Allianz: Fragen und Forderungen zum automatisierten Fahren

23.9.2021 – Die Unfallaufklärung wird sich im automatisierten Straßenverkehr verstärkt auf Sensordaten stützen, sagt die Allianz und plädiert dafür, aus Gründen des Datenschutzes einen europäischen Datentreuhänder einzusetzen. Im Übrigen brauche auch der Fahrzeughalter bei einem Unfall Versicherungsschutz im autonomen Kfz. Hier sei noch die Frage der Haftung offen.

Der Allianz-Konzern hat am Mittwoch seinen neunten „Autotag“ abgehalten. Im Mittelpunkt stand das Thema „automatisiertes und führerloses Fahren“, wie das Unternehmen mitteilt. Diese neue Art der Mobilität werde „schon in den kommenden Jahren“ auf Europas Straßen Wirklichkeit werden.

„Autonomes Fahren ist keine Zukunftsvision. Es ist Realität und hat erhebliche Auswirkungen auf den Kfz-Markt – und damit auch auf uns als Versicherer“, sagt Christoph Marek, Vorstand Versicherungstechnik der Allianz in Österreich.

Wenn entsprechende gesetzliche Regelungen für autonomes Fahren in Österreich getroffen sind, werde die Allianz auch autonomen Fahrzeugen und der technischen Aufsicht Versicherungsschutz gewähren, heißt es in der Aussendung.

Europäische Harmonisierung nötig

Neue Mobilitätskonzepte müssen länderübergreifend ausgerichtet sein, betont man bei der Allianz. Straßen und Regeln müssten europaweit „fit“ für autonomes Fahren gemacht werden, sagt Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied der Allianz SE.

„Hierfür sehen wir die Notwendigkeit einer europäischen Harmonisierung. Denn bei einem Grenzübertritt müssen diese Autos nicht nur Beschilderungen und Markierungen erkennen und Verkehrsregeln einhalten, sondern es muss auch klar sein, wer haftet, wenn ein Unfall passiert“, so Röhler.

Unabhängiger Datentreuhänder gefordert

Unfälle erwartet die Allianz auch in Zukunft – wegen der Neuheit der Technik und des Mischverkehrs zwischen automatisierten und anderen Fahrzeugen. Zur Aufklärung von Unfällen werde man künftig verstärkt Sensordaten wie Radar, Lidar und Kameraaufzeichnungen benötigen.

„Zum Schutz der personenbezogenen Daten verlangt die Allianz einen europaweiten, unabhängigen Datentreuhänder, der prüft, ob ein berechtigtes Interesse an der Unfallaufklärung besteht, und die erforderlichen Daten mittels eines standardisierten und diskriminierungsfreien Datenzugangs den Berechtigten zur Verfügung stellt“, hält der Konzern fest.

In anonymisierter Form sollten diese Daten auch der Unfallforschung und der Automobilindustrie zugänglich sein, damit Fehler schnell korrigiert und die Systeme verbessert werden können, so die Allianz.

Frage der Haftung bei Unfall des Besitzers

Offen sei derzeit die Frage der Haftung, wenn der Halter eines automatisiert fahrenden Fahrzeuges selbst bei einem Unfall verletzt wird.

„Da er nach aktueller Rechtslage keine Ansprüche gegen sich selbst stellen kann, bliebe ihm nur ein eventueller Anspruch aus dem Produkthaftungsrecht gegen den Hersteller“, so der Versicherer.

Auch der Kfz-Halter müsse in seinem Fahrzeug bei Fahrten im automatisierten Modus rechtlich geschützt sein, wenn er den Unfall nicht durch einen eigenen Fehler, beispielsweise die Missachtung einer Fehlermeldung, mitverursacht hat.

 
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