Wie die Pensionskassen im ersten Quartal performt haben

11.6.2021 – Die österreichischen Pensionskassen haben im ersten Quartal eine Performance von zwei Prozent erzielt. Einer Analyse des Beratungsunternehmens Mercer zufolge konnten APK und Bonus in zwei Kategorien die höchste Performance erzielen, Valida gewann eine Kategorie. Nicht zufriedenstellend sei die Performance der Vorsorgekassen gewesen; gefordert wird eine Reform, weil die engen Veranlagungsrichtlinien derzeit keine guten Ergebnisse erlauben.

Die Österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat ihren Bericht zum ersten Quartal der heimischen Pensionskassen vorgelegt, die die von der Österreichischen Kontrollbank errechneten Zahlen der fünf überbetrieblichen und der drei betrieblichen Pensionskasse beinhaltet.

Mit einer Performance von 2,0 Prozent haben die überbetrieblichen Pensionskassen demnach besser abgeschnitten als die betrieblichen (1,3 Prozent). Die Gesamtperformance sei bei zwei Prozent gelegen, so die FMA.

Gesamtperformance aller Pensionskassen

Zeitraum

Performance

Zeitraum

Performance

Q1/2021

2,0 %

fünf Jahre

4,2 %

drei Jahre

3,9 %

zehn Jahre

4,2 %

Insgesamt sind per Ende März 997.774 Personen in Österreich im Pensionskassensystem erfasst (+0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal); unter diesen sind 877.941 Anwartschafts- und 119.833 Leistungsberechtigte.

Das verwaltete Vermögen der Pensionskassen stieg gegenüber Ende 2020 um 2,1 Prozent auf 25.506,5 Millionen Euro, was 6,7 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Mit 97,37 Prozent wurde dabei der weitaus überwiegende Teil indirekt über Investmentfonds gehalten.

Vierteljährliche Analyse von Mercer

Eine Analyse der Quartalsergebnisse von überbetrieblichen Pensionskassen und Vorsorgekassen hat das Beratungsunternehmen Mercer Austria GmbH vorgelegt.

Nachdem bei den Pensionskassen im Vorjahr trotz der Corona-Herausforderungen noch eine Gesamtperformance von 2,33 Prozent erzielt wurde (VersicherungsJournal 4.3.2021), sei im ersten Quartal 2021 an die Wertentwicklung zum Jahreswechsel angeknüpft worden.

Durchschnittlich betrug die Gesamtperformance der überbetrieblichen Pensionskassen in den ersten drei Monaten 2,01 Prozent, wobei die Performance bei defensiver Veranlagung mit geringem Aktienanteil am niedrigsten, bei dynamischer Veranlagung mit großem Aktienanteil am höchsten war.

Je zwei Kategorien konnten APK Pensionskasse AG und Bonus Pensionskasse AG für sich entscheiden, eine Kategorie gewann die Valida Pension AG.

Die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien

Welchem Veranlagungstyp eine Veranlagungs- und Risikogemeinschaft (VRG) zugeordnet wird, hängt vom Aktienanteil ab:

? defensiv (Aktienanteil unter 16 Prozent), ? konservativ (Aktienanteil 16 bis unter 24 Prozent). ? ausgewogen (Aktienanteil 24 bis unter 32 Prozent), ? aktiv (Aktienanteil 32 bis unter 40 Prozent), ? dynamisch (Aktienanteil 40 Prozent oder höher).

Performance der Pensionskassen im Q1/2021

Kategorie

Pensionskasse

Veranlagungs-
und Risiko-gemeinschaft

Perfor-mance

defensiv

Bonus Pensionskasse AG

VRG37

1,13 %

VBV-Pensionskasse AG

VRG100/VG165

0,43 %

konser-vativ

APK Pensionskasse AG

VRG1

1,71 %

Bonus Pensionskasse AG

VRG22

1,42 %

Valida Pension AG

VRG40/VG41

1,39 %

ausge-wogen

APK Pensionskasse AG

VRG9

2,58 %

Valida Pension AG

VRG80

2,31 %

Valida Pension AG

VRG40/VG42

2,22 %

aktiv

Valida Pension AG

VRG40/VG43

3,44 %

Bonus Pensionskasse AG

VRG5

2,73 %

Allianz Pensionskasse AG

VRG7

2,39 %

dyna-misch

Bonus Pensionskasse AG

VRG39

3,63 %

APK Pensionskasse AG

VRG19

3,60 %

Allianz Pensionskasse AG

VRG15/3

3,19 %

Gute Konjunkturentwicklung erwartet

Aktien gehörten zu den größten Gewinnern des ersten Quartals, betont Michaela Plank, Expertion für betriebliche Vorsorge und Geschäftsführerin bei Mercer Österreich. Aufgrund der fehlenden Investitionsalternativen sei diese Anlageklasse auch weiterhin attraktiv.

