Neue Ertragsquellen für Versicherungen

4.6.2018 – Infolge niedriger Zinsen werden vor allem Lebensversicherer in der Geldanlage innovativer. Während bei der Vienna Insurance Group die Vergabe von Darlehen an Unternehmen bereits gängige Praxis ist, setzt Uniqa über eine eigene Investmentgesellschaft auf Risikokapital für Technologieunternehmen. Bei der Generali-Versicherung hingegen ist Private Equity als „Real Asset“ ein wichtiger Portfolio-Baustein.

Die Lebensversicherungsbranche ist in Österreich angesichts anhaltend niedriger Zinsen gezwungen, nach neuen Ertrags- und Performance-Komponenten für die Deckungsstöcke Ausschau zu halten. Die umlaufgewichtete Durchschnittsrendite für Bundesanleihen (UDRB) lag im April-Durchschnitt nur bei 0,356 Prozent.

Der von der Finanzmarktaufsicht (FMA) festgelegte höchstzulässige Rechnungszins, der sich am zehnjährigen Durchschnitt der UDRB unter Anwendung eines Abschlags von 40 Prozent orientiert, liegt indessen bei 0,5 Prozent. Auf jeden Fall sollte diese Performance erzielt werden können. Anzustreben wären jedoch wesentlich höhere Erträge.

Deshalb gehen Versicherungen heute vereinzelt schon neue Wege: Sie vergeben Teile des Deckungsstocks als Kredite an Unternehmen und sogar Investments in Private Equity finden langsam Einzug.

Letzteres muss nicht unbedingt eine Geldanlage im Deckungsstock sein, sondern kann auch dazu dienen, langfristig aus neuen Standbeinen außerordentliche Profite zu generieren.

Uniqa setzt auf Venture Capital

Die Uniqa Insurance Group AG bündelt beispielsweise ihre Venture-Capital-Aktivitäten in der Uniqa Ventures GmbH, einer hundertprozentigen. Investment-Themen sind hier FinTech, Health Tech, Smart Home und Mobility. Uniqa Ventures richtet sich an Unternehmensgründer in der Early- und Growth-Stage-Phase.

Beispiele von Portfolio-Unternehmen sind Twisto, ein Payment-Service-Anbieter aus Tschechien, Fincompare, eine deutsche Plattform im Bereich Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen, und Fragnebenan, eine Nachbarschaftsplattform in Österreich.

Uniqa investiert nur eigene Mittel und stockte das Investitionskapital jüngst um 25 Millionen Euro auf.

„Wir investieren ausschließlich Uniqa-Gelder, also Kapital, das Uniqa im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet hat“, so Alexander Bockelmann, Chief Digital Officer bei Uniqa, zum VersicherungsJournal. „Kundengelder beziehungsweise Veranlagungskapital aus den Deckungsstöcken werden nicht verwendet.“

Permanentes Investmentvehikel

„Uniqa Ventures ist eine ,evergreen structure‘, also ohne vorgegebene Laufzeit“, erklärt Bockelmann zum Zeithorizont der Investments. „Im Allgemeinen verfolgen wir für unsere Direktinvestments einen strategischen und somit längeren Investmenthorizont.“

Aber es gibt Ausnahmen: „Wir erwarten je nach Marktlage und Umstand des Jungunternehmens teilweise auch durchaus kürzere Behaltedauern. Den ersten Exit hatten wir bei Inzmo 2017 bereits nach nur neun Monaten umgesetzt“, erklärt Bockelmann. Inzmo ist ein estnisches InsurTech-Unternehmen.

Private Equity – Ein Vermögensbaustein der Generali

Die Generali Versicherung AG hat die Vorzüge von Sachwert-Investments erkannt, weshalb für sie Private Equity auch ein Thema für Lebensversicherungen ist.

„Veranlagungen in sogenannte Real Assets, zu denen neben anderen auch Private Equity (PE) zählt, spielen mittlerweile in der Asset Allocation eine wichtigere Rolle“, skizzierte Axel Sima, Chief Investment Officer.

„Gerade Private Equity kann aus Sicht eines langfristig agierenden Investors aufgrund des attraktiven Ertrags-/Risikoprofils sowie aus Diversifikationsüberlegungen auch für Lebensversicherungen Sinn machen.“

Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich erwartet

Bei Zehn-Jahres-Zeithorizonten erwartet die Generali, abhängig von der jeweiligen Strategie, Renditen im hohen einstelligen Prozentbereich.

„Als internationale Versicherungsgruppe bündeln wir unsere PE-Aktivitäten in einer spezialisierten Private-Equity-/Beteiligungs-Gesellschaft, welche die Investments tätigt“, erklärt Sima zut organisatorischen Umsetzung der Strategie.

Weniger Eile hat hingegen die Kreditvergabe: „Die Generali prüft das Thema laufend. Aktuell spielt es jedoch keine bedeutende Rolle.“

Vienna Insurance Group vergibt Kredite an Unternehmen

Während Risikokapital mit 0,03 Prozent Portfolio-Anteil verschwindend gering ist und auch zukünftig dort keine weiteren Veranlagungen geplant sind, vergibt die Vienna Insurance Group AG (VIG) Portfolio-Gelder als Ausleihungen an Unternehmen.

„Die Vergabe von Krediten, Darlehen beziehungsweise Schuldscheindarlehen durch Versicherungen hat in Österreich eine lange Tradition und war auch schon in den Kapitalanlagevorschriften für Versicherungsunternehmen vor Solvency II explizit unter Einhaltung spezifischer Qualitätsmerkmale als Bedeckungswert in der Lebensversicherung zugelassen“, so der Konzern zum VersicherungsJournal.

„Insofern wurden und werden Kredite und Darlehen auch in den österreichischen Gesellschaften der VIG vergeben“.

Elf Prozent des Lebensversicherungs-Portfolios als „Kredite“ vergeben

Zum ersten Quartal 2018 waren laut Aussage des Instituts 6,7 Prozent der konsolidierten Gesamtkapitalanlagen beziehungsweise 2,5 Milliarden Euro in Darlehen investiert. Ihr Anteil an den Portfolios der Lebensversicherung betrug etwa elf Prozent.

Eine Konzerngesellschaft, die Darlehen vergibt, ist beispielsweise die Wiener Städtische Versicherung AG, deren Darlehensanteil am Gesamtportfolio bei rund zehn Prozent liegt.

„Wie bisher ist auch zukünftig beabsichtigt, unter Einhaltung des Kreditprüfungsprozesses, Kredite an kapitalmarktfähige Unternehmen beziehungsweise besicherte Kredite zu vergeben“, bekräftigt die VIG diese Investmentalternative.

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Darlehen · Fintech · Insurtech · Lebensversicherung · Strategie · Versicherungsaufsicht
 
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