Unternehmen leiden unter Risiko Zahlungsausfall

24.1.2012 – Der Anteil der Zahlungsausfälle am Gesamtumsatz ist 2011 um 0,3 Punkte auf 2,3 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Zahlungsdauer hat sich ebenfalls erhöht: Bei Privatkunden stieg sie von sechs Tagen auf elf. 45 bzw. 43 Prozent der Unternehmer bewerteten die Relevanz der Risikoszenarien „Einkommensverlust“ und „Liquiditätsengpass“ als mittel bis hoch.

Erhebliche Belastungen durch Forderungsausfälle und –verzögerungen haben den österreichischen Unternehmen auch in der zweiten Jahreshälfte 2011 zu schaffen gemacht. Damit hat sich ein Trend fortgesetzt, der zuvor schon zu beobachten war. Das teilt die auf Credit Management- und Inkasso-Dienstleistungen spezialisierte Intrum Justitia GmbH mit.

Laut deren „Risk Index 2011 Österreich“ stieg der Prozentsatz der Zahlungsausfälle am Gesamtumsatz im Vergleich zu 2010 um 0,3 Punkte auf 2,3 Prozent. Damit liegt er deutlich über dem Niveau der Jahre 2008 und 2009, wo er 2,1 bzw. 2,0 Prozent betrug.

Zahlungsdauer bei Privaten gestiegen

61 Prozent der ausstehenden Forderungen waren bis zu 30 Tage überfällig, 30 Prozent der Außenstände bewegten sich im Zeitraum zwischen 31 und 90 Tagen. Neun Prozent der Zahlungen standen seit mehr als 90 Tagen aus.

Eine Erhöhung konstatierte Intrum Justitia für die durchschnittliche Zahlungsdauer von Privatkunden: Sie verschlechterte sich fast auf das Doppelte, von sechs Tagen im Jahr 2010 auf elf im Jahr 2011. Auch die Zahlungsfreudigkeit öffentlicher Institutionen hat laut dem Index nachgelassen. Sie nahm um durchschnittlich fünf Tage auf insgesamt 19 zu. Für den Bereich der Geschäftskunden ermittelte die Studie im gleichen Zeitraum ebenfalls eine Zunahme – die sich aber in Grenzen hielt: Die durchschnittliche Dauer erhöhte sich von elf auf zwölf Tage.

Eine „klare Zäsur“ im Zahlungsverhalten der Unternehmen in der zweiten Hälfte 2011 – sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas – hatte kürzlich der Kreditversicherer Coface gemeldet. Dabei habe es einen starken Anstieg von Nichtzahlungen gegeben. Für das gesamte Jahr 2011 verzeichnete Coface weltweit einen 19-prozentigen Anstieg bei Zahlungsausfällen, in der Eurozone sogar eine Steigerung um 28 Prozent (VersicherungsJournal 20.1.2012).

Für knapp jeden Zweiten von mittlerer bis hoher Relevanz

Was die Konsequenzen von Zahlungsausfällen betrifft, belegen die Daten des Risk Index 2011 eine kritische Einschätzung: 45 bzw. 43 Prozent der Unternehmer bewerteten die Relevanz der Risikoszenarien „Einkommensverlust“ und „Liquiditätsengpass“ als „mittel“ bis „hoch“, was einem Rückgang gegenüber 2010 entspricht.

Der Faktor „Existenzbedrohung“ bleibt mit 17 Prozent in etwa auf dem Level des Vorjahres. Die von Intrum Justitia 2011 erstmals erhobenen Daten zum Einzelaspekt „Wachstumshemmnis“ weisen zudem aus, dass rund 23 Prozent der befragten Unternehmer diese Gefahr für bedeutend halten.

Zwei Drittel vermuten absichtlichen Zahlungsverzug

Der Risk Index lieferte auch Daten zu den Hauptursachen ausbleibender Zahlungen. Die Veränderungen zu den beiden Vorjahren fallen relativ geringfügig aus: Rund 82 Prozent gaben an, dass die Schuldner aufgrund eigener finanzieller Schwierigkeiten nicht zahlungsfähig seien. Dennoch rechnen 65 Prozent der Unternehmer mit „absichtlichem Zahlungsverzug“.

Andere Faktoren, darunter Streitigkeiten zwischen Schuldner und Gläubiger bzw. „administrative Ineffizienz“ fallen der Untersuchung zufolge weniger stark ins Gewicht.

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