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Welche Ziele die Uniqa im Gesundheitsbereich hat

17.6.2026 – Versicherung bleibt das Kerngeschäft, betont Uniqa-CEO Andreas Brandstetter im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Das Thema Gesundheit betreffe aber alle Menschen, „für die wir arbeiten“. Damit biete sich die Möglichkeit zur Diversifikation, was auch der Versicherung zugutekommen soll.

Uniqa-CEO Andreas Brandstetter im Gespräch mit dem VersicherungsJournal (Bild: Uniqa Nessweda)
Uniqa-CEO Andreas Brandstetter im Gespräch mit dem VersicherungsJournal (Bild: Uniqa/Nessweda)

Schon seit einiger Zeit gibt es keine Präsentation, Pressekonferenz oder Hauptversammlung der Uniqa, in der das Ökosystem Gesundheit und die Angebote der Uniqa-Gesundheitsmarke Mavie nicht breiten Raum einnehmen.

Das VersicherungsJournal hat deshalb mit Uniqa-CEO Andreas Brandstetter über die Bedeutung des Gesundheitsbereichs für Uniqa, Ziele und Strategien sowie über Wechselwirkungen und Synergien mit der Versicherung gesprochen.

„Versicherung ist und bleibt das Kerngeschäft“, das in Österreich seit 1811 und in CEE seit rund 25 Jahren betrieben wird, betont Brandstetter einleitend. Dafür sprechen auch die Zahlen: Die Prämieneinnahmen der Versicherung lagen im Vorjahr bei 8,4 Milliarden Euro, der Umsatz von Mavie bei 300 Millionen.

Am Weg zum holistischen Gesundheitsanbieter

Der Gesundheitsbereich sei aber – neben dem wachsenden Rückversicherungsgeschäft – eine weitere Möglichkeit zur Diversifikation für Uniqa. Dahinter stünden „simple Überlegungen“, so Brandstetter: demografische, soziale und geopolitische ebenso wie volkswirtschaftliche.

Gesundheit habe in unserem Teil der Welt eine große Bedeutung, gleichzeitig bestehe eine große Divergenz von Lebens- und Gesundheitsspanne: Die Lebenserwartung von Frauen beträgt in Österreich rund 84 Jahre, aber 20 Jahre davon verbringen sie in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit.

In diesem Spannungsfeld wolle sich Uniqa positionieren und mehr als nur Versicherung bieten. Ziel sei es, ein „holistischer Gesundheitsanbieter“ zu werden, betont Brandstetter. Denn das Thema „betrifft alle Menschen, für die wir arbeiten“.

Healthcare sei für Uniqa zwar ein komplett neuer Wirtschaftszweig, es gehe dabei aber genauso wie bei der Versicherung darum, sich um Menschen zu kümmern. Man bleibe also im Bereich der Caring-Industrie. Und Uniqa verfüge seit langem durch das Betreiben und Managen von Privatspitälern über gesundheitsökonomische Kompetenzen.

Ziele auch durch Akquisitionen erreichen

Ziel sei es, in den Ländern, in denen Uniqa tätig ist, möglichst viele Versicherungskunden als Gesundheitsdienstleister zu gewinnen – eigene genauso wie andere: Denn von den 155 Millionen Menschen in diesem Raum sei die große Mehrheit nicht Kunde der Uniqa.

Ein klarer Schwerpunkt liege dabei auf der betrieblichen Gesundheitsvorsorge, die es Unternehmen ermögliche, zu attraktiven Arbeitgebern zu werden. Weiters im Fokus von Mavie befinden sich Prävention, Telemedizin und Pflege.

„Sehr sicher“ würden aber im Lauf der nächsten Jahre weitere Bereiche dazukommen, so Brandstetter. Das Ökosystem Gesundheit soll schrittweise entwickelt werden, so „wie wir es seit 200 Jahren im Bereich der Versicherung tun“.

Dazu gehören auch Zukäufe: Mavie sei eine „Geschichte der Akquisitionen“ mit einem „mosaiksteinartigen Bauplan“ von Kaufen, Verschränken und Konsolidieren. Geprüft werden soll auch, ob Investitionen in Infrastruktur – Spitäler, Reha, Ambulatorien – in Osteuropa sinnvoll sind.

Pflege als Schlüsselherausforderung

Pflege sei für so gut wie alle Staaten heute eine „Schlüsselherausforderung“. In Österreich befindet sich derzeit eine halbe Million Menschen in Betreuung, bis 2050 werde diese Zahl auf 750.000 anwachsen. Dafür seien von heute weg 70.000 zusätzliche Pflegekräfte nötig.

Einer der Schwerpunkte von Mavie liege daher in der Betreuung zuhause. Mit Curadomo sei man Marktführer für die 24-Stunden-Betreuung in Österreich. Geplant sei, weitere Vermittlungsagenturen zuzukaufen, so Brandstetter.

Drängendste Aufgabe sei es, die Betreuungskapazitäten zu sichern. Brandstetter spricht sich deshalb dafür aus, die „Rot-Weiß-Rot-Karte“ die einen Aufenthaltstitel für Drittstaatsangehörige bietet und derzeit nur Angestellten offensteht, „strukturiert“ auch für selbständig tätige Fachkräfte zu öffnen.

Auch ökonomisch sinnvoll

Vom Gesundheitsbereich profitieren soll aber auch der Gesamtkonzern. „Uns wird als Krankenversicherer eine hohe Glaubwürdigkeit zugeschrieben“, sagt Brandstetter. Nun gehe es darum, die Wertschöpfungskette bewusst zu erweitern.

Uniqa habe sogar die Pflicht, sich um das Thema Gesundheit zu kümmern und Resilienz in die Gesellschaft zu bringen – aber nie in Konkurrenz zur öffentlichen Hand, sondern nur zur Ergänzung und Entlastung.

Brandstetter verspricht sich davon auch Synergien mit der Versicherung. Gemäß der Strategie „Growing Impact“ soll der Gesundheitsbereich Ansatzpunkt für mehr Relevanz bei Kunden sein und sich positiv auf Kundenbeziehungen und Kundenloyalität auswirken.

Und natürlich gehe es auch um ökonomische Verantwortung: Man habe das Geschäftsfeld auch betreten, um Renditen zu erwirtschaften. Und als Versicherer habe man Interesse, dass Kunden möglichst lange gesund bleiben, und sie bei einer Krankheit möglichst rasch zu unterstützen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Rückversicherung · Strategie
 
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