Netinsurer: Was das Insurtech vorhat

25.2.2019 – Für den Versicherungsassistenten habe es eine Marktlücke gegeben, sagt Netinsurer-CEO Thomas Hajek im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Ziel sei es, eine möglichst tiefe Integration mit anderen Software-Produkten zu gewährleisten. Nun seien Weiterentwicklung, die Expansion in andere Länder und jedes Jahr ein neues Produkt geplant.

Netinsurer-CEO Thomas Hajek (Bild: Matthias Buchwald)
Netinsurer-CEO Thomas Hajek
(Bild: Matthias Buchwald)

Als Netinsurer 2014 gegründet wurde, habe es erst wenige Insurtechs gegeben, erzählt der Gründer und CEO Thomas Hajek im Gespräch mit dem VersicherungsJournal.

Angefangen habe man als digitaler Assekuradeur. Dies habe geholfen, zu verstehen, wie der Verkauf von Versicherungen im digitalen Kontext funktionieren kann.

Hajek betont dazu die Affinität der Unternehmensgründer zu Versicherungsmaklern: Es sei ihnen darum gegangen, diese zu unterstützen und ihnen ein Tool an die Hand zu geben, mit dem sie effizient und zukunftsträchtig arbeiten können.

Marktlücke gesehen

Durch die damals gerade anstehende IDD habe man einen Bedarf für softwarebasierte Beratungsprozesse gesehen. Hajek verweist darauf, dass „die Einhaltung der Regularien für Vermittler ohne Softwareunterstützung nur schwer und zu hohen Kosten möglich wäre“.

Von den Versicherern gestellte Beratungsprozesse seien für Vermittler, die mit verschiedenen Anbietern zusammenarbeiten, „keine Alternative“, so Hajek, weil „ansonsten für ein und dasselbe Geschäft mehrfach ähnliche Softwareprozesse durchlaufen werden müssen“.

Mit dem Versicherungsassistenten biete man eine Software, die den Makler versicherer- und kanalübergreifend unterstütze. Dabei werde vom Risiko ausgegangen. Im nächsten Schritt würden die konkreten Anforderungen des Kunden für ein Deckungskonzept und die anschließend vorgeschlagene Versicherungslösung berücksichtigt.

Best Advice

Für das Privatkundengeschäft beschränkt sich der Versicherungsassistent auf die Risikoanalyse und die Integration einer Vergleichssoftware, die Best Advice garantieren soll. Diese kommt von Der-Versicherungsmakler.at (DVM), mit dem eine Kooperation besteht.

Anschließend werden die Daten in das Maklerverwaltungsprogramm rückübertragen. Der Versicherer erhalte nur jene Informationen, die ihm der Vermittler zur Verfügung stellt.

Zeitersparnis bei „Gewerbe“ entscheidend

Im Bereich der Gewerbeversicherung habe man ein „hochqualitatives Deckungskonzept“ unter Einbindung von Kunden und Maklerbetreuern entwickelt. Allerdings gebe es hier fast keine digitalen Vergleiche oder Möglichkeiten, Produkte online zu berechnen. Angebote müssten deshalb vom Versicherer eingeholt werden.

Besonders wichtig sei dabei die Zeitersparnis, die durch eine vollständige Erfassung gewährleistet werden soll, wodurch Rückfragen des Versicherers entfallen. Gespräche können anhand eines strukturierten Leitfadens geführt, Deckungskonzept, Ausschreibung und Dokumentation automatisch erstellt werden.

In der nächsten Phase sei geplant, Gewerbetarife anzubinden – ein Vorhaben, das „nicht unkompliziert“ sei, so Hajek.

Kompatibilität

Was die Schnittstelle zwischen dem Maklerverwaltungsprogramm und der Netinsurer-Software betreffe, sei die Kompatibilität je nach Software unterschiedlich.

Dies hänge vor allem vom Entwicklungsstand und den technischen Gegebenheiten auf Seiten der Maklerverwaltungsprogramm-Hersteller ab. Es bestehe aber der klare Anspruch, die Integration so tief wie möglich zu gewährleisten.

Allerdings „geht es nicht immer so schnell wie gewünscht“, sagt Hajek. Es bedürfe dazu „Arbeit auf beiden Seiten“.

Expansion in neue Märkte

Netinsurer hat sich das Ziel gesteckt, „führender Insurtech-Anbieter in Europa zu werden“, wie der Website des Unternehmens zu entnehmen ist. Für Hajek bedeutet das einerseits, ein kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner für die Industrie zu sein.

Darüber hinaus sei die geographische Expansion geplant. In Deutschland ist das Unternehmen bereits tätig, in anderen Ländern befinde man sich in unterschiedlichen Stadien – von der Marktforschung bis hin zu Kooperationsgesprächen.

Hajek gibt ein „klares Bekenntnis zur Internationalisierung“ ab. Allerdings sei eine gewisse Mindestgröße des Marktes erforderlich, „um sich hier nicht zu verzetteln“. Damit seien die größeren, etablierten Versicherungsmärkte das „logische Ziel“.

Pläne für heuer

Der „Versicherungsassistent“ ist nun knapp ein Jahr auf dem Markt. Dies sei eine durchaus intensive Zeit gewesen, sagt Hajek, aber: „Wir wachsen mehr als zufriedenstellend“.

Man habe sich vorgenommen, jedes Jahr ein neues Produkt zu lancieren und gleichzeitig die vorhandenen Produkte weiterzuentwickeln. Unter anderem gehe es darum, dass eine Software für viele unterschiedliche Vermittler gleich gut einsetzbar ist, obwohl die Bedürfnisse verschieden sind.

Ein „riesiges Projekt“ stelle auch die Integration der Versicherer dar. Und schließlich gehe es auch um Produkte, die in anderen Märkten einsetzbar sind. Näheres wollte der Netinsurer-CEO aber noch nicht verraten.

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IDD · Insurtech · Marktforschung · Vergleichsrechner · Verkauf · Vermittlerrichtlinie · Versicherungsmakler
 
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