Vom Umgang der Unternehmen mit dem Wissen älterer Mitarbeiter

4.10.2019 – Acht von zehn Unternehmen schätzen das Know-how älterer Mitarbeiter. Vor allem Führungskräfte mit längerer Führungserfahrung sowie Kleinunternehmen setzen auf das Wissen der älteren Generation. Wichtigste Methoden, um das Know-how zu bewahren, sind der informelle Austausch mit jüngeren Kollegen sowie regelmäßige Meetings.

In einer Studie der Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung KG für den Management-Report des Hernstein Instituts für Management und Leadership der Wirtschaftskammer Wien ging es unter anderem um die Frage, wie Unternehmen mit dem Wissen der älteren Generation umgehen.

Dazu wurden im April dieses Jahres 1.530 Führungskräfte und Unternehmer online befragt, unter ihnen 586 aus Österreich und 944 aus Deutschland.

Ein klares Bekenntnis von Führungskräften, Mitarbeitende auch gegen Ende ihrer Karriere zu integrieren und ihre Erfahrungen zu nutzen, ortet das Hernstein Institut in den Ergebnissen der Studie.

Mehr Wertschätzung in Kleinbetrieben

Kleinere Unternehmen schätzen Know-how mehr (Grafik: Hernstein Institut)
Kleinere Unternehmen schätzen Know-how mehr
Grafik: Hernstein). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

33 Prozent der befragten Führungskräfte sind davon überzeugt, dass das Know-how älterer Mitarbeiter in ihrem Unternehmen „sehr“ geschätzt wird. 48 Prozent sind der Meinung, es werde „eher“ geschätzt. Nur vier Prozent glauben, dass nicht auf deren Wissen gesetzt werde.

Starke Unterschiede macht die Studie abhängig von der Unternehmensgröße der Befragten aus. Dies sei vermutlich auf die höhere Fluktuation und Dynamik in der Personalstruktur in Großbetrieben zurückzuführen.

Vor allem für Kleinunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern sind ältere Mitarbeiter wichtig: 46 Prozent der Führungskräfte in diesen Betrieben schätzen deren Know-how sehr, in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten sagen das nur 25 Prozent.

Abhängig von Führungsebene und Erfahrung

Vor allem vom oberen Management kommt Wertschätzung für das Know-how älterer Mitarbeiter. Während dieses im unteren Management nur von 27 Prozent der Führungskräfte sehr geschätzt wird, sind es auf der höheren Ebene 39 Prozent.

Studienteilnehmer, die über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung verfügen, glauben zu 43 Prozent, dass das Know-how älterer Mitarbeiter sehr geschätzt werde. Dies sei besonders aussagekräftig, weil viele in dieser Gruppe selbst der älteren Generation zuzurechnen seien und damit auch ihre eigene Wahrnehmung einbringen.

Von den jüngeren Führungskräften mit maximal drei Jahren Führungserfahrung sehen dagegen nur 32 Prozent eine hohe Wertschätzung älterer Mitarbeiter.

Welche Branchen das Wissen bewahren

Rund jedes dritte Unternehmen hat laut Studie Maßnahmen gesetzt, um sich das Know-how älterer Dienstnehmer längerfristig zu sichern, insbesondere, wenn diese vor dem Pensionsantritt stehen.

Spitzenreiter ist die IT- und Telekommunikationsbranche, in der 40 Prozent derartige Maßnahmen ergriffen haben. Mit jeweils knapp einem Drittel folgen die Branchen Finanz/Banken/Versicherungen, Industrie und produzierendes Gewerbe sowie Dienstleistungen.

Schlusslicht ist das Sozial- und Gesundheitswesen, in dem nur jedes fünfte Unternehmen Maßnahmen ergriffen hat, um das Wissen der älteren Generation zu bewahren.

Wie das Know-how gesichert wird

Maßnahmen zum Wissenstransfer (Grafik: Hernstein Institut)
Maßnahmen zum Wissenstransfer (Grafik:
Hernstein). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Häufigster Weg zur Wahrung des Know-hows ist laut Studie der informelle Austausch zwischen älteren Mitarbeitern und ihren jüngeren Kollegen. 21 Prozent der Unternehmen haben diesen als Maßnahme umgesetzt, weitere 42 Prozent halten ihn in ihrem Unternehmen für möglich.

Allerdings seien bei dieser Methode Steuerbarkeit und Effektivität begrenzt, warnt das Hernstein Institut. Während sie in den meisten Branchen stark verbreitet ist, werde sie in der Finanzbranche nur von 13 Prozent der Unternehmen eingesetzt. Grund dafür dürfte die starke Regulierung der Branche sein.

Planbarkeit und Kontrolle seien bei der am zweithäufigsten genannten Maßnahme besser gegeben: dem Wissenstransfer in regelmäßigen Meetings. Vor allem die Finanzbranche setze auf diese Methode.

Geringe Unterschiede zwischen den Unternehmensgrößen hat die Studie bei der Frage nach den Methoden ergeben. Die Weitergabe von Erfahrungen und Know-how scheine weniger eine Frage der Größe und Strukturen, sondern eine der Unternehmensführung und der unternehmenspolitischen Grundsätze zu sein, resümiert das Hernstein Institut.

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Gesundheitsreform · Mitarbeiter
 
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