahl. Diese erstreckt sich aber nicht auf die Qualität der medizinischen Versorgung, diese muss für alle Patientinnen und Patienten gleich sein.“

Nichtsdestotrotz fänden sich bereits bei der Analyse des Internetauftritts beispielsweise folgende Darstellungen: „keine Wartezeit bei wichtigen Operationen“, „Sie bekommen schneller wichtige Behandlungstermine“, „Sie können den Zeitpunkt Ihrer Behandlung oder einer nicht akuten Operation mitbeeinflussen“. Laut VKI haben hier lediglich Merkur und Muki keine bessere medizinische Versorgung und raschere Spitalstermine in Aussicht gestellt.

Lob und Tadel bei E-Mail-Angeboten

Zusätzlich holten jeweils vier Testpersonen per E-Mail bei jedem Versicherer ein Angebot ein, stellten insgesamt also 28 Anfragen. In zwei Fällen – Allianz und Donau – kam kein Angebot zurück, dafür aber die Mitteilung, dass eine persönliche Beratung notwendig sei. Bei drei Anfragen habe die Antwort gelautet, dass die Anfrage weitergeleitet werde, was aber anscheinend nicht geschehen sei. Auf fünf Anfragen gab es gar keine Rückmeldung.

In 18 Fällen erhielten die Tester ein Angebot. Bei rund einem Drittel, so heißt es beim VKI, hätten sich „nicht gesetzeskonforme Versprechungen“ gefunden, die eine bessere medizinische Versorgung vermuten ließen. So kritisiert der VKI etwa folgende Passagen: „... der wichtigste Vorteil ist, dass Sie enorm verkürzte Wartezeiten bei dringenden und notwendigen Behandlungen haben. Des Weiteren haben Sie in Vertragskrankenhäusern freie Arztwahl, 2-Bett-Zimmer und vor allem den besten Zugang zur besten Medizin.“

Korrekt verhielten sich laut VKI die Berater der Wiener Städtischen. In keinem der vier unterbreiteten Angebote habe sich ein Hinweis auf eine bessere medizinische Versorgung gefunden. Ebenfalls in Ordnung gewesen seien die drei Rückmeldungen der Muki sowie das Angebot der Merkur. In drei Fällen habe letztere allerdings nicht auf die E-Mail-Anfrage reagiert.

„Definitiv noch Handlungsbedarf“

„Versprechungen, dass der Abschluss einer Zusatz-Krankenversicherung die Wartezeiten auf OP-Termine verkürzt, sind unseriös. Das Krankenversicherungs-System in Österreich sieht diesbezüglich keine Vorteile für privatversicherte Patientinnen und Patienten vor. Wie unsere Erhebung zeigt, ist hier definitiv noch Handlungsbedarf gegeben“, so Kreindl.

Das VersicherungsJournal hat die vom VKI untersuchten Versicherer bereits um Stellungnahmen gebeten.

Leserbriefe zum Artikel:

Herwig Heschl - Gibt es noch was, was der VKI an unserer Branche gut findet? mehr ...

Martin Wienerroither - Komplexität setzt vorherige Aufklärung voraus. mehr ...

Gerald Winterhalder - Wie wenn nur noch der Papst Trauungen vornehmen dürfte. mehr ...

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