28.5.2026 – Vier von fünf Unternehmen geben in einer Atradius-Umfrage an, dass Geschäftskunden verspätet bezahlen. Rund die Hälfte spricht von kleiner werdenden Liquiditätsspielräumen, ein knappes Viertel von größer werdendem externem Finanzierungsbedarf. Liquiditäts- und Risikomanagement gewinne an Bedeutung, folgert Atradius.
Kreditversicherer Atradius hat Ergebnisse aus dem österreichischen „Zahlungsmoralbarometer 2026“ veröffentlicht. Für dieses wurden Ende des ersten und Anfang des zweiten Quartals 210 Unternehmen zum Zahlungsverhalten im B2B-Geschäft befragt.
Zu den Befragten gehören Unternehmen unterschiedlichster Größenordnung aus den Sektoren Dienstleistungen, Industrie, Bau und Handel.
„Viele Unternehmen bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld aus hoher Kostenbelastung, zurückhaltender Nachfrage und zunehmenden Risiken im Zahlungsverhalten.“
So skizziert Franz Maier, General Manager von Atradius Österreich, Ungarn und Südosteuropa, die Großwetterlage.
84 Prozent berichten von verspäteten Zahlungen ihrer Geschäftskunden. Bei jedem zweiten Unternehmen sind inzwischen bis zu 30 Prozent aller Rechnungen überfällig.
Weitere 24 Prozent berichten sogar von verspäteten Zahlungen bei bis zu 60 Prozent ihrer Forderungen.
Zehn Prozent sehen sich mit uneinbringlichen Forderungen von mehr als fünf Prozent ihres fakturierten B2B-Umsatzes konfrontiert.
Was sind die wichtigsten Ursachen, warum Geschäftskunden Rechnungen verspätet bezahlen?
Die Folgen: 46 Prozent sprechen von schrumpfenden Liquiditätsspielräumen, 23 Prozent von wachsendem externem Finanzierungsbedarf. „Verspätete Zahlungen und Forderungsausfälle treffen viele Betriebe in einer Phase, in der ihre finanziellen Puffer ohnehin kleiner werden“, stellt Maier fest.
48 Prozent aller B2B-Verkäufe in Österreich werden inzwischen auf Kreditbasis abgewickelt, führt Atradius ein weiteres Umfrageergebnis an. Vor allem Industrieunternehmen nutzten Warenkredite stärker, um steigende Finanzierungskosten und Liquiditätsengpässe abzufedern.
Gleichzeitig setzten österreichische Unternehmen im europäischen Vergleich auf eher kurze Zahlungsziele: Die meisten Rechnungen werden innerhalb von 30 Tagen fällig. Längere Fristen seien die Ausnahme und vor allem im Baugewerbe zu finden.
„Die Unternehmen versuchen, ihre Liquidität eng zu steuern und offene Forderungen schneller in Cashflow umzuwandeln“, so Maier.
Auch der Ausblick bleibt verhalten. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 50 Prozent mit anhaltend hohen Insolvenzraten, 31 Prozent mit einem Anstieg.
Als größte Risiken für das Zahlungsverhalten im B2B-Geschäft wurden in der Umfrage schwache Konjunktur, steigende Betriebskosten und anhaltende Lieferkettenstörungen genannt. „In der Industrie kommen hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie eine schwache Exportnachfrage hinzu“, ergänzt Atradius.
„Viele Unternehmen gehen inzwischen davon aus, dass die wirtschaftliche Unsicherheit kein kurzfristiges Phänomen mehr ist“, sagt Maier. Umso wichtiger sei es, Zahlungsrisiken konsequent zu steuern und die finanzielle Stabilität langfristig zu sichern.
Damit gewinne professionelles Liquiditäts- und Risikomanagement weiter an Bedeutung, so der Kreditversicherer.
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