Chancen und Risiken für Unternehmen in der Cloud

25.6.2020 – KPMG hat eine Studie zur Nutzung und zu den Risiken der Cloud-Nutzung in Österreich erstellt. Knapp jedes zweite Unternehmen nützt Cloud-Dienste, die meisten von ihnen sehen darin einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung. Covid-19 werde nun Cloud-Lösungen noch attraktiver machen, erwartet das Beratungsunternehmen. Aufholbedarf gebe es hierzulande noch bei Notfallvorsorge und Sicherheitskonzepten.

Österreichischer Cloud Monitor 2020 (Cover: KPMG)
Österreichischer Cloud Monitor 2020 (Cover: KPMG)
Zum Vergrößern Bild anklicken.

Im Auftrag des Beratungsunternehmens KPMG Austria GmbH hat die Bitkom Research GmbH den österreichischen Cloud Monitor 2020 erstellt. Befragt wurden dazu in telefonischen, computergestützten Interviews Führungskräfte in 252 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern.

Cloud Computing sei für einen Großteil der heimischen Unternehmen inzwischen zu einem wesentlichen Bestandteil der IT-Infrastruktur geworden, heißt es dazu im Vorwort. Nur eine kleine Minderheit habe das Thema noch nicht auf der Agenda.

Es gehe nicht mehr darum, ob Cloud Computing genützt werden soll, sondern darum, wie es in bestehende IT-Systeme integriert werden kann. Die jüngsten Ereignisse zu Covid-19 ließen nun einen wesentlich höheren Zuspruch für Cloud Computing erwarten, so KPMG.

Verwendung: noch Luft nach oben

Zwar sei die Cloud-Nutzung in Österreich angekommen, so KPMG: Rund 47 Prozent der heimischen Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern würden in der Cloud arbeiten. Allerdings liege dieser Wert in Deutschland mit 76 Prozent wesentlich höher.

Von jenen Unternehmen, die die Cloud nutzen, glauben 81 Prozent, dass sie einen sehr großen oder eher großen Beitrag zur Digitalisierung leiste. KPMG weist hier auf den sehr starken Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Cloud hin.

79 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Cloud Computing zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT-Abteilung beitragen kann, 77 Prozent sehen einen Beitrag zur Digitalisierung interner Prozesse.

Cloud Computing bilde das Rückgrat der universellen Vernetzung und mache die digitale Transformation zur Industrie 4.0 überhaupt erst möglich, so KPMG. Unternehmen würden ihre Abläufe immer mehr auf Cloud-Lösungen umstellen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Public Cloud – IT-Infrastruktur aus dem Internet

Public Clouds – also über das Internet zugängliche IT-Infrastrukturen, die von Anbietern einer Vielzahl von Kunden zur Verfügung stehen – werden aktuell von 32 Prozent der befragten Unternehmen genutzt, weitere 32 Prozent planen deren Einführung.

Dies stelle neue Anforderungen an Services, Prozesse, Skills, Rollen, Arbeitsweisen, Informationssicherheit und Governance, betont KPMG.

Die am häufigsten verwendeten Cloud Services sind jene von Microsoft und Amazon. Dahinter rangieren SAP, Salesforce und Google Cloud; zukünftig größere Bedeutung in Europa könnte die chinesische Alibaba Cloud bekommen.

Integration der Public Cloud

Wichtig sind den Nutzern, Planern und Diskutierern von Public Clouds vor allem transparente Sicherheitsarchitektur und –kontrollen sowie security-spezifische Service Level Agreements. Wichtigstes Auswahlkriterium sei die Konformität mit der Datenschutzgrundverordnung.

57 Prozent der Public-Cloud-Nutzer verwenden diese auch für kritische Anwendungen, Umgebungen und Workflows, rund 40 Prozent speichern darüber hinaus auch sensible Unternehmensdaten in der Cloud. Vor allem Großunternehmen seien von der Sicherheit der Cloud-Lösungen überzeugt.

Bei der Integration der Public Cloud haben 68 Prozent der Nutzer Probleme festgestellt, heißt es in der Studie. Schwierigkeiten hätten vor allem die Umsetzung der Security- und der Compliance-Anforderungen bereitet.

Eine Frage der Sicherheit

Sicherheitskonzepte für alle oder bestimmte Cloud-Szenarien haben 58 Prozent der Nutzer ausgearbeitet. Mehr als zwei Drittel der Cloud-Nutzer haben in den vergangenen zwölf Monaten Ausfallzeiten registriert, aber nur jedes vierte Unternehmen habe darauf reagiert.

Nur 18 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf Multi Cloud Computing, bei Großunternehmen ab 250 Mitarbeitern sind es aber mehr als die Hälfte. Gründe für eine Multi-Cloud-Strategie sind häufig die Vermeidung von Cloud-Ausfällen sowie die Erhöhung der Redundanzen.

„Hinsichtlich Notfallvorsorge und Cloud-Nutzung gibt es bei österreichischen Unternehmen eindeutig noch Aufholbedarf“, erklärt dazu KPMG-Partner Michael Schirmbrand. Er empfiehlt, Sicherheitskonzepte von Anfang an zu entwickeln und kontinuierlich an die IT-Infrastruktur anzupassen.

In der Public Cloud weniger Sicherheitsvorfälle

Nutzer von Public-Cloud-Lösungen seien seltener mit Sicherheitsvorfällen konfrontiert als Nutzer von unternehmensinternen IT-Systemen, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Die Aufklärung von Verdachtsfällen in Unternehmen gehe allerdings sehr langsam voran. Es zeuge sich, dass vor allem die neuen Cloud Services noch nicht in zentrale Monitoring- und Überwachungswerkzeuge eingebunden seien.

Unternehmen müssten aber ihre Analyseprozesse aktuell halten und regelmäßig auf den Prüfstand stellen, um mit dem Tempo der Angreifer mithalten zu können, warnt KPMG.

Weitere Informationen

Die „Cloud Monitor Studie 2020“ kann unter diesem Link bei KPMG Austria bestellt werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Mitarbeiter · Strategie
 
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
23.4.2020 – Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal gehen die beiden Ergo-Vorstände Philipp Wassenberg und Christian Noisternig auf die Folgen der Corona-Krise für ihr Unternehmen ein. Gleichzeitig kündigen sie aber Neuerungen an und wagen einen Blick in die Zeit nach der Pandemie. (Bild: Philipp Lipiarski) mehr ...
 
20.1.2020 – Die aktuelle Ausgabe des VersicherungsJournal Spezial widmet sich dem Thema Digitalisierung. Lesen Sie jetzt online, welche Auswirkungen die rasante technische Entwicklung auf Versicherer, Vertrieb und Kunden hat, oder bestellen Sie das gedruckte Magazin kostenlos. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...