Coface: Keine Insolvenzprognose – aber Grund für Optimismus

23.2.2021 – Der Kreditversicherer spricht einerseits von einer ungleichen Erholung der Volkswirtschaften von der Pandemie und Faktoren wie Lockdowns, die die Wirtschaft belasten. Andererseits sieht Coface die Grundvoraussetzungen für einen raschen Aufschwung durchaus gegeben, sobald sich die Situation entspannt.

Das weltweite Wachstum werde 2021 durchschnittlich +4,3 Prozent erreichen, der Welthandel um 6,7 Prozent wachsen, schätzt die Coface SA. Zum Vergleich: 2020 sei der Welthandel um 5,2 Prozent geschrumpft.

Dies gab der Kreditversicherer am Montag anlässlich seiner neuesten vierteljährlichen Länder- und Branchenbewertung bekannt.

Die Berechnungen fußen auf der Annahme, dass die großen Volkswirtschaften bis Sommer 2021 mindestens 60 Prozent ihrer Bevölkerung impfen können und damit ein „Ende der Stop-&-Go-Zyklen“ erreicht wird, „die schädlich für die wirtschaftliche Aktivität sind“.

Österreich-Prognose: 2020 –7 Prozent, 2021 +4 Prozent

Aktuell liege die Wachstumsprognose für Österreich bei –7 Prozent für 2020 und 4,0 Prozent für 2021.

„Insgesamt zeigen unsere jüngsten Analysen in unserer Länder- und Branchenbewertung, dass wir weltweit und in Österreich mit einer ungleichmäßigen wirtschaftlichen Erholung zu rechnen haben“, sagt Dagmar Koch, Country-Managerin von Coface Österreich.

Während die Entwicklung in China und anderen asiatischen Volkswirtschaften wie Taiwan das globale Wachstum ankurble, würden die großen Volkswirtschaften heuer nicht auf das BIP-Niveau von vor der Krise zurückkehren.

„Länder, die stark von vom Dienstleistungssektor abhängig sind, wie etwa Spanien oder das Vereinigte Königreich, werden länger für die Erholung brauchen, ebenso wie jene Nationen, die im Impfprozess hinterherhinken“, so Koch.

Ungleiche Erholung, mehrere Faktoren

„Der Anstieg der daraus resultierenden Ungleichheit, zusammen mit der öffentlichen Unzufriedenheit im Umgang der Regierungen mit der Pandemie in vielen Ländern“, begünstigt nach Einschätzung von Coface potenziell das Auftreten von Protesten und Gewalt.

Als weitere Einflussfaktoren nennt Coface die Virusmutationen, unterschiedliche Impfstrategien und Lockdowns, die der Wirtschaft weiterhin zu schaffen machen. Koch rechnet im Übrigen damit, dass die Reisebeschränkungen „uns noch einige Monate begleiten“ werden.

Keine Insolvenzprognose

Die Anzahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen sank 2020 um fast 40 Prozent (VersicherungsJournal 18.2.2021, 11.12.2020). Für 2021 rechnet Coface mit einer ähnlichen Entwicklung.

Denn schon jetzt sei klar, dass die Maßnahmen in vielen Staaten „bis weit ins Jahr 2021“ laufen. „Der Blick auf die Realität bleibt also weiterhin so lange verschleiert, wie der Patient Wirtschaft am Tropf der staatlichen Maßnahmen hängt“, so Koch.

Auf eine Insolvenzprognose für das laufende Jahr verzichtet Coface daher. Wenn der Staat in den Markt eingreife, „indem immer wieder die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt wird und gleichzeitig die Regierung in nie dagewesenem Umfang die Wirtschaft unterstützt, sind Modellprognosen schlicht nicht mehr möglich“.

„Wirtschaft muss nicht wiederaufgebaut werden“

Alles in allem sieht Koch trotz der Umstände Grund für Optimismus: „Die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen wie Arbeiter, Maschinen und sogar Kapital sind vorhanden. Sie werden nur aufgrund der Lockdown-Maßnahmen gehemmt.“

Und: „Sobald sich die Situation entspannt, sehen wir sofort eine starke Erholung. Das war bereits im dritten Quartal 2020 in fast allen europäischen Ländern der Fall. Die europäische Wirtschaft muss nicht wiederaufgebaut werden, sondern hat nur eine Pause gemacht.“

Ihre Handlungsempfehlung: „Das Beste, was man tun kann, ist eine schnelle und flächendeckende Impfkampagne. Dies muss europaweit funktionieren. Es ist sehr wichtig, dass die Länder innerhalb und außerhalb der EU ihre Beschränkungen aufheben können, denn die Länder sind wirtschaftlich zu sehr miteinander verbunden, um sie zu trennen.“

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