Versicherungswirtschaft schrieb 2018 weniger Gewinn

26.3.2019 – Versicherungstechnisches Ergebnis, Finanzergebnis und Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit waren für Österreichs Versicherungswirtschaft 2018 in Summe jeweils rückläufig. Laut aktuellem FMA-Bericht sank der Vorsteuergewinn um sechs Prozent auf 1,17 Milliarden Euro.

FMA-Bericht zum 4. Quartal 2019 (Quelle: FMA)
FMA-Bericht zum 4. Quartal 2018
(Quelle: FMA)

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat am Montag Zahlen zum Geschäftsverlauf der österreichischen Versicherungswirtschaft 2018 veröffentlicht.

Die Sparten Schaden/Unfall- und Krankenversicherung legten demnach um 3,6 beziehungsweise 4,3 Prozent zu, die Lebensversicherung schrumpfte um 3,8 Prozent.

Das entspricht ungefähr der Größenordnung, die der Versicherungsverband (VVO) vor knapp vier Wochen auf Basis vorläufiger Daten präsentiert hatte (VersicherungsJournal 1.3.2019).

Der Prämiensumme von 17,2 Milliarden Euro stehen 14,1 Milliarden Euro (–4,34 Prozent) an Aufwendungen für Versicherungsfälle gegenüber. Die Combined Ratio in der Schaden- und Unfallversicherung wird im FMA-Bericht mit 90,54 Prozent beziffert.

Verrechnete Prämien 2018

Sparte

2018
(in Mrd. Euro)

+/–
2018 ggü. 2017

+/–
2017 ggü. 2016

Schaden/Unfall

9,44

+3,59 %

+3,27 %

Leben

5,52

–3,76 %

–5,07 %

Kranken

2,22

+4,27 %

+3,77 %

Die Lebensversicherung im Detail

Ein genauerer Blick auf die Lebensversicherung zeigt, dass vor allem die Einmalerläge das Prämienvolumen gedrückt haben, und zwar um knapp ein Zehntel (2017: –21,02 Prozent).

Das – deutlich größere – Segment der laufenden Prämien verzeichnete aber ebenfalls einen Rückgang; mit einem Minus von 2,81 war es noch etwas größer als 2017, als es sich auf –1,64 Prozent belaufen hatte.

Unterscheidet man nach Art der Lebensversicherung, so schrumpfte die „konventionelle“ 2018 zwar um 1,57 Prozent, jedoch deutlich moderater als 2017 (–9,26 Prozent).

Die fonds- und indexgebundene Lebensversicherung hatte von 2016 auf 2017 noch um 9,56 Prozent zugelegt; diesen Zugewinn hat sie von 2017 auf 2018 mit –10,08 Prozent wieder mehr als verloren.

Verrechnete Prämien in der Lebensversicherung 2018 mit Jahresvergleich

Nach Zahlungsart

Nach Versicherungsart

Zahlungsart

Mio. Euro

+/– ggü. 2017

Versicherungsart

Mio. Euro

+/– ggü. 2017

Laufende Prämien

4.752

–2,81 %

Konventionelle

4.190

–1,57 %

Einmalerläge

764

–9,31 %

Fonds- u. indexgeb.

1.326

–10,08 %

Summe

5.516

–3,76 %

Summe

5.516

–3,76 %

Wieder weniger Gewinn

Alle Sparten zusammengenommen, verschlechterte sich das versicherungstechnische Ergebnis, also das Ergebnis im „Kerngeschäft“, um 12,81 Prozent auf rund 506 Millionen Euro, nachdem es sich 2017 um 3,75 Prozent verbessert hatte.

Das Finanzergebnis – als Saldo aus Erträgen aus Kapitalanlagen und Zinsenerträgen einerseits und Aufwendungen für Kapitalanlagen und Zinsenaufwendungen andererseits – betrug 2018 rund 2,53 Milliarden Euro (–10,18 Prozent; 2017: –7,74 Prozent).

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (Ergebnis vor Steuern, EGT) sank 2018 abermals, nämlich um 6,10 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro (2017: –12,02 Prozent).

Versicherungstechnisches Ergebnis und EGT 2018 mit Jahresvergleich

Versicherungstechnisches Ergebnis

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

Sparte

Mio. Euro

+/– ggü. 2017

Sparte

Mio. Euro

+/– ggü. 2017

Schaden/Unfall

325,27

–19,31 %

Schaden/Unfall

986,29

–7,98 %

Leben

101,71

+102,09 %

Leben

103,64

+117,80 %

Kranken

79,57

–37,60 %

Kranken

78,40

–37,18 %

Summe

506,54

–12,81 %

Summe

1.168,33

–6,10 %

Mehr als die Hälfte hat einen SCR von über 230 Prozent

Was die Solvabilität betrifft, stellt die Aufsicht fest, dass mehr als die Hälfte aller Versicherungsunternehmen einen Solvabilitätsgrad (Solvency Capital Requirement, SCR) von über 230 Prozent vorweisen konnte, also mehr als doppelt so viele Eigenmittel wie nötig besaßen, verdeutlicht die FMA.

Die Solvenzkapitalanforderung (SCR) „soll sicherstellen, dass Versicherungsunternehmen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,5%, innerhalb der nächsten zwölf Monate, unvorhergesehene Verluste aufgrund ihrer Kapitalausstattung auffangen können und dadurch in der Lage sind, ihren Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern weiterhin nachzukommen“, so die FMA.

Zum Herunterladen

Der vollständige „Quartalsbericht Q4 2018 Versicherungsunternehmen“ kann von der FMA-Website als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Lebensversicherung · Solvabilität · Steuern · Versicherungsaufsicht
 
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