Coface: Krisenjahre 2008/2009 „verblassen“ gegen Corona

24.3.2020 – Prognosen für den Ausgang der Krise könnten derzeit „seriös nicht abgegeben“ werden, heißt es vom Kreditversicherer. Unternehmen wolle man vorerst mit einer Fristerstreckung für die Benachrichtigung über überfällige Forderungen helfen und allfällige weitere Optionen prüfen, meldet Coface Österreich. In der Bundesrepublik erwartet das Ifo derweil, dass die Kosten durch Corona „voraussichtlich alles übersteigen [werden], was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“.

Bei der Coface, Niederlassung Austria, wird temporär die Frist für die Benachrichtigung über überfällige Forderungen (Notification of Overdue Account) um 60 Tage verlängert. Dies teilte das Unternehmen am Montag mit.

„Selektiv und auf Einzelfallebene“ überprüfe man weitere Optionen zur eventuellen zukünftigen Lockerung weiterer Vertragsregelungen. Dies werde gegebenenfalls kommuniziert werden.

Unterstützung in der Krise

Coface will damit „vor allem unseren heimischen Unternehmen unter die Arme greifen, die aktuell all ihre Kräfte benötigen, um ihr Unternehmen sicher durch diese Krise lenken zu können“, sagt Declan Daly, Regional CEO der Coface für Zentral- und Osteuropa.

„Wir appellieren an die Unternehmen, das sorgfältige Risikomanagement auf keinen Fall zu vernachlässigen. Risikovermeidung und Schadensbegrenzung müssten weiter im Fokus bleiben“, betont Daly.

Coface selbst habe den Geschäftsbetrieb auf Teleworking umgestellt: Weltweit, auch in Österreich, seien fast alle Mitarbeiter im Homeoffice. „Alle Systeme funktionieren, sodass die Kundenbetreuung gewährleitet ist.“

„Ohne historischen Vergleich“

Die derzeitige Situation sei „ohne historischen Vergleich“, ergänzt Georg Sattler, Regional Director für Information, Debt Collection und Claims für Zentral- und Osteuropa.

„Selbst die Krisenjahre 2008/2009 verblassen gegen dieses gewaltige Ausmaß, und Prognosen für den Ausgang können derzeit seriös nicht abgegeben werden“, so Sattler weiter.

Auf der Risikoseite sei die Lage bezogen auf Länder und Branchen komplex. Sicher ist aus seiner Sicht: „Insolvenzen und damit die Schäden bei den Kreditversicherern werden steigen, da die Auswirkungen der Corona-Krise die Liefer- und Wertschöpfungsketten in einer vorher schon politisch angespannten Situation voll treffen.“

Coface arbeite „intensiv an der individuellen Betrachtung der steigenden Risiken“ in Ländern und Branchen. „Die Maßnahmen wie die Anpassungen von Kreditlimiten erfolgen individuell und selektiv.“ Die globalen Teams träfen täglich adaptierte Entscheidungen.

Ifo: Düstere Aussichten

Die Unwägbarkeiten spiegeln sich auch in Berechnungen wider, die das Ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. für die größte Volkswirtschaft in der EU, die Bundesrepublik Deutschland, angestellt hat.

„Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest in einer Pressemitteilung vom Montag.

Unterschiedliche Szenarien durchgerechnet

„Wenn die Wirtschaft zwei Monate lang teilweise stillsteht, entstehen Kosten je nach Szenario zwischen 255 und 495 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsleistung schrumpft dann im Jahr um 7,2 bis 11,2 Prozentpunkte“, sagt Fuest.

Unterstellt werde dabei im besten Szenario, dass die Wirtschaftsleistung für zwei Monate auf 59,6 Prozent zurückgeht, sich im dritten Monat auf 79,8 Prozent erholt und im vierten Monat wieder 100 Prozent erreicht.

„Bei drei Monaten Teilschließung erreichen die Kosten bereits 354 bis 729 Milliarden Euro, das sind 10,0 bis 20,6 Prozentpunkte Wachstumsverlust.“

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