29.1.2026 – „Collection Complexity Score 2026“: Mit dieser Maßzahl beschreibt Allianz Trade die Komplexität der Forderungseinbringung. In einer aktuellen Analyse wird er mit 47,2 Punkten angegeben – und liegt damit weiterhin hoch. Österreich gehört mit 33 Punkten zu den Ländern mit dem besten Zahlungsumfeld.

Allianz Trade hat in einem neuen Bericht die Durchsetzung von Forderungen analysiert. Er bezieht sich auf 52 Länder der Welt, die den Angaben zufolge 90 Prozent des globalen BIP und des Welthandels ausmachen.
Als Maß für die Komplexität der Durchsetzung internationaler offener Forderungen wird der „Allianz Trade Collection Complexity Score“ verwendet. Er wird auf einer Skala von 0 (geringste Komplexität) bis 100 (höchste Komplexität) angegeben.
Der Score basiert auf Expertenmeinungen und objektiven Indikatoren aus drei Bereichen: lokale Zahlungspraxis, lokale gerichtliche Verfahren und lokale Insolvenzverfahren.
Der Score unterscheidet vier Risikostufen: „beachtlich“ (unter 40 Punkte), „hoch“ (40 bis 50), „sehr hoch“ (50 bis 60) und „extrem“ (über 60). Der globale Durchschnitt wird mit 47,2 Punkten als weiterhin „hoch“ angegeben.
Die niedrigsten Scores weisen Deutschland und die Niederlande (jeweils 30) sowie Portugal (32), Österreich und die Schweiz (jeweils 33) auf. Die höchsten Werte werden für Saudi-Arabien (86), Mexiko (75) und die Vereinigten Arabischen Emirate (71) ausgewiesen.
Rund 48 Prozent der internationalen Handelsforderungen entfallen auf Länder mit sehr hoher oder extremer Inkassokomplexität, stellt Allianz-Trade-Tochter Acredia fest. In absoluten Zahlen entspreche dies 1,1 Billionen US-Dollar.
„Gleichzeitig hat sich die Risikostruktur verschoben: Der Anteil der Länder mit extremer Inkassokomplexität ging geringfügig zurück (15 Prozent nach 16 Prozent), ebenso jener mit sehr hoher Komplexität (21 Prozent nach 29 Prozent).“ Demgegenüber sei der Anteil der Länder mit hoher sowie beachtlicher Komplexität gestiegen.
Für österreichische Unternehmen biete das heimische Umfeld grundsätzlich stabile Rahmenbedingungen für den Forderungseinzug, stellt Acredia fest.
Das Zahlungsverhalten sei „insgesamt verlässlich, und der europäische Rechtsrahmen stellt wirksame Instrumente bei Zahlungsverzug zur Verfügung“. Auch das österreichische Gerichtssystem gelte als effizient und zuverlässig.
In der Praxis seien außergerichtliche Maßnahmen häufig der effektivste Weg, um offene Forderungen zeitnah einzubringen.

Der Forderungseinzug bleibe „anspruchsvoll“, so die Acredia. Sie zählt mehrere Faktoren auf, die die Komplexität „nachhaltig“ erhöhen.
Darunter: anhaltend hohe Insolvenzzahlen, eine zunehmende Fragmentierung des Welthandels, veränderte Handelsströme, volatiler Protektionismus, geopolitische Spannungen sowie wachsende digitale Risiken seien Faktoren. Das gelte insbesondere für international tätige Unternehmen.
So betont auch Acredia-Vorstandsmitglied Gudrun Meierschitz, dass der Forderungseinzug für Unternehmen international herausfordernd bleibe: „Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, lokale Zahlungsgepflogenheiten und hohe Insolvenzzahlen erhöhen vor allem im internationalen Geschäft das Ausfallrisiko.“
Ein strukturiertes Kredit- und Forderungsmanagement sowie die laufende Bewertung von Länderrisiken seien daher geboten.
Im Zuge der Neuausrichtung globaler Handelsströme, so Acredia, gewinnen neue Handels- und Produktionszentren – sogenannte „Next Generation Trade Hubs“ – an Bedeutung. „Viele dieser Märkte weisen jedoch eine sehr hohe bis extreme Inkassokomplexität auf.“
Für Unternehmen bedeute dies, internationale Geschäftsbeziehungen „noch selektiver“ zu gestalten und Risiken frühzeitig und gezielt abzusichern.
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