Die ersten Zahlen: So lief 2018 für Österreichs Versicherer

1.3.2019 – Plus 1,2 Prozent: Österreichs Versicherer nahmen 2018 nach vorläufigen Zahlen 17,3 Milliarden Euro ein. Die Leistungen reduzierten sich dagegen um 4,8 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro. Die Kapitalanlagen kletterten auf 111,1 Milliarden Euro. VVO-Chef Kurt Svoboda sieht die Branche „gut aufgestellt“. Für 2019 rechnet der Versicherungsverband mit einem Prämienwachstum von 1,5 Prozent.

Das vergangene Jahr sei „herausfordernd“ gewesen. Aber: „Wir sehen uns stabil und gut aufgestellt.“ Das sagte Kurt Svoboda, der Präsident des Versicherungsverbandes (VVO), am Donnerstag in Wien anlässlich der Präsentation der vorläufigen Zahlen des Inlandsgeschäfts der österreichischen Versicherungswirtschaft 2018.

Wie Generalsekretär Louis Norman-Audenhove berichtete, ist das Volumen der verrechneten Prämien gegenüber 2017 um 1,2 Prozent von 17,1 auf 17,3 Milliarden Euro gestiegen. Das wäre ein etwas größeres Plus als vor einem Jahr prognostiziert (+1,0 Prozent). Zum Vergleich: Die Inflation (VPI) betrug im Vorjahr 2,0 Prozent.

Übrigens haben laut den vorläufigen Daten die Schaden/Unfall- und die Krankenversicherung stärker zugelegt und die Lebensversicherung stärker abgebaut, als der VVO vor einem Jahr in seiner Vorschau geschätzt hatte (VersicherungsJournal 8.3.2018).

Verrechnete Prämien, auf Basis vorläufiger Daten (Bild: VVO)
Verrechnete Prämien, auf Basis vorläufiger Daten (Bild: VVO).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Einnahmenplus in Schaden/Unfall und Kranken …

VVO-Generalsekretär Louis Norman-Audenhove stellte am Donnerstag die vorläufigen Zahlen für 2018 vor (Bild: VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)
VVO-Generalsekretär Louis Norman-Audenhove
stellt die vorläufigen Zahlen für 2018 vor
(Bild: VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)

Zuwachs gab es in der Krankenversicherung: Die Prämieneinnahmen kletterten um 4,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Steigerung in der Sparte bewegte sich in den letzten Jahren regelmäßig zwischen rund drei und fünf Prozent.

Die Schaden/Unfall-Sparte hat ihren Anteil am Prämienkuchen 2018 abermals erhöht.

Sie ist mit 54,9 Prozent (2017: 53,6) die deutlich größte Sparte, anders als noch vor einigen Jahren, als das Größenverhältnis der drei Sparten „45 – 45 – 10“ gelautet habe, wie Norman-Audenhove anmerkte.

In Prämien ausgedrückt, stieg das Schaden/Unfall-Prämienvolumen um 3,5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Alle drei Teilsparten – Kfz, Schaden und Unfall – verzeichneten eine Zunahme.

Verrechnete Prämien Schaden/Unfall

Teilsparten

2018

+/– ggü. 2017

Schaden exkl. Kfz

5,0 Mrd. Euro

+3,2 %

Kfz

3,4 Mrd. Euro

+3,5 %

Unfall

1,1 Mrd. Euro

+4,4 %

… Einnahmenminus in Leben

Die Lebensversicherung schrumpfte 2018 weiter. Nach –9,2 Prozent 2016 und –5,0 Prozent 2017 verringerten sich die Einnahmen 2018 um 3,6 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Relativ stark zum Minus beigetragen hat das Einmalerlagsgeschäft.

Weiterhin auf dem Rückzug war auch die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge mit nunmehr 1,2 Millionen Verträgen (2017: 1,3 Millionen) und einem Prämienvolumen von 0,8 Milliarden Euro (2017: 0,9 Milliarden Euro).

Verrechnete Prämien Lebensversicherung

Versicherungsart

2018

+/– ggü. 2017

Laufende Prämien

4,9 Mrd. Euro

–1,7 %

Einmalerläge

0,7 Mrd. Euro

–14,7 %

Leistungen auf knapp unter 14 Milliarden Euro gesunken

Dem Anstieg bei den Prämien steht ein Rückgang bei den Leistungen gegenüber: Sie reduzierten sich auf 13,9 Milliarden Euro (–4,8 Prozent).

