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Was tun mit alten IT-Systemen der Versicherer?

14.10.2020 – Die IT-Landschaft bei Österreichs Versicherern hat teils mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel. Sollte man sie, gerade angesichts der digitalen Transformation, weiter laufend adaptieren und „flicken“, oder wäre es nicht sinnvoller, von Grund auf neue Systeme einzurichten? Es komme auf den Einzelfall an, sagt Kai Schichtel.

Digitalisierung ist nicht nur etwas Technisches, zeigte sich Kai Schichtel, Sales Director der Sum.cumo GmbH, in einer Diskussionsrunde beim diesjährigen Insurance Forum Austria am Montag überzeugt.

Letzten Endes gehe es um einen Prozess, der die Gesellschaft verändere und es ermögliche, „Dinge zu tun, die wir vorher nicht tun konnten“. Für Unternehmen bedeute diese Entwicklung, dass sie Geschäftsprozesse digitalisieren und rationalisieren können – oder auch etwas ganz anderes tun können als bisher.

Auf eben diese beiden Felder hat sich die 2010 gegründete Sum.cumo spezialisiert: zum einen die „innovative Transformation“, zum anderen die „disruptive Neugründung“ samt Automatisierung und Ökosystem-Integration. Die Firma mit Hauptsitz in Hamburg serviciert Unternehmen der Lotterie- und Versicherungsbranche.

Keine Patentlösung

Die Digitalisierung habe Kunden daran gewöhnt, selbst Aufgaben zu übernehmen, mit schnellerer Erledigung und größerer Effizienz als Begleiteffekt. Schichtel wies in dem Zusammenhang auf Amazon und andere Onlinehändler hin.

Also: Genügt es, das Bestehende zu digitalisieren, oder ist es sinnvoller, etwas Neues auf die Beine stellen?

Johann Oswald, bis 2017 Vorstandmitglied der Allianz-Gruppe Österreich und seit 2018 CEO der slowenischen Merkur zavarovalnica d.d., glaubt, dass viele Prozesse obsolet sind.

„Sind bestimmte Prozesse digitalisierbar?“ Formulare vorausgefüllt bereitzustellen, sei wohl „nicht der große Wurf“, meinte Oswald. „Gibt es Transformation, oder müsste man nicht ‚neu denken‘? Wollen die Akteure das?“

Ähnlich wie beim Auto

Schichtel erwartet, dass der Markt die Antwort geben wird. „Konsumenten konsumieren, was da ist und was ihnen gefällt.“ Er geht davon aus, dass sich die bestehende Welt automatisieren, rationalisieren und für neue Kundenbedürfnisse öffnen wird. Er rechnet auch mit weiteren „Greenfield approaches“.

Welchen Rat kann man nun einem Versicherer, quasi als „best practice“, an die Hand geben? Nach und nach das Bestehende ändern oder von Grund auf neu aufbauen? „Das muss man sich im Einzelfall ansehen“, sagte Schichtel.

Zum Teil seien die Systeme 30 Jahre alt und älter; deswegen allein müsse man ein System – das in dem gut ist, was es kann – aber nicht sofort abschalten und durch ein neues ersetzen.

Gleichwohl gebe es aber Grenzen. Schichtel zog eine Parallele zum Auto: Damit könne man auch mehrere Jahre fahren und immer wieder einmal Reparaturen vornehmen. Eines Tages komme aber die Neuanschaffung billiger als die Summe der nötigen Reparaturen.

Bis zu einem halben Jahrhundert im Einsatz

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte 2019 eine Publikation über die IT-Infrastruktur bei Österreichs Versicherern veröffentlicht. Die höchste Nutzungsdauer hatte sie im Bereich „Bestandsführung“ mit fast 50 Jahren geortet, bei „Polizzierungssystemen“ betrug die höchste Nutzungsdauer zirka 30 Jahre.

Die älteren Systeme mit den kürzeren erwarteten Lebensdauern seien „eher in den Kerngeschäftsbereichen angesiedelt“. Gerade dort sei ein Ersatz durch neue Systeme „relativ kostenintensiv und riskant“. Ein Risiko berge aber auch veraltete IT-Infrastruktur selbst.

Die Nutzung der Systeme sei im Schnitt für weitere zehn bis 20 Jahre geplant, hieß es in dem Bericht. Aufgrund des „Erneuerungs- bzw. Konsolidierungsbedarfs“ ergebe sich für einige Unternehmen ein hoher Investitionsbedarf (VersicherungsJournal 17.7.2019).

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Digitalisierung · Versicherungsaufsicht
 
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