Wie die Österreicher ihre Work-Life-Balance sehen

4.2.2019 – Eine zunehmend engere Verknüpfung von Beruf und Privatleben konstatiert der belgische HR-Dienstleister SD Worx. Die Mehrheit der Österreicher denkt auch zuhause noch an die Firma, ein Drittel liest in der Freizeit berufliche E-Mails. Dennoch sind die meisten mit der ihnen gebotenen Flexibilität zufrieden und glauben, über eine gute Work-Life-Balance zu verfügen. Hier ist Österreich sogar Spitzenreiter in einem Fünf-Länder-Vergleich.

SD Worx, ein belgischer Dienstleister im Bereich Human Resources, hat im Herbst des Vorjahres in einer Umfrage hundert arbeitsbezogene Aspekte erhoben, die für Zufriedenheit, Motivation, Beteiligung und Engagement von Mitarbeitern relevant sind.

Die Studie wird seit 2009 jährlich in Belgien erstellt, 2017 wurde sie auf Österreich sowie Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien ausgeweitet. In Belgien wurden 2.500, in den übrigen vier Ländern je 500 Arbeitnehmer befragt.

Laut SD Worx ist die Umfrage repräsentativ für die spezifischen lokalen Arbeitsmärkte. Ihre Zusammensetzung stimme bezüglich Status, Geschlecht, Region, Arbeitsmodell, Sprache, Bildungsgrad und Unternehmensgröße mit der Erwerbsbevölkerung des jeweiligen Landes überein.

Arbeit in der Freizeit

Mehr als die Hälfte der befragten Österreicher, nämlich 53 Prozent, denkt auch in ihrer Freizeit an die Arbeit. Im Durchschnitt der fünf Länder waren es mit 55 Prozent sogar noch etwas mehr.

Unter den heimischen Arbeitnehmern lesen 32 Prozent berufliche E-Mails oft auch in der Freizeit, so die Studie. Knapp mehr als ein Viertel (26 Prozent) arbeitet regelmäßig auch nach Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub.

Das ist deutlich weniger als im Gesamtschnitt, wo die entsprechenden Werte bei 37 bzw. 31 Prozent liegen.

72 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass sie Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren können. In Österreich sind es allerdings nur 62 Prozent.

Österreichs Arbeitgeber sind flexibel

Für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sei vor allem die vom Arbeitgeber eingeräumte Flexibilität, was die zeitliche Gestaltung der Arbeit betrifft, entscheidend, so SD Worx.

In Österreich zeigen sich 83 Prozent der Befragten in dieser Beziehung mit ihrem Arbeitgeber zufrieden, knapp mehr als im Durchschnitt (82 Prozent). Als „sehr flexibel“ empfinden 37 Prozent der heimischen Arbeitnehmer ihren Chef. Das ist der höchste Wert aller Länder, im Durchschnitt aller Befragten waren es 28 Prozent.

85 Prozent der heimischen Arbeitnehmer können laut Studie erheblich bei der Wahl ihres Urlaubszeitraums mitbestimmen, auch hier liegt Österreich an erster Stelle; unter allen Befragten waren es 81 Prozent.

Ebenfalls überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer glauben hierzulande, dass ihnen ihr Arbeitgeber bezüglich des Arbeitsortes entgegenkommt: 61 Prozent gegenüber 59 Prozent in der Gesamtstudie.

Gute Work-Life-Balance

Die Studienautoren betonen, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Flexibilität am Arbeitsplatz und einer guten Work-Life-Balance gebe.

Über Flexibilität bei der Arbeit und gleichzeitig eine gute Work-Life-Balance zu verfügen, gaben 60 Prozent der Österreicher an; dies ist unter allen fünf Ländern der höchste Wert. An zweiter Stelle liegt bei dieser Frage Großbritannien mit 57 Prozent, an letzter Stelle Frankreich mit 39 Prozent.

Während aber die gute Balance zwischen Job und Freizeit nur bei 80 Prozent der befragten Österreicher auch zu hoher Zufriedenheit führt, sind das im Gesamtschnitt 87 Prozent. Unter denjenigen, die nicht das Gefühl haben, dass Beruf und Freizeit im Gleichgewicht sind, fühlen sich nur 23 Prozent der Österreicher (21 Prozent gesamt) zufrieden.

Auswirkungen auf das Berufsleben

Wer über eine gute Work-Life-Balance verfügt, engagiert sich auch mehr und ist weniger daran interessiert, seinen Arbeitgeber zu wechseln, so das Ergebnis der Studie.

90 Prozent der Österreicher und 86 Prozent aller Befragten, die für sich eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit empfinden, sind zu hohem Engagement in ihrem Unternehmen bereit. Wo die Balance nicht stimmt, sind es hierzulande nur 27 Prozent (gesamt 30 Prozent).

Gute Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben bindet Menschen laut Studie auch eher an Unternehmen. Unter ihnen wollen in Österreich nur vier Prozent (gesamt: zehn Prozent) den Arbeitgeber wechseln, unter den Unzufriedenen 13 Prozent (gesamt: 19 Prozent).

Fazit

Die Studie zeige, dass Beruf und Privatleben immer enger miteinander verknüpft sind, so SD Worx. So sei es heute üblich, E-Mails gelegentlich auch im Urlaub abzurufen; dies müsse aber eine persönliche Entscheidung bleiben.

Wie die Studie zeige, würden viele Arbeitnehmer damit kein Problem haben, letztendlich sei aber eine gute Balance wichtig. Mehr Flexibilität nütze sowohl den Unternehmen als auch den Arbeitnehmern. Es sei deshalb wichtig, „durch geeignete Maßnahmen gute Arbeit im Sinne aller Beteiligten zu fördern“.

Angesichts der Debatten um das Arbeitszeitgesetz und das Arbeitsruhegesetz überrasche die Zufriedenheit der Österreicher mit ihrer Work-Life-Balance und den Angeboten der Arbeitnehmer, so SD Worx abschließend.

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Marktforschung · Mitarbeiter · Motivation
 
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