Blockchain, „smarte“ Verträge und einige offene Fragen

5.5.2021 – Effizientere Prozesse, bessere Datenqualität, neue Versicherungsmodelle, aber etwa auch die Gefahr, dass der Datenschutz leiden oder nicht so technologieaffine Kunden zur Seite gedrängt werden könnten: Die europäische Versicherungsaufsicht will der Frage nachgehen, wie die Chancen und Risiken von Blockchain und „smarten“ Verträgen zu bewerten sind. Dazu hat sie nun ein Diskussionspapier vorgelegt.

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„Discussion paper on blockchain and smart contracts in insurance“ nennt sich ein Dokument, das die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) vor kurzem veröffentlicht hat.

Mit dem „Diskussionspapier zu Blockchain und smarten Verträgen in der Versicherung“ greift sie ein Thema auf, das nicht nur eine – teils bereits in der Praxis angewandte – „Begleiterscheinung“ der Digitalisierung ist. Es ist auch eines, das, wie die Eiopa sagt, Chancen und Risiken birgt.

Effizientere Prozesse, mehr Automatisierung

Blockchain-Technologie könne beispielsweise dazu beitragen, Prozesse schlanker zu machen und deren Automatisierung auszubauen, Effizienz zu steigern und Kosten zu senken, die Erhebung, Qualität und Analyse von Daten zu verbessern, ja neue Produkte und Dienstleistungen zu schaffen.

So könnten „vollständig dezentrale Peer-to-peer-Versicherungsmodelle“ ebenso forciert werden wie Ökosysteme oder „parametrische“ Versicherungen, die bei Eintritt bestimmter Bedingungen – eben Parameter – die Versicherungsleistung auslösen.

Klassische Beispiele für eine solche parametrische Versicherung: Ein Flug verspätet sich – die Versicherung zahlt die Entschädigung; eine bestimmte Menge Regen fällt, Wind erreicht eine bestimmte Intensität – und die Zahlung der Versicherungssumme wird angestoßen.

Auch für die Aufsicht selbst könnte die Verknüpfung von Blockchain und „smarten“ Verträgen neue Möglichkeiten eröffnen, speziell durch Automatisierung im Berichtswesen. Mehr Transparenz, mehr Datenkonsistenz und -qualität könnten damit einhergehen.

Cybersicherheit, Datenschutz und andere Risiken

Eiopa-Diskussionspapier zu Blockchain und smarten Verträgen (Cover; Quelle: Eiopa)
Eiopa-Diskussionspapier zu
Blockchain und smarten Verträgen
(Cover; Quelle: Eiopa)

Einer Aussicht auf größere Effizienz und Verringerung bestimmter bestehender Risiken stehe jedoch der Umstand gegenüber, dass gerade diese neuen Möglichkeiten auch neue Risiken entstehen lassen können, sowohl für Versicherer und Kunden als auch die Aufsicht.

Da sich die Blockchain-Technologie noch entwickle, zeichne sich eine Reihe von Herausforderungen ab. Dazu zählt die Eiopa etwa deren Komplexität, aber auch Fragen der Cybersicherheit und der Integration in bestehende Systeme. Auch Bedenken in Bezug auf die rechtliche Stellung „smarter“ Verträge seien schon erhoben worden.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Datenschutz, nicht zuletzt, weil die Blockchain eine Kette von Informationsblöcken über Aktionen und Transaktionen und somit eine Sammlung von Kundendaten darstellt.

Beratung und Information muss gewohnten Standards genügen

Und die Eiopa listet noch einige weitere Punkte auf, die es zu beachten gelte. Zum Beispiel, wenn es um Beratung und Offenlegungspflichten geht. Besonders bei den komplexeren Produkten könnte es nötig sein, diesen Aspekten verstärktes Augenmerk zu widmen.

Automatisierte Ausführung sowie Durchsetzung vertraglicher Bestimmungen könnten überdies zu einem Hemmschuh werden, wenn sich während der Durchführung des „smarten“ Vertrags etwas Unvorhergesehenes ereignet.

Eine andere Gefahr sieht die Behörde darin, dass Kunden, die eher den traditionelleren Kommunikationskanälen zugeneigt sind oder nicht so technologieaffin sind, womöglich an den Rand gedrängt werden. Die Komplexität und Neuartigkeit solcher Angebote könnten bei Konsumenten außerdem zu Lücken im Wissen über die Produkte führen.

In jedem Fall, hält die Eiopa fest, müssen potenzielle Kunden die Produktmerkmale ihres Vertrags voll verstehen, „und die Bereitstellung von Beratung und Information muss den Standards entsprechen, die in traditionellen Polizzen erwartet werden“.

Stellungnahmen erwünscht

Da das Papier, wie sein Name sagt, der Diskussion dienen soll, können Stellungnahmen dazu eingereicht werden, und zwar bis 29. Juli 2021. Das lässt sich über ein Onlineformular erledigen.

Das Papier selbst kann als PDF-Dokument (507 KB; englisch) von der Eiopa-Website heruntergeladen werden.

 
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