27.1.2012 – Das neue Allianz-Arbeitsmarktbarometer zeigt: Frauen sind im Job weniger zufrieden als Männer. Das liegt nicht nur an der häufig immer noch ungleichen Entlohnung, sondern auch an schlechteren Karriereaussichten und der Mehrfachbelastung durch Familie und Haushalt. Ein großer Teil dieser Hindernisse kann von Firmenseite ausgeräumt werden. Denn aufgrund der demographischen Entwicklung werden Unternehmen schon bald um Mitarbeiterinnen buhlen müssen – frauenfreundliche Betriebe haben dann die besten Karten. Die Allianz will zu diesem Zweck ein neues Konzept umsetzen, das für entsprechende Rahmenbedingungen sorgt.
Wie zufrieden sind Österreichs Frauen mit ihrem Beruf? Dieser Frage geht das eben veröffentlichte Arbeitsmarktbarometer der Allianz-Gruppe nach. Das Umfrage-Institut A.C. Nielsen GmbH führte dazu im Oktober 2011 in ganz Österreich 502 Interviews mit berufstätigen Frauen aller Alters- und Berufsgruppen.
Mit einer Erwerbsquote von 66,4 Prozent haben Frauen seit 2000 sieben Prozent zugelegt, auch das Bildungsniveau ist inzwischen besser als bei Männern. Dennoch stellen Frauen nur vier Prozent der Führungskräfte, während jeder zwölfte Mann Leitungsfunktion hat. Die Frage ist nur, wie lange noch.
Denn der Wandel in der Altersstruktur unserer Gesellschaft (VersicherungsJournal 17.1.2012) ist in vollem Gange: Schon 2015 werden erstmals mehr Menschen in den Ruhestand gehen (478.000), als in den Arbeitsmarkt nachrücken (467.000). Im Jahr 2025 sind die geburtenstarken Jahrgänge vor dem „Pillenknick“ pensionsreif – dann gehen den heimischen Unternehmen 665.000 Mitarbeiter verloren.
Auch die Allianz wird von dieser Entwicklung betroffen sein: Bis 2025 werden zudem nach derzeitigen Zahlen mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen das Unternehmen in die Pension verlassen haben. Es gilt deshalb nicht nur, die entstandene Lücke zu schließen. Eine Erhöhung des Frauenanteils hat erfahrungsgemäß auch andere positive Auswirkungen.
Schon vor einigen Jahren hatte eine McKinsey-Studie gezeigt, dass die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil in Führungspositionen auch die beste finanzielle Performance hatten. Allianz-Personalchef Dkfm. Norbert Dörner betont außerdem: „Eine erfolgreiche Versicherung muss ein Spiegelbild der Gesellschaft in ihrer ganzen Buntheit und Vielfalt sein.“
Nach Branchen betrachtet, schneiden bei einer durchschnittlichen Arbeitsplatz-Zufriedenheit von 66 Prozent Handel und Produktion mit 59 Prozent besonders schlecht ab. Verwaltung, Unterrichtswesen (je 61) und Gesundheitswesen (64) liegen etwas besser.
Die höchste Arbeitsplatz-Zufriedenheit ist im Bereich Banken/Versicherungen mit 74 Prozent zu finden. Frauen in Führungspositionen kommen über alle Branchen gesehen auf 82 Prozent.
Die Mehrfachbelastung aus Job und Familie/Haushalt bezeichnen 72 Prozent der Frauen als „gut vereinbar“. Nach Branchen sind Lehrerinnen (86 Prozent) hier am zufriedensten, gefolgt vom Handel, der mit 73 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich abschneidet. Mitarbeiterinnen aus Banken und Versicherungen stimmen dem aber nur zu 62 Prozent zu – weniger als in der Gastronomie.
Insgesamt benoten 28 Prozent der berufstätigen Frauen ihren aktuellen Arbeitgeber mit „sehr gut“, weitere 38 Prozent mit „gut“. Sieben von hundert vergeben eine Vier, nur bei drei Prozent fällt der Dienstgeber durch. Mit einem Mittelwert von 2,2 liegt die Zufriedenheit der Frauen jedoch etwas unter dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen (1,8).
Lediglich knapp die Hälfte der befragten Frauen (46 Prozent) fühlt sich leistungsgerecht bezahlt. In bezug auf Aufstiegsmöglichkeiten sehen sich 56, bei der Übergabe von Verantwortung 54 Prozent anders als männliche Kollegen behandelt.
Mit den gebotenen Weiterbildungs-Möglichkeiten sind umgekehrt nur 47, mit den Karrierechancen gar nur 34 Prozent der Frauen zufrieden. Dabei sind Frauen in der Fortbildung besonders initiativ: Die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen, deren Dienstgeber keine Weiterbildung ermöglicht, finanziert sich diese aus eigener Tasche.
Der Hauptgrund für die Aufgabe von Karriereplänen ist mit 19 Prozent aber noch immer die Familie. Dazu kommen unternehmensinterne Hürden (14) und zu viel Verantwortung (13) als Hindernisgründe.
Mit einem Bündel von Maßnahmen möchte die Allianz nun für Frauen besonders attraktiv werden. Die Möglichkeit zur Telearbeit von zu Hause soll auch gut einem Drittel des Innendienstes offen stehen. Mobile Pfleger – „Flying Nannies“ – helfen aus, wenn das Kind wegen Krankheit nicht in die Schule oder den Kindergarten kann. Dabei trägt das Unternehmen den Großteil der Kosten.
Mit dem neuen Konzept will die Allianz einen Fokus auf individuelle Qualifizierungsprogramme und „aktive Ermutigung“ setzen. Geplant ist ein „Mentoring Circle“, der unter anderem dem Ziel dient, strategisches Hintergrundwissen zu fördern und individuelle Karrierepläne zu entwickeln. Dies gelte gleichermaßen für Männer wie Frauen.
Zu guter Letzt soll Teilzeitarbeit auch für Führungskräfte möglich sein. Mit diesem Package hofft die Allianz, die derzeit vakanten 280 Posten besetzen zu können. Und mit einer höheren Frauenquote für die demographische Herausforderung rechtzeitig gewappnet zu sein.
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