Atradius ortet Veränderungen bei Betrugsversuchen

10.6.2021 – Der Kreditversicherer registrierte in Österreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz zuletzt eine höhere Zahl verdächtiger Bestellungen. Häufigste Betrugsform sei der Stoßbetrug. Im Auslandsgeschäft sei vor allem der Identitätsbetrug auf dem Vormarsch.

Kreditversicherer Atradius sieht nach rund eineinhalb Jahren Corona Veränderungen bei Betrugsversuchen im Firmengeschäft.

Der Ausbruch der Pandemie habe „den Aktionsradius der Betrüger zunächst stark eingeschränkt“, sagt Franz Maier, bei Atradius Generaldirektor für Österreich, Ungarn und Südosteuropa. „Bis zum Sommer 2020 haben wir einen Rückgang von betrugsverdächtigen Anfragen gehabt.“

Frequenz auffälliger Geschäfte wieder höher

Mittlerweile sei die Frequenz auffälliger Geschäfte in Österreich, der Schweiz und den Balkanländern höher als vor Corona.

„In Österreich und in der Schweiz fällt uns derzeit etwa einmal pro Woche ein Abnehmer mit einer potenziell verdächtigen Bestellung auf.“ Auch in Deutschland sind die Betrugsaktivitäten laut Maier inzwischen wieder auf Vorkrisenniveau.

„Unternehmen sollten jetzt ihre Due-Diligence-Maßnahmen sorgfältig aufstellen, so dass sie auch dann funktionieren, wenn am Ende der Pandemie ein wirtschaftlicher Nachholeffekt einsetzt und die Aufträge sprunghaft ansteigen“, rät Maier.

„Sonst könnte auf die Euphorie schnell Ernüchterung folgen, wenn das eigene Unternehmen in Liquiditätsengpässe gerät, weil es einen betrügerischen Auftraggeber zu spät identifiziert hat.“

Mehr sonderbare Bestellungen im Metall- und Baubereich

Häufigste Betrugsform sei immer noch der sogenannte Stoßbetrug, führt Atradius aus: Waren werden auf Rechnung bestellt, allerdings ohne die Absicht, jemals dafür (vollständig) zu bezahlen.

„Fragen die Lieferanten einige Zeit nach Auslieferung dann nach dem Zahlungseingang, sind die Strippenzieher bereits verschwunden.“

Am häufigsten von diesem Betrugsmuster betroffen sei der Lebensmittelsektor, insbesondere Händler von hochwertigem Fleisch und Fisch, zudem Anbieter von Obst und Gemüse.

Zuletzt habe es vermehrt Betrugsversuche bei Baumaterialien sowie bei Metallen gegeben. „Seit Sommer vergangenen Jahres haben sich die verdächtigen Bestellungen bei hochwertigen Metallen wie zum Beispiel Kupfer gemehrt“, sagt Maier.

Vorsichtig walten lassen

Maier rät österreichischen Lieferanten und Dienstleistern generell zur Vorsicht, „wenn eine Lieferung an einen noch unbekannten Kunden ins angrenzende Ausland geliefert werden soll, der Abnehmer eine C/o-Adresse hat, er zuletzt häufiger die Anschrift gewechselt hat oder aus einer Branche bestellt wird, für die die eigene Ware eigentlich überhaupt nicht geeignet ist.“

Verdächtig sei es auch, wenn ein Abnehmer innerhalb kürzester Zeit viele Bestellungen bei verschiedenen Lieferanten aufgibt.

Starke Zunahme bei Identitätsbetrugsversuchen im Ausland

Atradius weist auch auf das Geschehen in anderen Ländern hin, dort sei ebenfalls eine starke Zunahme sogenannter Identitätsbetrugsversuche zu beobachten.

Hierbei würden beispielsweise Firmenkontaktdaten in einer E-Mail-Signatur sowie Mail-Adressen gefälscht. So geben sich die Betrüger dann etwa als Mitarbeiter großer Handelskonzerne aus und tätigen unter deren Namen Bestellungen. Nach der Auslieferung der Waren erlischt der Kontakt aber.

„Auffallend oft“ seien Identitätsbetrugsmaschen zuletzt in Großbritannien zu beobachten gewesen, berichtet Atradius. Die potenzielle Schadensumme sei dabei erheblich gestiegen.

„Spielten sich die Identitätsbetrugsbestellungen vor rund zehn Jahren noch im Bereich von rund 10.000 Euro ab, hat sich diese Summe kontinuierlich erhöht und kann mittlerweile auch im mittleren sechsstelligen Eurobereich liegen.“

Vor allem Handel betroffen, Ausbreitung in anderen Branchen

Laut Maier hat der Identitätsbetrug während Corona „mit am stärksten zugenommen“. Gerade ausländische Lieferanten seien häufig Ziel der Betrüger, „da sie sprachliche Auffälligkeiten in E-Mails in vielen Fällen nicht sofort erkennen“.

Am meisten betroffen seien mittelständische Lieferanten im Handelsbereich. Das Betrugsmuster verbreite sich aber auch in der IT-Branche oder im Baubereich immer mehr. „Wir empfehlen Lieferanten daher, neue Kunden bzw. Bestellungen immer direkt zu kontaktieren bzw. ihre Echtheit zu überprüfen.“

In den Niederlanden würden von Betrügern oft die Namen ehemaliger Unternehmen missbräuchlich genutzt, stellt der Kreditversicherer weiters fest. Häufig betroffen seien der Handel mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern sowie Produkte der Baubranche. In Belgien sei ähnlich wie in Deutschland der Stoßbetrug weit verbreitet.

Atradius: „Lieferanten sollten Abnehmer bei häufigen Adressänderungen beziehungsweise Umzügen sowie Änderungen im Management nochmals prüfen lassen.“

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