13 drohende Risiken der nächsten Jahre

13.6.2024 – Welche Risiken und Gefahren für Gesellschaft und Versicherungsbranche sich in den kommenden Jahren verstärkt auftun könnten, hat Swiss Re in einem neuen Bericht analysiert. (Bild: Swiss Re Institute)

Einen Blick in die Zukunft der Risiken hat Swiss Re auch heuer wieder unternommen. Am Mittwoch hat der Rückversicherer den diesjährigen, mittlerweile zwölften „Sonar“-Bericht veröffentlicht.

Darin untersucht das Swiss Re Institute (SRI) sogenannte „emerging risks“. Damit sind Risiken gemeint, die drei Merkmale aufweisen: Sie entwickeln sich neu oder verändern sich, sind schwer zu quantifizieren und könnten größere Auswirkungen auf Gesellschaft und Versicherungen haben.

„Für Rück-/Versicherer ist es wichtig, Trends vorherzusehen und zu verstehen, wie sich große globale Probleme wie Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheit oder geopolitische Turbulenzen nicht nur auf die eigene Branche, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt auswirken könnten“, sagt Patrick Raaflaub, Group Chief Risk Officer von Swiss Re.

„Wir leben in einer Welt voller Krisen, die alle zusammenhängen und durch die wiederum neue Risiken entstehen können.“

Patrick Raaflaub, Group Chief Risk Officer von Swiss Re

In der aktuellen Ausgabe formuliert das SRI 13 solcher Risiken. Wie üblich, sind sie nach den Auswirkungen – „hoch“, „mittel“ und „niedrig“ – sowie dem Zeithorizont ihres Auftretens – innerhalb der nächsten drei Jahre oder später – sortiert. Zwei Risiken schreibt das SRI zu, kurzfristig auftreten und dabei große Auswirkungen entfalten zu können.

Risiken für die Grundversorgung in extremen Klimaszenarien

Patrick Raaflaub, Group Chief Risk Officer (Bild: Swiss Re)
Patrick Raaflaub,
Group Chief Risk
Officer (Bild: Swiss Re)

Das eine hängt mit einem altbekannten Problem, nämlich Naturkatastrophen, zusammen. Überschwemmungen, Brände und Stürme und andere Naturkatastrophen verursachen regelmäßig massive Schäden, so der Bericht.

Weniger im öffentlichen Scheinwerferlicht und weniger verstanden seien aber damit zusammenhängende „Kaskadeneffekte“, die jene Systeme in Mitleidenschaft ziehen, auf denen die Gesellschaft aufbaut.

„Waldbrände können sich auf die Wasserinfrastruktur auswirken, indem sie Wasserquellen verunreinigen oder die Wasserversorgung unterbrechen. Überschwemmungen und Stürme können Stromnetze beschädigen und Verkehrsnetze stören. Wenn Stromausfälle ganze Fertigungslinien lahmgelegen, steht die Produktion still, Material verdirbt und Lieferungen verspäten sich“, illustriert das SRI.

„Sobald kritische Infrastruktur und Lieferketten betroffen sind, können die Schadenssummen immens werden.“

Die vielschichtigen Folgen der vielschichtigen KI-Nutzung

Sonar-Report (Cover; Quelle: Swiss Re Institute)
Der Sonar-Report 2024
(Cover; Quelle: Swiss Re Institute)

Das andere kurzfristige Risiko mit großen Auswirkungen hat mit der künstlichen Intelligenz (KI) zu tun. Deren zunehmender Einsatz könnte Deckungsansprüche in mehreren Versicherungssparten nach sich ziehen.

Dabei könnte es beispielsweise um Produkthaftung bei Produkten mit integrierter KI gehen, um Betriebsunterbrechungen aufgrund von KI-Fehlfunktionen oder um Urheberrechts- und Patentverletzungen.

„Versicherer werden ein Verständnis von beabsichtigten und unbeabsichtigten Auswirkungen entwickeln und Produkte entwerfen müssen, die die Risiken mindern“, folgert das SRI.

Elf weitere Risiken

In dem Risikoraster finden sich dann noch elf weitere Themen.

