Was die Uniqa in den nächsten fünf Jahren vorhat

20.11.2020 – Die Uniqa hat ihr Strategieprogramm „Seeding the Future“ präsentiert. Kernelemente sind die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle inklusive massiver Einsparungen, der Einstieg in neue Geschäftsfelder und weitere hohe Investitionen in die IT. 2025 will die Uniqa „bester Finanzdienstleister in Österreich“ sein, steckt sich CEO Andreas Brandstetter ein hohes Ziel.

Uniqa-CEO Andreas Brandstetter (Bild: Uniqa)
Uniqa-CEO Andreas
Brandstetter (Bild: Uniqa)

Nachdem bereits am Mittwoch-Abend einige Details der neuen Uniqa-Strategie bekannt geworden waren (VersicherungsJournal 19.11.2020), hat CEO Andreas Brandstetter gestern in einer Online-Pressekonferenz das neue Programm mit dem Namen „Uniqa 3.0 – Seeding the Future“ vorgestellt.

In einem Rückblick auf das seit 2011 gelaufene Programm, das heuer beendet wird, meinte Brandstetter, es sei zum Teil gelungen, die Ziele zu erreichen. So habe sich die Profitabilität deutlich verbessert und die Anzahl der Kunden „strategiekonform“ verdoppelt.

Die Ergebnisse seien bis 2015 deutlich angestiegen, aufgrund des 500 Millionen Euro schweren IT-Investitionsprogramms kam es anschließend zu einem Rückgang. Und was die Dividenden betrifft, konnten diese bis 2018 stetig gesteigert werden.

Herausforderungen der nächsten Jahre

„Seeding the Future“ werde von 2021 bis 2025 laufen. Man traue sich nicht mehr, ein Strategieprogramm für zehn Jahre vorzulegen, so Brandstetter: Fünf Jahre seien „fast schon mutig“ und „sehr lange“.

Dabei müsse die Strategie jene Megatrends berücksichtigen, die das Geschäft des Versicherers nachhaltig verändern: Niedrigzins, demografischer und sozialer Wandel, Innovation und Digitalisierung sowie Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Die demografische Entwicklung sei für die Uniqa nicht einfach: Einerseits, weil sie gerade im ländlichen Raum stark sei, Menschen aber verstärkt in Städte ziehen. Andererseits werde es in den Uniqa-Kernmärkten bis 2050 zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang kommen.

Herausfordernd sei auch der Niedrigzins, der durch Covid-19 „einzementiert“ sei. Was Innovation betreffe, sei man „behäbig“, während Insurtechs sich anschicken würden, die Branche zu revolutionieren. Brandstetter: „Wir müssen uns neu erfinden, um im Leben unserer Kunden relevant zu bleiben.“

Stellenabbau und Standortreduktion

Zwei strategische Eckpfeiler umfasst die neue Strategie: die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle, von Brandstetter als „Exploitation“ bezeichnet, und „Exploration“, die Neuerkundung von Märkten, um neue Leistungen anzubieten.

Das bestehende Geschäft müsse stärker standardisiert werden; die Uniqa will „die Komplexität für die Kollegen im Backoffice reduzieren“, so Brandstetter. Manuelle Eingriffe und Mitarbeiterzahl sollen reduziert werden.

Geplant ist, wie bereits bekannt, 600 Stellen abzubauen, „so schonend und respektvoll wie möglich“. Ein Sozialplan wurde mit dem Betriebsrat vereinbart, 150 Stellen sollen nicht nachbesetzt und 450 weitere Stellen in den kommenden 24 Monaten „reduziert“ werden.

Von den derzeit 105 Außendienststandorten werden 35 geschlossen. Man wolle zwar „der Versicherer vor Ort“ bleiben, so Brandstetter, „das kostenintensive Backoffice“ sei dafür aber nicht nötig. Bei Stellenabbau und Schließungen werde es „keine regionalen Schwerpunkte“ geben.

Optimierung, Kostensenkung und forcierte Digitalisierung

Forciert werden soll die Digitalisierung: „Es ist keine Option, zu hoffen, dass Digitalisierung nicht stattfindet“, sagt Brandstetter. Investments in IT, Digitalisierung und Data sollen unverändert hoch bleiben, geplant sei in diesem Bereich die Aufnahme von 100 neuen Mitarbeitern.

Unverändert bleiben Österreich und CEE die Kernmärkte; eine Expansion in neue Märkte in Osteuropa sei „kein Thema“. Zukäufe kann er sich aber vorstellen: Es gebe einen globalen Trend zur Konsolidierung und immer wieder Chancen, gute Firmen zuzukaufen; aktuelle Pläne gebe es dazu nicht.

Ausgebaut und stärker digitalisiert werden soll der Bankenvertrieb. Was den Vertrieb über Makler betrifft, verspricht Brandstetter, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Maklerbetreuer geben werde. Und einzelnen Außendienstmitarbeitern könnte man anbieten, sich zu Generalagenten zu entwickeln.

Zu den „Kerninitiativen“ im Bereich Retail sollen Kundenzentrierung, Simplifizierung, eine Omnikanal-Strategie und länderübergreifende Zusammenarbeit zählen. Das Produktportfolio soll vereinfacht und reduziert werden, Brandstetter gibt aber „ein klares Bekenntnis zur Lebensversicherung“ ab.

Neue Geschäftsfelder

Neben der Optimierung des bestehenden Geschäfts will die Uniqa in Zukunft Lösungen anbieten, die über die Versicherung hinausgehen: „Wir wollen zum holistischen Gesundheitsanbieter werden“, sagt Brandstetter.

Dazu habe man im April eine Tochtergesellschaft „Sanusx“ gegründet, die Gesundheitsangebote in den Bereichen mentale Gesundheit, Primärversorgung und Betreuung der älteren Generation bieten soll. Denkbar sei hier auch ein Angebot für Nicht-Uniqa-Kunden.

Geplant seien beispielsweise Lösungen für Großkunden, damit diese ihren Mitarbeitern Vorsorgen anbieten können. Als erstes Produkt seien schnelle, einfache und zuverlässige Covid-19-Tests für Unternehmenskunden bereits auf den Markt gebracht worden.

Ein weiteres Beispiel für neue Geschäftsmodelle sei Cherrisk, ein 2018 in Ungarn gegründeter rein digitaler Versicherer. Nun expandiere man nach Deutschland, möglich seien auch Schritte in weitere Länder Westeuropas.

Längerfristige Ziele

„Diese Firma will und wird 2025 der beste Finanzdienstleister in Österreich sein“, steckt Brandstetter die Ziele hoch. In Österreich will man dann Marktführer sein, in CEE „die Nummer fünf am Markt“. Dazu beitragen soll ein kontinuierliches Prämienwachstum von drei Prozent pro Jahr.

Ertragsseitig soll das Lebensversicherungsgeschäft finanztechnisch stabilisiert werden. Die nachhaltige Kostenreduktion in Österreich von mehr als 100 Millionen Euro und Synergien in CEE durch die Integration der ehemaligen Axa-Gesellschaften sollen die Combined Ratio auf deutlich unter 94 Prozent senken.

Behalten will Brandstetter die „starke Solvenzposition“. Zielgröße der Solvenzquote für 2025 sind mehr als 170 Prozent. Schließlich wolle man nach Corona auch wieder zu stabilen, progressiv steigenden Dividendenzahlungen zurückkehren.

 
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