Zurückzuführen ist das im Besonderen auf die Lebensversicherung, in der die Leistungen auf 6,6 Milliarden Euro fielen. Das Minus in Höhe von 7,6 Prozent liegt im Trend der beiden Vorjahre (2016: –8,0 Prozent, 2016: –8,1 Prozent).

Svoboda sprach in diesem Zusammenhang von hohen kontinuierlichen, planmäßigen Vertragsabläufen, die nicht durch entsprechendes Neugeschäft kompensiert werden konnten.

Die Zahlungen aufgrund von Naturkatastrophen lagen 2018 bei zirka 500 Millionen Euro – womit das Jahr ruhiger verlief als 2017. Damals betrugen sie 670 Millionen Euro.

Leistungen, auf Basis vorläufiger Daten (Bild: VVO)
Leistungen, auf Basis vorläufiger Daten (Bild: VVO).
Zum Vergrößern Grafik anklicken.

111,1 Milliarden Euro in Kapitalanlagen

VVO-Präsident Kurt Svoboda (Bild: VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)
VVO-Präsident Kurt Svoboda
(Bild: VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)

Fortgesetzt hat sich das Wachstum bei den Kapitalanlagen. Ihr Volumen stieg auf 111,1 (+1,2 Prozent).

Die Kernaktienquote dürfte laut Norman-Audenhove rund vier Prozent betragen haben; Ende 2017 waren es 4,11 Prozent gewesen.

Svoboda merkte an, die Branche habe die Stresstests, die von den Aufsichtsbehörden durchgeführt wurden, „ohne Probleme geschafft“ und könne eine „stabile Kapitalposition“ vorweisen.

Prognose für 2019: plus 1,5 Prozent

Neben dem Blick zurück warf der VVO-Präsident auch einen nach vorne: Der Verband rechnet damit, dass sich das Prämienvolumen 2019 weiter erhöht, und zwar mit +1,5 Prozent etwas stärker als zuletzt.

Für die Lebensversicherung wird nochmals ein Rückgang vorhergesagt, mit –2,0 Prozent würde sich der Abschwung aber zugleich weiter verlangsamen. In der Schaden/Unfall- und der Krankenversicherung prognostiziert der VVO ein Plus von 3,0 beziehungsweise 3,5 Prozent.

Prämienprognose für 2019 (Bild: VVO)
Prämienprognose für 2019 (Bild: VVO). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Niedrigzinsniveau: Keine kurzfristige Änderung erwartet

Volkswirtschaftlich betrachtet, erwartet der VVO weiter „gutes Wachstum in Österreich und in der Region“.

Dies jedoch verbunden mit einer „leichten Abkühlung“ aufgrund diverser politischer Unsicherheiten. Svoboda nannte als Beispiele den Brexit, die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie die weitere wirtschaftliche Entwicklung Italiens.

Dass sich am Niedrigzinsumfeld kurzfristig etwas ändern wird, glaubt man im Versicherungsverband nicht. Spürbare Bewegung erwartet Svoboda allenfalls ab 2020. Auch der Weg der Zinsentwicklung werde von Faktoren wie etwa dem Brexit abhängen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Lebensversicherung · Unwetter · Zukunftsvorsorge
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
20.12.2018 – Der letzte Teil unseres Jahresrückblicks – dominierendes Thema ist die IDD auf der Zielgeraden der nationalen Umsetzung. mehr ...
 
8.3.2018 – Eine Drehung ins Prämien-Plus und im Detail Zahlen, die anders ausfielen als erwartet – der Versicherungsverband stellte am Mittwoch erste Daten zum Geschäftsjahr 2017 vor. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
24.1.2018 – Sieben Anliegen hat der Versicherungsverband an die neue Bundesregierung adressiert. mehr ...
 
7.3.2019 – Helvetia Österreich gab erste Zahlen für das abgelaufene Jahr bekannt. Erneut haben sich die Sparten Schaden/Unfall und Leben unterschiedlich entwickelt, zufrieden zeigt sich der Versicherer vor allem mit der Combined Ratio. (Bild: Christian Husar) mehr ...