Berater sind für Österreicher Wissensquelle Nummer eins

27.1.2012 – Jüngste Studienergebnisse stellen dem Wissen über Investmentfonds kein gutes Zeugnis aus – nur wenige Anleger kennen sich bei diesem Thema aus. Eine wachsende Verunsicherung bei Anlegern mit Fondsbesitz signalisiert Handlungsbedarf hinsichtlich fundierter und umfangreicher Beratung.

Bereits das sechste Mal in Folge veröffentlichte die Axa Investment Managers GmbH (Axa IM) ihre Umfrage zum Wissen der Österreicher über Investmentfonds. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut TNS Info Research befragte dazu 1.000 Österreicher zu ihrer Einschätzung des eigenen Fondswissens, stellte aber auch überprüfende Fragen.

Einmal mehr landen unsere Landsleute auf dem letzten Platz der deutschsprachigen Länder: Deutsche wie Schweizer verfügen über ein höheres Wissen um Fonds. Österreicher zeichnen sich zwar durch eine hohe Einschätzung ihres Wissensstandes aus, auf konkrete Nachfrage offenbaren sich aber große Lücken.

Wissen hat sich verschlechtert

Konkret stuften 53 Prozent der Befragten ihr Finanzwissen als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Die Auswertung der Fragen entlarvt dies aber als Selbstüberschätzug: Nur 40 Prozent kennen sich wirklich aus. 45 von 100 möglichen Punkten auf dem Axa-IM-Wissensindex sind um zwei Punkte schlechter als das Vorjahresergebnis. Sind wir dümmer geworden?

„Nein“, meint Axa-IM-Marketingchefin Karin Kleinemas: „Das Selbstbewusstsein bei der Beantwortung der Fragen ist deutlich erkennbar zurückgegangen. Die ‚Weiß nicht’-Antworten haben stark zugenommen und sehr zu dieser Verschlechterung beigetragen. Viele Österreicher sind beim Thema Finanzen einfach verunsichert.“

Hoher Informationsbedarf

Wo die Österreicher ihr Finanzwissen beziehen (Grafik: Axa-IM)
Woher die Österreicher ihr Finanzwissen beziehen (wollen). Zum
Vergrößern in die Grafik klicken. (Grafik: Axa IM)

Mit 45 Prozent sind Beratungsgespräche mit Bank, Versicherung oder Finanzberater mit weitem Abstand die Informationsquelle Nummer eins.

Gespräche mit Freunden, Verwandten oder Kollegen (30) werden häufiger als Fernsehen oder Printmedien (beide 28 Prozent) als Wissensquelle genutzt. Während 18 Prozent das Internet zur Vertiefung ihrer Finanzkenntnisse nutzen, beschäftigen sich gerade einmal neun Prozent mit einschlägiger Fachliteratur. In Seminare geht nur jeder Zwanzigste.

Derzeit rangieren Schulen und Ausbildung/Berufsschule mit 17 beziehungsweise 15 Prozent weit hinten bei den Informationsquellen – dabei sind gerade dort die Wünsche nach Behandlung des Themas im Lehrplan mit 52 und 39 Prozent am größten. Aus einem Universitätsstudium stammen gar nur sechs Prozent des Finanzwissens. Hier erwarten sich 15 Prozent der Befragten mehr Information.

Sind Fonds zu kompliziert?

„Braucht man vertiefte wirtschaftliche Kenntnisse für die Geldanlage in Fonds?“ Diese Frage wurde wie schon 2011 von insgesamt 66 Prozent mit Ja beantwortet. Bei Nicht-Fondbesitzern sank die Zustimmung gegenüber dem Vorjahr (70) leicht auf 69 Prozent und liegt damit – nach einem Spitzenwert von 72 Prozent im Jahr 2010 – wieder auf dem Stand von Anfang 2009 (VersicherungsJournal 15.4.2011).

Stark verunsichert düften jedoch die Fondsbesitzer sein. Während zu Jahresbeginn 2011 nur 50 Prozent die Frage bejahten, wuchs der Zuspruch auf 59 Prozent. Dies ist der zweithöchste Stand überhaupt: Nur 2010 hatten als Folge der Immobilien- und Finanzkrise mit 62 Prozent mehr Anleger gemeint, wirtschaftliches Verständnis wäre eine wichtige Voraussetzung für Investitionen in Fonds.

Nachhaltigkeit: Gerne, aber wie?

Den Aspekt der Nachhaltigkeit sieht fast die Hälfte als wichtig für die Anlageentscheidung an. 30 Prozent gehen dabei von einer geringeren Rendite aus. Trotzdem würden 28 Prozent gerne nachhaltig investieren, kennen aber keine geeigneten Produkte.

Kleinemas meint dazu: „Für die Österreicher sind Themen wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung offenbar wichtig. Da liegt es an Beratern und Anbietern, den Anleger besser über Möglichkeiten nachhaltiger Anlageformen und deren Renditemöglichkeiten zu informieren.“

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