Coface prognostiziert „langes Leiden“ für die Luftfahrt

15.9.2020 – Corona habe den gesamten Sektor der Transportwirtschaft „disruptiert“, besonders die Luftfahrt sei betroffen, sagt Kreditversicherer Coface. Eine rasche Erholung werde es nicht geben, lautet die Vorhersage. Selbst ohne zweite Corona-Welle würde der Umsatz der börsennotierten Unternehmen des globalen Transportsektor zum Ende des vierten Quartals gegenüber Ende 2019 um rund ein Drittel einbrechen.

Bis sich die Transportbranche von Corona erholt, wird es dauern, glaubt man bei Kreditversicherer Coface.

„Der Transportsektor wird sich nicht vor 2022 auf das Niveau des vierten Quartals 2019 erholen“, prognostiziert Declan Daly, Regional CEO für Zentral- und Osteuropa, in einer Aussendung vom Montag. Derzeit gebe es „keinerlei Anhaltspunkte für eine rasche Erholung“.

Covid-19 habe den gesamten Sektor der Transportwirtschaft „disruptiert“, heißt es von Coface. Die Branche sei besonders heftig getroffen, weil sich die Wirtschaftstätigkeit schon zuvor verlangsamt habe. Daly: „Die Corona-Krise wirkte wie ein Katalysator in dieser Entwicklung.“

Starker Umsatzeinbruch erwartet

Die Coface-Ökonomen haben im Juli eine Analyse zur Branchenentwicklung angestellt: Laut dem Szenario wird der Umsatz der börsennotierten Unternehmen des globalen Transportsektors im vierten Quartal 2020 um 32 Prozent und im vierten Quartal 2021 noch um fünf Prozent niedriger sein als zum Jahresende 2019.

Diese Zahlen basieren auf der Annahme, dass es keine „zweite Welle“ des Virus gibt. „Sollte es zu einer zweiten Pandemiewelle in diesem Jahr kommen, wäre der Umsatz im vierten Quartal 2020 sogar um 57 Prozent und im vierten Quartal 2021 um 27 Prozent niedriger als Ende 2019“, so Daly.

Luftfahrt besonders betroffen

Von 13 Sektoren, zu denen Coface sektorale Risikobewertungen veröffentlicht, sei der Luftverkehr am stärksten betroffen, teilt das Unternehmen mit. „Der Umsatz dürfte im Basisszenario um 51 Prozent und im Falle einer zweiten Covid-19-Welle bis Ende 2020 um 57 Prozent zurückgehen.“

Der Einbruch des Reiseverkehrs habe auch zu einem starken Rückgang der Luftfrachtkapazität geführt, da der Großteil der Fracht von Passagierflugzeugen mitbefördert werde. Daly spricht wörtlich davon, dass Coface mit einem „langen Leiden“ für die gesamte Luftfahrtbranche rechne.

Die Folgen der Pandemie waren auch bei der Hauptversammlung des Flughafens Wien vor wenigen Tagen Thema. Wie der „Börsen-Kurier“ berichtet, rechnet Vorstand Julian Jäger mit einer „spürbaren Erholung“ erst mit dem Sommerflugplan 2021, und das Passagierniveau in Europa werde erst zwischen 2024 und 2027 wieder jenes von 2019 erreichen.

Abseits des Flugverkehrs ist Coface zufolge auch im See- und Schienenverkehr auf globaler Ebene „eine starke Verschlechterung“ zu verzeichnen – auch wenn es einigen Märkten, etwa dem Schienengüterverkehr zwischen China und Europa, „relativ gesehen, besser geht“.

Innovationen als möglicher Ausweg

Der „Schlüssel für eine positive Entwicklung“ könnte nach Ansicht von Coface-Experten in Innovationen liegen.

„Auf lange Sicht werden Nachhaltigkeit und Umweltschutz die bestimmenden Herausforderungen für den Verkehrssektor und hier insbesondere für die Luftfahrt bleiben“, so Daly. „Es wird Innovationen brauchen, die einen weniger umweltbelastenden Verkehr ermöglichen.“

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