„Pflege-Bausparen“ – wohl keine sehr praxisnahe Idee

5.2.2015 – Laut Website des Sozialministeriums wird in Österreich europaweit am meisten Geld für Pflege ausgegeben. Laut derselben Quelle werden 2015 65.000 Menschen neu ins Pflegegeldsystem eintreten. Das sind über 10 Prozent weniger als 2014 – die Begründung liegt einfach darin, dass der Zugang durch das Hinaufschrauben der notwendigen Stundenwerte im Schnitt um 10% erschwert worden ist.

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Dies ist auch verständlich – um das Gesamtsystem zu schützen, besonders die schwereren Fälle, werden die leichteren beschnitten. In der Versicherungssprache nennt man das erhöhte Selbstbehalte. Wieso aber der VKI in der Zeitung „Konsument“ genau diesen Vorgang kritisiert und Bausparen als geeignete Vorsorge für die Pflege benannt hat, ist mir ein Rätsel.

Versicherungen sind nur dort sinnvoll, so eine entsprechend große Zahl an Risken besteht, und der Eintritt des Schadenfalles ungewiss ist. Andernfalls wäre das Risiko entweder unkalkulier- oder unbezahlbar. Daher war und ist es richtig, die leichten Pflegefälle nicht zu versichern – darüber hinaus aber ausreichenden Schutz zu bieten.

Im Übrigen erstaunt auch der Hinweis, dass private VR nur zahlen, wenn auch staatliches Pflegegeld gewährt wird. Dies ist unrichtig, es gibt beide Systeme – einerseits die Koppelung an das gesetzliche System, andererseits die Einstufung nach ADL. Der Kunde kann und soll sich das auswählen – und angesichts der vor wenigen Monaten erfolgten Hinaufsetzung beim Zugang zum staatlichen System ist gerade diese Wahlmöglichkeit ein wichtiges Argument.

Was aber besonders schmerzlich ist, ist das Verkennen der Aleatorik von Versicherungen. Was nützt denn ein liegengelassener Bausparvertrag (Guthaben zirka 7.000,-), wenn jemand mit 65, 70 oder 80 Jahren pflegebedürftig wird und noch viele Jahre auf entsprechende Hilfe angewiesen ist?

So wie private Rentenversicherungen das Langlebigkeitsrisiko absichern und daher nicht mit Sparbüchern zu vergleichen sind, genauso wenig hilft dem Pflegebedürftigen ein reservierter Bausparvertrag, auf den dann womöglich „mit grundbücherlicher Besicherung auf bis zu 30 Jahre zu max. 6% ein Darlehen zur Finanzierung von Pflegeleistungen und zum Verbleib in den eigenen 4 Wänden” aufgenommen werden kann.

Ein wahrhaft praxisnaher Lösungsvorschlag ist das wohl nicht, der da im „Konsument“ unterbreitet wird.

Und wieso eine Pflegeversicherung nur Sinn macht, um das eigene Vermögen zu erhalten, verstehe ich auch nicht.

Versicherungen sollten einfach durch Profis beraten werden.

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@uwf.at

zum Artikel: „VKI: Soll und kann man sich eine Pflegeversicherung leisten?”.

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