Unter anderem spricht das SRI von „der volatileren geopolitischen Lage, der Zunahme von Extremwetterereignissen, der wirtschaftlichen Ungewissheit“ und von erhöhten Cyber- und Technologierisiken, aufgrund derer „wichtige Transportrouten rund um den Globus unsicherer werden“ dürften.

Klimawandel und Lieferkettenprobleme wirkten sich auch auf die Infrastruktur des Gesundheitswesens aus, „das überdies permanent unterfinanziert ist“.

Ein „robustes“ Gesundheitssystem brauche Ausgaben in Höhe 7 bis 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 132 Länder lägen jedoch unter dieser Schwelle. Ein geschwächtes Gesundheitswesen bedeute für die Gesellschaft aber ein erhöhtes Risiko.

13 mögliche Risikofelder der näheren und ferneren Zukunft und der Zeithorizont für ihr Auftreten

Möglicher Grad der Auswir- kungen

Zeithorizont

0 bis 3 Jahre

mehr als 3 Jahre

hoch



  • Kaskadeneffekte auf Infrastruktur und Grundversorgung im Gefolge der „eigentlichen“ Naturkatastrophenschäden
  • Auswirkungen der Nutzung künstlicher Intelligenz auf Schadengeschehen und die Gestaltung des Versicherungsschutzes

mittel



  • Unterfinanzierung öffentlicher Gesundheitssysteme und Folgen für Erkrankungen, Sterblichkeit und BIP
  • Schwächer werdende Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten gegen Betriebsunterbrechung
  • Risiken, die durch die verbreitete Nutzung und somit Abhängigkeit von „Big tech“-Anwendungen entstehen
  • Fehlinvestments aufgrund von Informationsflut oder Fehlinformation in sozialen Medien
  • Cyberbetrug, eine „neue Ära“ der organisierten Kriminalität
  • Klimawandel als eine sich entwickelnde Bedrohung für die internationale Sicherheit

niedrig



  • Risiken der Nutzung mikrodosierter Drogen oder der „Verstärkung“ verschreibungspflichtiger Medikamente, mit denen Konzentration und Produktivität am Arbeitsplatz gesteigert werden sollen
  • Soziale Isolation und Einsamkeit als zunehmendes Gesundheitsproblem
  • Knapp werdender Platz, Wettbewerb um Raum für Infrastruktur und Installationen an Land und auf/unter See: Betriebsunterbrechungsrisiko und Risiken für die nationale Sicherheit können sich akkumulieren.
  • Tiefseebergbau: unbekannte Faktoren und potenzielle Risiken in einer neu entstehenden Industrie
  • Probleme im Zusammenhang mit dem Recycling von Solarpanelen, Windturbinen, Batterien und anderer Infrastruktur der Energiewende

Drei „Trend-Spotlights“

Neben den genannten 13 Gefahrenzonen hat das Swiss Re Institute noch drei weitere Bereiche unter die Lupe genommen.

Erstens: „Femtech“. In den USA seien Investments in Unternehmen, die sich auf (personalisierte) Gesundheitsversorgung von Frauen spezialisieren, gestiegen. Da bei solchen Anwendungen sensible Daten geteilt werden können, macht das SRI auf Aspekte des Datenschutzes und der Datensicherheit aufmerksam.

Zweitens: „Versicherungsfairness“. Entwicklungen wie Klimawandel und Digitalisierung verändern die Risikopools und können die Gestaltung traditioneller Versicherungsprodukte in Frage stellen, so das SRI. Risikoadäquates Pricing könnte die Leistbarkeit von Versicherungen beeinträchtigen und Fragen der Fairness aufwerfen.

Drittens: Innovationen in der Nukleartechnologie hätten das Potenzial, „sichere Energie für alle“ zur Verfügung zu stellen. Allerdings sei der Aufbau solcher neuen Technologien im großen Maßstab – insbesondere sogenannter „kleiner modularer Reaktoren“ – mit Herausforderungen verbunden, die internationale Zusammenarbeit und politische Weitsicht erforderten.

Zum Herunterladen

Das Sonar kann als PDF-Dokument von der Website des Swiss Re Institute heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Elementarschaden · Gesundheitsreform · Unwetter
 
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