Die Assetklasse Renten verharre dagegen weitestgehend auf niedrigen Niveaus, so Mercer. Zwar würden seit März die Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten ansteigen, es sei aber weiterhin von historisch niedrigen Niveaus auszugehen.

Die Pensionskassen seien deshalb im Bereich Aktien im Vergleich zur strategischen Ausrichtung größtenteils immer noch übergewichtet. Gleichzeitig würden sie den Anteil an Private Markets (nicht börsenotierte Anlagen) erhöhen, um der noch länger dauernden Niedrigzinsphase entgegenzuwirken.

Die Rahmenbedingungen für eine gute Konjunkturentwicklung seien für die nächsten Monate günstig, heißt es in der Presseinformation von Mercer. Die Entwicklung der Kapitalmärkte sei allerdings stark von den amerikanischen Notenbanken abhängig.

Rahmenbedingungen bremsen Vorsorgekassen

Auch die Vorsorgekassen hätten im ersten Quartal ein „akzeptables Ergebnis“ erwirtschaftet, so Mercer. Die Gesamtperformance aller Vorsorgekassen lag bei 0,95 Prozent, sei aber aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen „keineswegs zufriedenstellend“.

Mit einer Veranlagungsstrategie, die einen höheren Aktienanteil umfasst, hat die APK Vorsorgekasse AG in den ersten drei Monaten eine Performance von 1,19 Prozent erwirtschaftet.

Dahinter rangieren mit der marktüblichen defensiven Veranlagung BUAK Betriebliche Vorsorgekasse GmbH (1,11 Prozent), Fair-finance Vorsorgekasse AG (1,07 Prozent) sowie Valida VG2 (1,04 Prozent).

Mercer fordert Reform

Betriebliche Vorsorgekassen müssen eine Kapitalgarantie gewähren. Diese hemme durch die risikoaverse Veranlagung aber langfristig gute Performanceergebnisse und stelle die Vorsorgekassen im aktuellen Niedrigzinsumfeld vor gewisse Herausforderungen, so Mercer.

Gefordert werden deshalb die Erhöhung der Behaltedauer von drei auf zehn Jahre, eine Ausweitung der Veranlagungsgrenzen und ein optionaler Verzicht auf die Garantie. Eine Simulation zeige, dass die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen bei gleichem Risiko einen höheren Performancebeitrag liefere.

Dabei stehe nicht die Ausweitung der Aktienquote im Vordergrund, sondern die Erweiterung der Private Markets und der Immobilien, um einen Ausgleich des nicht vorhandenen Performancebeitrags der Anleihen zu generieren.

Kritisiert wird von Mercer auch, dass derzeit das Thema Nachhaltigkeit im Betrieblichen Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz keinerlei Erwähnung findet.

Zustimmung von Fair Finance

Durch die eng gefassten gesetzlichen Rahmenbedingungen komme es derzeit de facto zu einer tatsächlichen Einschränkung der Rendite für Vorsorgekassen, betont auch Markus Zeilinger, Vorstandsvorsitzender der Fair-finance Vorsorgekasse.

Obwohl sich der Kapitalmarkt seit Einführung der „Abfertigung Neu“ im Jahr 2002 massiv geändert habe, seien die gesetzlichen Veranlagungsgrenzen für Vorsorgekassen nicht angepasst worden. Sie seien de facto gezwungen, den Großteil der Gelder in Anleihen zu veranlagen, obwohl mit diesen nur eine Negativrendite erwirtschaftet werden könne.

Zeilinger wünscht sich deshalb eine Ausweitung der Veranlagungsgrenzen für Immobilien von derzeit zehn auf 25 Prozent sowie eine Erhöhung der Quote für Alternatives wie Private Debt, Private Equity, Mikrofinanz oder Infrastruktur von derzeit fünf auf 15 Prozent.

Weiterführende Informationen

Der Quartalsbericht Q1 2021 kann als PDF-Dokument (803 KB) von der FMA-Website heruntergeladen werden.

 
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