So viel verloren die Pensionskassen 2018

27.2.2019 – Die überbetrieblichen Pensionskassen haben 2018 in einem schwierigen Marktumfeld eine deutlich negative Performance erzielt. Am besten schlugen sich noch Bonus, die in drei Kategorien den ersten Platz belegte, sowie Allianz und VBV mit je einer Bestplatzierung. Deutlich geringere Verluste mussten die Vorsorgekassen dank ihrer defensiven Anlagestrategie hinnehmen; Siegerin wurde Fair-finance.

Die vom Beratungsunternehmen Mercer Austria GmbH alljährlich durchgeführte Analyse der Pensionskassen zeigt für 2018 die bereits erwarteten negativen Ergebnisse (VersicherungsJournal 18.1.2019).

Demnach kamen die überbetrieblichen Pensionskassen im Vorjahr durchschnittlich auf eine Performance von –5,60 Prozent. 2017 konnten sie noch eine positive Rendite von 6,34 Prozent ausweisen.

Veranlagungstechnisch sei 2018 ein sehr schwieriges Jahr gewesen, kommentiert dies die Expertin für betriebliche Altersvorsorge bei Mercer Österreich, Michaela Plank. Es habe nur einige wenige Assetklassen gegeben, die einen positiven Renditebeitrag geleistet hätten.

Die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien

Welchem Veranlagungstyp eine Veranlagungs- und Risikogemeinschaft (VRG) zugeordnet wird, hängt vom Aktienanteil ab:

  • defensiv (Aktienanteil unter 16 Prozent),
  • konservativ (Aktienanteil 16 bis unter 24 Prozent).
  • ausgewogen (Aktienanteil 24 bis unter 32 Prozent),
  • aktiv (Aktienanteil 32 bis unter 40 Prozent),
  • dynamisch (Aktienanteil 40 Prozent oder höher).

Drei erste Plätze erreichte im Vorjahr die Bonus Pensionskassen AG, die bei ausgewogener, aktiver und dynamischer Veranlagung das schwierige Marktumfeld am besten gemeistert hat, wie Mercer schreibt.

Siegerin der Kategorie „konservativ“ war die Allianz Pensionskasse AG, Platz eins in der defensiven Veranlagung ging an die VBV-Pensionskasse AG.

Die Unterschiede der Ergebnisse seien Absicherungsmechanismen geschuldet. Pensionskassen, die solche Finanzinstrumente eingesetzt haben, konnten ihr Ergebnis „phasenweise etwas verbessern“, erläutert Plank.

Performance der Pensionskassen

Kategorie

2018

5 Jahre

10 Jahre

defensiv

VBV (–0,31 %)

VBV (3,14 %)

Bonus (2,89 %)

konservativ

Allianz (–2,63 %)

VBV (3,10 %)

APK (4,05 %)

ausgewogen

Bonus (–4,16 %)

Allianz (3,70 %)

Allianz (4,56 %)

aktiv

Bonus (–4,76 %)

Allianz (3,46 %)

APK (4,97 %)

dynamisch

Bonus (–5,34 %)

VBV (3,54 %)

Valida (4,86 %)

Langfristige Betrachtung nötig

Immer wieder würden am Markt Schwankungen auftreten, so Plank. Die Pensionskassen seien es gewohnt, diese zu steuern. Über jene Veranlagungszeiträume, die für die Altersvorsorge wichtig sind, funktioniere das System.

Da Portfolios über Jahrzehnte aufgebaut werden, würden kurzfristige Performancebetrachtungen eine „eher untergeordnete Rolle“ spielen. Langfristig zeige sich eine „deutlich positive Performance der überbetrieblichen Pensionskassen“.

Kritik an Rechnungszins

Die Jahresperformance sei allerdings für bereits Pensionierte ein wichtiger Faktor, weil sie zu Kürzungen der Auszahlung führen könne. Entscheidend sei dabei der Rechnungszins; wird dieser von einer Pensionskasse erwirtschaftet, werde in der Regel im folgenden Jahr eine gleichbleibende Pension ausgezahlt.

Daher sei vor allem eine marktgerechte Festlegung des Rechnungszinses für das System wichtig. Weil für alte Verträge teilweise noch ein Rechnungszins von bis zu 6,5 Prozent gelte, komme es immer wieder zu Pensionsanpassungen.

Defensive Veranlagung nützt Vorsorgekassen

Während die defensive Veranlagungsstrategie der Vorsorgekassen in guten Jahren zu einer im Vergleich mit den Pensionskassen niedrigeren Performance führt, wirkte sich diese im Vorjahr günstig aus.

Im Durchschnitt aller Vorsorgekassen lag die Rendite 2018 bei –1,25 Prozent und war damit deutlich besser als die der Pensionskassen. 2017 war dies noch umgekehrt: Damals lagen die Vorsorgekassen mit 2,15 Prozent Performance hinter den Pensionskassen, die eine Rendite von 6,13 Prozent aufwiesen.

Plank weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Vorsorgekassen in Jahren negativer Performance keine Vermögensverwaltungskosten abziehen dürfen, sondern diese auf das nächste Jahr vortragen müssen.

Performance der Vorsorgekassen 2018

Platz

Vorsorgekasse

Performance

1.

Fair-finance

–0,68 %

2.

NÖVK

–1,25 %

3.

Allianz

–1,59 %

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Pension  · Pensionskasse · Steuern
 
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